Ganderkesee Mobiles Lernen mit Tablets und Co.: Mit diesem Thema haben sich am Donnerstag Hunderte Lehrer aus ganz Deutschland an der Oldenburger Uni befasst. „Wir müssen den Lehrern die Angst vor den neuen Medien nehmen“, hatte Eyk Franz, einer der Organisatoren der Tagung, betont.

Dass der Umgang mit Tablets und Smartphones allerdings auch eine Kehrseite und Gefahren birgt, dafür sensibilisierte am Donnerstagabend in der Ganderkeseer VHS Dr. Erika Butzmann. Die Entwicklungspsychologin aus Wildeshausen setzte mit ihrem Vortrag „Was macht die digitale Revolution mit unseren Kindern?“ einen Gegenpol zu Eyk Franz, der am liebsten alle Klassenräume mit Tablet-Computern ausstatten würde.

Butzmann, die selbst über kein Smartphone verfügt, forderte die Grundschulen auf, am Verbot von Smartphones während der Schulzeit festzuhalten. „Da sollten die Grundschulen weiter konsequent bleiben. Das ist insbesondere für Kinder wichtig, die von ihren Eltern beim Umgang mit Smartphones und Tablets nicht so geschützt werden, wie es eigentlich nötig wäre“, betonte die Referentin und ermunterte die anwesenden Eltern, ihre Kinder so lange wie irgend möglich von Smartphones und Tablets fernzuhalten.

Aber warum diese deutliche Warnung vor Smartphones und Co.?

Dafür hatte die Expertin gleich mehrere Gründe parat.

  „Das abstrakte Denken, die höchste Stufe der Denkentwicklung, kann nicht ausgebildet werden, wenn schon vor dem zwölften Lebensjahr regelmäßiger Gebrauch des Smartphones oder vielstündiges Fernsehen vorhanden war. Die Bilderflut aus den digitalen Medien nimmt den direkten Weg ins Belohnungszentrums des Gehirns. So kann der normale Informationsfluss ins Gehirn, der über die Lebenserfahrung läuft, nicht ausgebildet werden.“

  „Smartphone und Co. verlangen keine Selbstkontrolle vom Kind, weil alles sofort da ist, was man will. Bei langem Hantieren mit dem Gerät wird der Körper nicht beansprucht, was fatal in der Zeit ist, wo sich die Intelligenz über die körperlichen Erfahrungen entwickelt, was bis weit ins Grundschulalter der Fall ist. Rennen, toben, singen, spielen – Kinder haben Spaß an Gefühlsausdrücken, genießen ihre eigene Gefühlswahrnehmung. Das funktioniert allerdings nicht beim Starren aufs Smartphone. Das führt eher dazu, dass das soziale Denken nicht richtig ausgebildet wird.“

  „Die Entwicklung des sozialen Denkens und Verstehens benötigt vom ersten Tag an die vertrauten Bezugspersonen. Das bewusste soziale Denken beginnt mit etwa drei Jahren im Kontakt mit Gleichaltrigen. Es handelt sich um einen komplizierten sozial-emotionalen Entwicklungsprozess, für den übermäßiges Fernsehen und der Gebrauch von digitalen Bildermedien dauerhaft schädigend ist.“

Viele gute Gründe also, das Smartphone öfter mal links liegen und den Fernseher ausgeschaltet zu lassen und stattdessen zum Buch zu greifen, sich an der frischen Luft zu bewegen oder soziale Kontakte zu pflegen.

Und dennoch geht es heutzutage kaum noch ohne Smartphone und Co. „Ich wollte eigentlich keines, habe aber seit zwei Jahren eines“, sagte eine junge Mutter und verwies auf verschiedene WhatsApp-Babygruppen. „Glauben Sie mal nicht, dass irgendjemand anruft, wenn ein Treffen geplant ist oder ausfällt. Das läuft mittlerweile alles über Smartphone-Nachrichten.“