Harpstedt /ld /kk Raumnot war ein ständiger Begleiter, als in der zweiten Hälfte der 1960-er Jahre in Harpstedt der Schulunterricht organisiert wurde. Wie und wo der damalige Rektor Günter Knappmeier all die vielen Schüler unterbrachte, das sei „eine Großleistung“ gewesen, bescheinigt der langjährige Fleckenbürgermeister Hermann Bokelmann rückblickend. Für Entspannung sorgte erst ein Bauprojekt, dessen erste Abschnitte 1969 fertiggestellt waren – und dessen 50-jähriges Bestehen jetzt gefeiert wird: die Mittelpunktschule Harpstedt, später Haupt- und Realschule, heute Oberschule.

Alle in einem Raum

Die Ausgangslage in der ersten Hälfte der 1960-er Jahre: In der jetzigen Samtgemeinde gab es ausschließlich Volksschulen – in Klein Köhren zum Beispiel, Beckeln, Reckum, Wohlde, Klein Henstedt, Schulenberg, Groß Ippener, Klosterseelte, Dünsen. Unterrichtet wurden jeweils die Jahrgänge 1 bis 8, ganz überwiegend in nur einem Raum.

Landkarten kommen unter den Hammer

„50 Jahre Schulgebäude“ sind der Anlass für einen Tag der offenen Tür in der Oberschule (OBS) Harpstedt am Freitag, 3. Mai, von 15 bis 18 Uhr. Nach der Eröffnungsrede von Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse werden Informationen zur OBS gegeben und zum Beispiel alte Landkarten und Gemälde versteigert. Schüler führen das Theaterstück „Der Geist des Hausmeisters“ auf. Auch werden Upcycling- und Holzprodukte verkauft. Abgerundet wird das Programm durch Schulführungen sowie Kaffee- und Kuchenverkauf.

Eine Projektwoche vom 29. April bis zum 3. Mai geht der Feier voran. Hier werden sich die Schüler der OBS mit der Geschichte ihres Hauses befassen. Die Ergebnisse werden am Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vorgestellt.

Eine Ausnahme bildete der Flecken: Im April 1950 war hier die neue errichtete Volksschule mit acht Klassenräumen (heute: der Altbau der Grundschule) eingeweiht worden. 1964 kamen die Pausenhalle und der Südtrakt mit weiteren sechs Klassen- und zwei Gruppenräumen hinzu.

Dass trotzdem der Platz immer knapper wurde, hatte mehrere Ursachen. Erstens kamen starke Jahrgänge an die Schulen. Zweitens machte Niedersachsen das 9. Schuljahr zur Pflicht – was zur Folge hatte, dass die 14-Jährigen von den Dorfschulen in den Flecken kamen. Drittens beschloss das Land die Zentralisierung: Alle 5. bis 9. Jahrgänge sollten in Mittelpunktschulen zusammengefasst werden.

Vor diesem Hintergrund, so erinnert sich Hermann Bokelmann, fanden Mitte 1965 die ersten Besprechungen mit dem Schulrat, der Kreisverwaltung und später auch der Bezirksregierung statt. Ein Ergebnis: Die Klassen 5 und 6 sollten in die Förderstufe, zur Vorbereitung auf Realschule und Gymnasium. Bokelmann hakte nach: Ob in Harpstedt eine Realschule eingerichtet werden könne, um den Schülern die Wege nach Delmenhorst oder Syke zu ersparen? Doch das wurde verneint.

Ippener macht mit

Das änderte sich, als im Mai 1966 die entscheidenden Besprechungen der Bürgermeister über die Finanzierung folgten. Neben dem Flecken waren daran die (damals zwölf) weiteren Gemeinden beteiligt. „Zunächst gab es keine klare Zusage“, erinnert sich Bokelmann. Doch dann habe der damals 70-jährige Bürgermeister von Groß Ippener, Bernhard Kieselhorst, gesagt: „Wenn die Realschule kommt, macht Ippener mit.“ Das sei das zündende Wort gewesen, bis auf Winkelsett und Reckum schlossen sich alle Gemeinden an.

Danach wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Am 22. März 1967 war die erste Sitzung des Schul-Zweckverbandes Kirchspiel Harpstedt, sofort wurde der Planungsauftrag erteilt. Am 15. Juli wurde das benötigte Grundstück gekauft.

Unterdessen war die Situation für Rektor Knappmeier prekärer geworden. 647 Schüler waren im August 1967 in Harpstedt unterzubringen, dazu wurden auch vier mobile Klassen und die Landwirtschaftsschule (heute: DRK-Waldkindergarten) genutzt.

25 Klassen ziehen ein

Doch bald nach der Vergabe der ersten Aufträge im März 1968 ging’s auf der Baustelle los. 1969 konnte Richtfest gefeiert werden, noch im selben Jahr wurden der erste und zweite Bauabschnitt fertig. 1972 folgte die Einweihung. Was da entstand: 18 Klassen- und sechs Gruppenräume, Fachräume für Physik, Chemie, Biologie, Metall- und Holzwerken, Hauswirtschaft, Textilarbeiten, Musik, Maschinenschreiben, ferner die Turnhalle und Verwaltungsräume. 25 Klassen mit 764 Schülern zogen ein.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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