Ganderkesee Ein Handyverbot an Schulen, das in Frankreich seit Anfang September in Kraft ist, gibt es in Niedersachsen nicht. Doch auch in den Schulen in der Gemeinde Ganderkesee müssen Kinder und Jugendliche ihre Smartphones während des Unterrichts ausgeschaltet lassen – mit Ausnahmen.

Interesse an Nutzung

Striktes Handyverbot herrscht an der Schule an der Ellerbäke, der Oberschule in Bookholzberg. „Eigentlich sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones komplett zu Hause lassen“, sagt Schulleiter Jan-Michael Braun. Eigentlich, denn „manche Lehrkräfte lassen die Smartphones zur unterrichtlichen Verwendung zu“, also sei die Realität mittlerweile, dass die Schüler ihr Smartphone dabei haben. „Aber dann nur ausgeschaltet im Rucksack“, so Braun. Wer dennoch während der Schulzeit sein Smartphone benutzt und erwischt wird, darf nach Unterrichtsende ins Sekretariat – um sich das einkassierte Gerät wieder abzuholen.

Der Schulleiter weiß aber auch, dass die Schüler durchaus ein Interesse daran haben, iPhone und Co auch während der Schulzeit zu nutzen. „Je älter die Schüler, desto mehr wünschen sie sich eine Änderung der Schulordnung.“ Auch aus diesem Grund beschäftigt sich aktuell ein Arbeitskreis aus Lehrkräften mit dem Thema. Ergebnisse gebe es aber noch nicht. Braun gibt außerdem zu bedenken, dass Schule vielleicht ein Raum „ohne Handy-Stress“ sein sollte – obgleich Jugendliche den Stressfaktor vielleicht anders sehen.

„Handys gehören mittlerweile selbstverständlich zum Alltag der Schülerinnen und Schüler. Daher ist es uns wichtig, dass sie einen sinnvollen Umgang damit lernen“, sagt Dr. Renate Richter, Direktorin des Gymnasiums Ganderkesee. Aspekte eines Einsatzes von Handys würden an den Methodentagen und im Unterricht thematisiert. Außerdem erlauben die Lehrkräfte, das Smartphone zu bestimmten Zwecken zu nutzen: „Zum Beispiel, um Vokabeln nachzuschlagen, einen Sachverhalt zu klären oder die Stoppuhr-Funktion zu nutzen.“ Der Regelfall sei aber, dass Handys ausgeschaltet und in der Schultasche sein müssten, um Unterrichtsstörungen zu reduzieren.

Die Bereiche, in denen sich die Fünft- und Sechstklässler aufhalten, sind laut Renate Richter handyfreie Zone. „Damit machen wir sehr gute Erfahrungen, bei denen uns auch der neu gestaltete Schulhof zugute kommt.“ Es gebe eine Fülle von altersgemäßen Pausenangeboten, mit denen die Schülerinnen und Schüler so gut beschäftigt seien, dass kaum Zeit bleibe für eine Konzentration auf das Handy.

Auch die Oberschule Ganderkesee will ihre aktiven Pausen künftig attraktiver gestalten. Denn die Schüler machen regen Gebrauch von der Möglichkeit, dass sie ihre Handys zwar nicht in der Schule, aber in der Mensa nutzen dürfen. „Optimal ist das nicht“, sagt der kommissarische Schulleiter Steven Behrens. Allerdings sieht auch er gute Möglichkeiten, die Geräte im Unterricht einzusetzen. „Im Physikunterricht haben wir Videoaufnahmen von Versuchen gemacht“, nennt er ein Beispiel.

Besorgnis der Eltern

Obwohl der Umgang mit dem Handy erst in den weiterführenden Schulen richtig zum Thema wird, hat auch die Grundschule Heide klare Regeln: „Es gibt ein grundsätzliches Verbot, technische Geräte mitzubringen“, sagt Rektorin Ulla Dunker. „Handys dürfen nicht benutzt werden.“ Doch die Schulleiterin weiß, dass einige Kinder ein Handy im Ranzen haben. Oft geschehe das aus Besorgnis der Eltern: „Es ist nicht nötig, dass die Kinder ein Handy mitnehmen, weil sie vom Sekretariat aus telefonieren können.“ Grundsätzlich hält es Ulla Dunker für notwendig, dass sich auch Grundschulen mit der Nutzung von Handys und Tablets beschäftigen. „Man kann sich der Diskussion nicht durch Verbote entziehen.“ Schließlich gehe es um die Lebenswirklichkeit der Kinder.

Antje Rickmeier
Redakteurin, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Claus Arne Hock
Volontär, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee

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