FRAGE: Frau Hettwer, Herr Stemmler, was genau muss man unter Medienkompetenz verstehen?

STEMMLER: Medienkompetenz beinhaltet mehr als nur den Computer. Gemeint sind auch Bücher, Plakate, Zeitungen oder andere Lektüre.

FRAGE: Wie haben Sie bisher Medienkompetenz an Ihrer Schule vermittelt?

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STEMMLER: Wir haben einen Wahlpflichtkurs, zwei AGs und andere Unterrichtsfächer, die sich mit EDV beschäftigen.HETTWER: Ansonsten wollen wir Medienkompetenz fächerübergreifend vermitteln. In Geschichte, Erdkunde und Politik kann zum Beispiel die ganze Palette der verschiedenen Medien genutzt werden. Wie gestalte ich ein Plakat? Wie lese ich eine Karte? In Deutsch werden Mappen erstellt, Lektüre besprochen oder Lexika genutzt. Wir haben aber auch eine Laptop-Klasse, die in allen Fächern in Zweierteams Aufgaben und Projekte am Computer löst. Und wir haben zwei interaktive Smartboards.

FRAGE: Wo liegen die Defizite der Schüler in Sachen Medienkompetenz?

STEMMLER: In der Reflexion des eigenen Umganges mit Medien. Der Umgang mit dem Computer, aber auch mit DVDs und dem Fernsehprogramm ist sehr oft sorglos. Zur Medienkompetenz gehört aber auch das freie Sprechen und die Nutzung von Power Point oder ähnlichem. Bei Präsentationen neigen die Schüler dazu, nicht frei vorzutragen, sondern nur abzulesen.HETTWER: Wenn die Schüler Texte verfassen und Quellen nutzen, werden sie häufig nur kopiert, aber nicht ausgewertet. Auch bei der Auswahl der Quellen sind sie sehr oft sorglos. Wenn sie zum Beispiel eine Internetseite öffnen, hinterfragen sie nicht kritisch, was sie da finden. Auch Fremdwörter werden einfach übernommen, obwohl die Schüler sie selbst nicht verstehen, anstatt ins Lexikon zu gucken und sie zu übersetzen. Die Schüler sind stark auf das Internet fixiert. Fragt man sie, wo man Stellenanzeigen findet, kommen sie kaum auf die Idee, in der Zeitung oder ähnlichem zu suchen.

FRAGE: Wo liegen – vor allem auf digitale Medien bezogen – die Gefahren für die Schüler?

STEMMLER: Sie nutzen zunehmend Facebook und Twitter, um zu kommunizieren – auch auf negative Weise. Dabei sehen sie nicht, dass sie im Internet ihre Spuren hinterlassen und nicht nur zum Opfer, sondern auch zum Täter werden können. Das kann bis zum Mobbing führen.HETTWER: Außerdem verlieren die Schüler durch eine übermäßige Nutzung von diesen Netzwerken ihre direkten Kontakte und die Fähigkeit zur persönlichen Kommunikation, zum Beispiel durch Telefonate und Gespräche. Soziale Kompetenzen, die wir in der Schule aufbauen wollen, werden wieder abgebaut. Zudem droht die Suchtgefahr.STEMMLER: Auch das Handy ist eine Gefahr. In der Schule ist die Nutzung von Handys verboten, weil sie missbraucht werden können. Die Schüler müssen darauf sensibilisiert werden, das Gerät verantwortungsbewusst einzusetzen.

FRAGE: Wie sieht Ihr Konzept zur Integrierung von Medienkompetenz in den Lehrplan genau aus, und wann soll es in Kraft treten?

STEMMLER: Eine Arbeitsgruppe aus Schülern, Eltern und Lehrern wird ein Konzept erarbeiten. Bis Ende dieses Schuljahres soll es fertig werden, damit wir im kommenden Schuljahr durchstarten können. Es soll aber kein extra Schulfach geben. Wir wollen Medienkompetenz fächerübergreifend vermitteln.

FRAGE: Das Land will 10,3 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Wofür wollen Sie Ihren Anteil nutzen?

HETTWER: Verteilt auf alle Schulen bleibt ja nur noch ein relativ geringer Betrag übrig. Den wollen wir für die nötige Ausstattung und die Wartung der Hard- und Software für die EDV nutzen. Zudem müssen die Kollegen durch Fortbildungen die nötigen Voraussetzungen erhalten.

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