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Hude Die kommunalen Kindertagesstätten sollen ab 2020 analog zu den Kitas in freier Trägerschaft mehr feste Schließzeiten im Verlauf des Jahres haben. Vorgeschlagen hat die Verwaltung, drei Wochen in den Sommerferien komplett zu schließen. Dieser Empfehlung ist der Ausschuss für Jugend, Gesellschaft und Soziales mehrheitlich gefolgt. Zuvor gab es jedoch ordentlich Gegenfeuer von den Kritikern der Schließzeiten.

Nach einer hitzigen Diskussion und einer Ausschussunterbrechung entschieden sich neun für und vier gegen die Beschlussempfehlung.

Das soll sich ändern

„Es geht dabei um die Planungssicherheit für die Eltern“, sagte Bürgermeister Holger Lebedinzew. Von neun Kindertagesstätten in der Gemeinde Hude sind fünf in kommunaler Trägerschaft. Bisher läuft es so: Die kommunalen Kindergärten sind in den Osterferien zwei Wochen geschlossen, erläuterte Ramona Dahms, Fachbereichsleiterin Personal. Die erste Woche wird für Reinigungsarbeiten genutzt, in der zweiten Woche verbrauchen die Mitarbeiterinnen – berücksichtigt man den Feiertag – vier Urlaubstage. Bleiben noch 26, die über das Jahr verteilt genommen werden können. Und genau hier liegt nach Ansicht der Verwaltung das Problem.

Ist eine Mitarbeiterin im Urlaub, steht der Betrieb auf wackeligen Beinen. „Letztes Jahr mussten wir eine Woche schließen“, berichtete Lebedinzew von einer unglücklichen Lage, dass Mitarbeiterinnen sowohl krank als auch im Urlaub gewesen seien. „Wir konnten die Gruppe nicht aufrechterhalten und schlussendlich gab es spontan keine Betreuung mehr“, betonte der Bürgermeister. Mit einer Erweiterung der Schließzeiten in den Sommerferien um drei Wochen, kämen die Mitarbeiterinnen somit auf insgesamt 15 Urlaubstage, die im Jahr fix sind. „Damit im restlichen Jahr weniger Personen gleichzeitig im Urlaub ist“, begründete Dahms das Vorhaben. Im Resultat würden sich die festen Schließzeiten von derzeit zwölf auf 21 Tage erhöhen.

Das spricht dafür

Feste Schließzeiten sollen in erster Linie Planungssicherheit für die Eltern garantieren. „Zwangsurlaub in den Sommerferien ist ein gängiges System, und es ist verlässlich“, argumentierte der Bürgermeister. „Wir stellen fest, dass es unheimlich viele Vorteile hat, gerade auch für den Personalschlüssel.“ Dem schloss sich Friedrich Schnabel (CDU) an: „Qualität statt Quantität. Die Problemlage ist da. Wir nähern uns dem an, was die freien Träger machen und strukturieren das Angebot neu.“ Außerdem regte er an, einen Notdienst ermöglichen zu können.

Mit guten Erfahrungen von festen Schließzeiten brachte sich Petra Ahrens, Leiterin der katholischen Kita St. Marien und Ausschussmitglied, in die Diskussion ein. Sie erinnerte daran, dass „Eltern noch viel mehr zu bewältigen haben, wenn die Kinder in die Schule kommen“ und ist deshalb der Meinung: „Schließzeiten, das können die Eltern schultern.“ Sie denkt dabei nicht nur an die Planungssicherheit, sondern auch an die Erzieherinnen. „Alle sind im Urlaub und nach drei Wochen geht es wieder gemeinschaftlich los. Wenn ständig jemand im Urlaub ist, und einer die Arbeit alleine schultern muss, macht das krank.“ Einen letzten Punkt sprach sie an, bei dem sie zum Teil Zuspruch erhielt: „Kinder wollen auch mal Ferien haben und zu Hause bleiben dürfen.“

Das spricht dagegen

Ob es Aufgabe der Gemeinde ist, Ferien für Kinder sicherzustellen, stellten andere zumindest in Frage. Für Anke Paradies (SPD) sind Schließzeiten ein großer Rückschritt. „Wir waren ein Aushängeschild für immer geöffnete Kindergärten, für Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, sagte sie.

Ein Contra gab es in Hinblick auf Einschränkungen bei der Wahl der Urlaubstage für die Mitarbeiterinnen. Eine Meinungsumfrage läuft derzeit. Der Personalrat hat sich zum Thema noch nicht geäußert. „Das sehe ist kritisch“, kommentierte Bernd Stolle (SPD) die Tatsache, dass es vonseiten der Mitarbeiter und des Personalrates noch keine Zustimmung für feste Schließzeiten gebe. Andere schlossen sich seiner Meinung an, nicht über die Köpfe der Mitarbeiterinnen hinweg entscheiden zu wollen. Deshalb schlug Behindertenbeauftragter Jörg Kreusel vor, die Entscheidung zu vertagen: „Wir sollten uns vernünftig alles einholen und das Ding nicht durchzupreschen.“ Im Januar wird der Beschlussvorschlag im Verwaltungsausschuss beraten. Die Schließzeiten sollen ab 2020 gelten. Eine Evaluation soll 2021 durchgeführt werden.

Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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