Wardenburg Alexander Voß erinnert sich genau an jene Zeit, als seine Tochter Karla auf eine normale Grundschule in Oldenburg ging: „Sie war in einer Klasse mit 28 Schülern, kam nicht mit, fühlte sich nicht wohl.“ Die schwierige Schulsituation hatte Folgen für Karla: Ständige Probleme im Alltag, kein Selbstvertrauen, kaum Freunde. Während Karla sich einfach nicht mehr gut genug fühlte, suchten die Eltern nach einer Lösung – und fanden sie: Die Letheschule in Wardenburg.

Gezielte Förderung

„Bei einem Besuch wurde sie super aufgenommen. Uns war klar, wir wechseln.“ Seit Ostern ist die Elfjährige an der Letheschule, an der derzeit rund 65 Schülerinnen und Schüler lernen. Mit der gezielten Unterstützung in den kleinen Gruppen des Förderzentrums mit dem Schwerpunkt Lernen verbesserten sich nicht nur Karlas Leistungen, auch der Alltag entspannte sich. „Die Kinder erleben Erfolge, Anforderungen werden individuell abgestimmt“, weiß Voß, dass Karla hier richtig ist.

Doch nun will die rot-grüne Landesregierung Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen im Zuge der Inklusion abschaffen. Seit dem Schuljahr 2013/2014 dürfen keine Erstklässler mehr aufgenommen werden – nach und nach sollen Kinder mit Förderbedarf in Regelschulen integriert werden, nach und nach würden Förderschulen dem zur Folge aussterben.

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Viele Mütter und Väter wollen das nicht auf sich sitzen lassen. Nun verschaffen sich auch die Elternvertreter der Letheschule Gehör und machen ihrem Ärger Luft. „Unsere Kinder werden hier so speziell gefördert, wie sie es brauchen. Ich verstehe nicht, wie ein Unterricht an einer Regelschule mit zwei oder drei Stunden Extra-Förderung das ernsthaft gleichwertig ersetzen soll“, betont Karin Puhl.

Gemeinsam mit Alexander Voß, Bernd Görlitzer, Brigitte Grotelüschen und Manuela Rindermann will Puhl für den Erhalt der Letheschule kämpfen. Man könne grundsätzlich nichts gegen Inklusion haben, sind sich die Elternvertreter einig, doch das „Wie“ sei entscheidend.

„Wir wollen die Wahl haben, auf welche Schule wir die Kinder schicken“, sagt Puhl. Inklusion sei erst dann gelungen, wenn Kinder im normalen Alltag und im späteren Berufsleben bestehen können, und das sehe sie durch das neue System gefährdet. „In großen Klassen gehen die Kinder unter, verlieren an Selbstvertrauen, das sie im späteren Beruf brauchen“, sagt Brigitte Grotelüschen. „So wird vielen Kindern die Chance genommen, sich gezielt zu entwickeln“, sagt Bernd Görlitzer.

Über Jahre bewährt

„Warum soll man das kaputt machen, was sich über Jahre bewährt hat?“, fragt Karin Puhl. Die individuelle Betreuung der Kinder, die enge Begleitung von Praktika, das Gefühl, „auch mal die oder der Beste sein zu können“ – das alles seien wichtige Bausteine an der Letheschule, die an einer Regelschule so nicht umsetzbar seien, sind sich die Eltern sicher.

Deswegen steht für sie fest, dass sie nicht weiter tatenlos zusehen wollen. Ein Schreiben Richtung Hannover könnte ein Thema sein, „einfach um sichtbar zu werden“. Auch die Möglichkeit, eine Online-Petition zu unterstützen (siehe Infokasten), steht ihnen zur Verfügung.

Alexander Voß graut es vor dem Szenario, seine Karla wieder in große Klassen zu schicken. „Mitschüler können gemein sein in dem Alter“, sagt er, und bringt es auf eine einfache Formel: „Wenn Kinder in der Schule klein gehalten werden, können sie später nicht groß werden.“

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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