Hude Diese Chance ließen sich die Bürgerinnen und Bürger nicht nehmen: Am Donnerstagabend löcherten sie Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne, der auf Einladung des SPD-Ortsvereins nach Hude gekommen war, mit zahlreichen Fragen zum Thema Bildung. Vor allem Erzieher und Lehrkräfte haben das Angebot genutzt, um dem Minister auf den Zahn zu fühlen. Eine Auswahl der Fragen mit den zusammengefassten Antworten des Ministers lesen Sie hier:

*  Werden die Gruppengrößen in Kitas verkleinert?
„Die Forderung nach kleineren Gruppen in Kitas ist absolut berechtigt, allerdings glaube ich nicht, dass wir an dieser Stellschraube aktuell drehen können. Der Hebel liegt an anderer Stelle. Das Gegenteil ist eher der Fall, wir führen momentan eine Diskussion, wo an uns mit sehr viel Nachdruck herangetragen wird, dass wir bitte größere Gruppen einrichten sollen. Wir sagen aber gerade sehr deutlich, dass wir das nicht machen werden.“

*  Wird Kita für Migrantenkinder verbindlich?

„Wir haben nicht vor, den Besuch einer Kita verpflichtend einzuführen. Wir werben dafür, dass möglichst viele Kinder eine Kita besuchen. Bezüglich der vorschulischen Sprachförderung lässt sich sagen, dass bei den Kindern, die im letzten Jahr vor der Einschulung keine Kita besuchen, die Sprachstandsfest­stellung durch die Schule erfolgt. Bei allen Kindern, die eine Kita besuchen, kann diese dort stattfinden. So kann gewährleistet werden, dass kein Kind hinten abfällt.“

*  Wie lässt sich der Absturz des Bildungsniveaus stoppen?

„Ich glaube, dass wir gut beraten sind, mal genauer hinzuschauen, bevor wir zu der Feststellung kommen, dass wir ein Absturz des Bildungsniveaus haben. Wir haben jetzt beispielsweise die Auswertung des Abiturs 2018 gehabt. Wenn man sich das anschaut, ist das im Schnitt ein total normaler Durchgang gewesen. Was mir zunehmend auf die Nerven geht, ist die Tatsache, dass wir eine Explosion an vermeintlichen Studien über unser Bildungssystem haben. Ich will mir nicht jede Woche neue Studien anschauen, ob wir jetzt in Millibereichen besser oder schlechter geworden sind. Ich finde, wir sollten dazu übergehen, dass wir vertrauen in das haben, was in den Kitas und Schulen Gutes geleistet wird.“

* Umstellung von Schulbücher auf Tablets – wie wird die Digitalisierung geregelt?

„Vorweg möchte ich eines klarstellen: Ich möchte keine Digitalisierung der Schule, sondern ich möchte, dass wir dort ein Lernen mit digitalen Medien ermöglichen. Eine Digitalisierung der Schule würde nämlich heißen, Lehrer weg und wir stellen Roboter hin. Und beim Lernen ist eine Bezugsperson entscheidend. Jetzt zu der Frage, was wir alles umsetzen möchten: Erstens gilt es sicherzustellen, dass alle Schulen auch eine vernünftige Breitbandanbindung bekommen. Dann verhandeln wir jetzt seit einiger Zeit mit dem Bund über Mittel, die es aus dem Digitalpakt geben soll. Dieses Geld soll dann genommen werden, um eine vernünftige Ausstattung – im Austausch mit den Kommunen – zu gewährleisten.

Die Geräte sollen dann nicht in speziellen Räumen genutzt werden, sondern im Unterricht einbezogen werden. Wir setzen auch darauf, dass die Schüler das mitbringen, was sie haben. Bei den Zwölf- bis 19-Jährigen haben nahezu 95 Prozent der Schüler ein internetfähiges mobiles Gerät. Das soll in der Schule dann auch genutzt werden. Zudem brauchen wir Lehrkräfte, die diesen Weg mitgehen möchten.“

*  Wie kann es gelingen, den Beruf des Lehrers attraktiver zu machen?

„Ich zähle drei Bereiche, die man dafür angehen muss. Das erste ist natürlich die Frage nach der Besoldung. Die Forderung nach einer besseren Besoldung, insbesondere im Bereich von Grund-, Haupt- und Realschullehrkräften, ist fachlich sehr nachvollziehbar. Ich glaube, wir sind gut beraten, dass wir dort um Verbesserungen in der Besoldung kämpfen. Wir haben es geschafft, dass das Kabinett im Rahmen der Haushaltsklausur im Juni des Jahres gesagt hat, es möchte eine gemeinsame juristische Prüfung, ob die veränderte Ausbildung hin zu GHR 300 einen Rechtsanspruch auf eine bessere Bezahlung begründet. Das ist ein Schritt, den man nicht unterschätzen darf.

Der zweite Punkt ist das Thema Entlastung und Arbeitserleichterung. Wir prüfen gerade, wo wir Entlastungspakete für Lehrkräfte schnüren können. Dabei geht es darum, Arbeiten rauszunehmen, die in den letzten Jahren immer noch zusätzlich dazugekommen sind – besonders im Bereich der Dokumentation. Ich werbe dafür, hier auch den Mut zu haben, einen Teil wegzulassen.

Als dritter Punkt muss eine Debatte über die Wertschätzung der Arbeit geführt werden. Es muss erstens aufgehört werden, dass bei all dem, was gesellschaftlich schief läuft, gesagt wird, dass das Schule oder Kita lösen muss. Zweitens gehört dazu, dass Vertrauen entwickelt wird und sich nicht überall eingemischt wird. Wir müssen den Lehrkräften vertrauen, dass die Entscheidung, die sie treffen, die richtige ist. Ich glaube, dass es eine entscheidende Rolle spielt – wenn wir über Attraktivität des Berufes sprechen – ob man der „Döspaddel“ der Nation ist oder ob man entsprechend Anerkennung und Respekt für eine unglaublich wichtige Aufgabe bekommt.“

Gloria Balthazaar
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion

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