Ganderkesee 1120 Anträge auf Versetzung in ein anderes Bundesland haben niedersächsische Lehrer im letzten Jahr laut Kultusministerium gestellt – rund 100 mehr als im Jahr davor und doppelt so viele wie 2014. Einen Lehrermangel muss im Landkreis Oldenburg und in Ganderkesee aber niemand befürchten, wie die Niedersächsische Landesschulbehörde mitteilte.

„Im Vergleich zu anderen Zeiträumen gibt es keine signifikante Steigerung von Bewerbungen“, sagte Schuldezernent Karl-Heinz Book. Probleme, freigewordene Stellen an Schulen neu zu besetzen, gebe es nicht. „Wir haben hier ein hohes Interesse und Begehrlichkeit von Kollegen von außerhalb“, erklärte Book. Das Verhältnis von Zu- und Abgängen halte sich die Waage, eine unbesetzte Stelle sei im Landkreis eine Ausnahme.

Schulversorgung in Ganderkesee sehr gut

Versorgung an Ganderkeseer Schulen

Zahlen des Kultusministeriums, die von der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag erfragt wurden, weisen für Ganderkesee folgende Unterrichtsversorgung aus (September 2019):

Grundschule (GS) Habbrügge 106,6 Prozent; GS Bookholzberg 101,7; GS Schierbrok 102,5; GS Heide 103,6; GS Dürerstraße 99,1; GS Lange Straße 99,8; Förderschule Habbrügger Weg 96,9; Oberschule (OBS) Bookholzberg 104,3; OBS Ganderkesee 106,6; Gymnasium Ganderkesee 96,7.

Auf ihrer Homepage bietet die FDP-Fraktion die landesweiten Zahlen auch als interaktive Karte an:

    www.bit.ly/fdp-schule

Positiv sei deshalb auch die Situation in Ganderkesee. „Ich bin mit der Personalversorgung dort sehr zufrieden“, sagte Book. Die Schulen der Gemeinde haben zusammen derzeit eine Unterrichtsversorgung von über 100 Prozent. „Wir sind tatsächlich beliebt“, bestätigte Jan-Michael Braun, Leiter der Bookholzberger Oberschule. Das führt er nicht nur auf das Arbeitsklima, sondern auch die gute Anbindung zur Region zurück. Von den Verhältnissen aus dem Frühjahr 2016, als die Oberschule eine Versorgung von 74,3 Prozent hatte und „Feuerwehrkräfte“ von der Landesschulbehörde benötigte, ist heute keine Spur mehr. Braun: „Das Tal haben wir mit vereinten Kräften durchschritten.“

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Schülerzahlen in Oberschulen sinken

Laut Ingo Voss, Leiter der Ganderkeseer Oberschule, gibt es für die derzeit gute Versorgung aber noch mehr Gründe als die Beliebtheit des Landkreises: „Wir haben sinkende Schülerzahlen.“ Das geht auch aus den Zahlen des Kultusministeriums für das Schuljahr 2019/2020 hervor, die landesweit an Oberschulen 1480 Schüler weniger als im Vorjahr melden. Alle Schulformen zusammen verzeichnen rund 6000 weniger Schüler.

Eine blind angeordnete Versetzung von Lehrkräften gebe es sowieso nicht, wie Book erklärte. „Man kann das nicht aus der Maschine heraus machen“, sagte er. Eine gute Qualität werde an Schulen nur erreicht, wenn eine persönliche Vermittlung erfolgt: „Ich will Lehrkräfte an Schule bringen, wo sie auch sein wollen.“

GEW fordert mehr Geld für Lehrer

Ein Grund für die landesweit gestiegene Zahl von Versetzungsanträgen ist laut der Gewerkschaft GEW das Gehalt: Grund-, Haupt- und Realschullehrer würden in anderen Bundesländern besser bezahlt, wie GEW-Landeschefin Laura Pooth sagte. Sie fordert deshalb, die Besoldung für alle Lehrer auf A13 anzuheben.

Die Landesschulbehörde widerspricht dem. „Die Gründe, weshalb Kollegen in ein anderes Bundesland wollen, sind nicht primär Geld, sondern Familienzusammenführung“, sagte Book. Eine höhere Besoldung betreffe zudem nicht Lehrer, die bereits im Dienst sind, sondern Studienabgänger. Genau das werde aber langfristig Auswirkungen haben, glaubt Jan-Michael Braun, denn Oberschullehrer liegen aktuell in einer unteren Gehaltsstufe. „Studienanfänger fragen sich dann auch, warum sie etwas anderes machen sollen, wenn sie als Studienräte später mehr verdienen.“

Weniger Bewerbungen an Grundschule

Einen Rückgang von Bewerbungen bestätigte Dörte Lohrenz, Leiterin der Grundschule Bookholzberg. „Anfang der 2000er hatten wir rund 70 Bewerber auf eine Stelle“, sagte sie, „heute sind es vielleicht sieben.“ Dennoch sei die Nähe zur Stadt Oldenburg großes Glück. „Wir haben hier weniger Versorgungsprobleme als andere Regionen“, so Lohrenz.

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Arne Haschen Redakteur / Redaktion Ostfriesland
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