Ganderkesee „Wir zeigen, dass es funktioniert“, sagen sie selbstbewusst. Was in vielen Unternehmen eher als Ausnahme gilt, ist an der Katenkamp-Schule in Ganderkesee gelebte Praxis: Zwei Frauen teilen sich eine Führungsaufgabe. Im Sommer 2015 traten Eva Brischke-Bau (37) und Anne Fischer (32) die Nachfolge von Schulleiterin Dr. Edith Aschenbrenner an. Reibungsverluste gebe es nicht. „Wir agieren als eine Leitung“, betont Anne Fischer.

Beide arbeiten noch nicht sehr lange zusammen: Brischke-Bau war zunächst Fachbereichsleiterin der Diakonie Himmelsthür. Seit knapp einem Jahr ist die Pädagogin an der Katenkamp-Schule tätig, wo sie eine Klasse mit Menschen mit Autismus betreut. Anne Fischer war nach ihrem Studium zunächst in einer Wohngruppe der Lebenshilfe in Delmenhorst tätig. Seit August 2009 ist sie an der Katenkamp-Schule, wo sie bereits im Januar stellvertretende Schulleiterin wurde.

Jeweils an zwei Tagen in der Woche leiten die beiden Frauen die Schule allein; jeweils mittwochs gemeinsam. Während Fischer sich stärker pädagogisch-inhaltlichen Aufgaben widmet, darunter die Förderplanung oder die Unterrichtsgestaltung, zeichnet Brischke-Bau für organisatorische Fragen verantwortlich. Derzeit lernen 61 Jugendliche und junge Erwachsene mit einem Förderbedarf im Schwerpunkt Geistige Entwicklung an der Schule. Es gibt sieben Klassen mit Klassenleitern, Sozial- und Heilpädagogen und weiteren Mitarbeitern. Für die individuelle Förderung gibt es zudem einen Fachdienst, der den Klassen zuarbeitet.

Die inklusive Beschulung sei „ein riesiges Thema“, sagt Fischer. Mit der Auflösung der Förderschule Lernen haben Eltern nun eine Wahlmöglichkeit. Sie seien zum Teil aber verunsichert was die individuelle Förderung an den Grundschulen betrifft. Die Katenkamp-Schule habe einen anderen Weg gewählt: Sie kooperiere mit der Grundschule Dürerstraße. Einmal pro Woche gebe es das gemeinsame Projekt „Zirkus und soziale Spiele“. „Alle Schüler profitieren von dem Unterricht“, sagt Fischer. Demnächst sollen Schülerinnen und Schüler der Katenkamp-Schule, die bereits mit Tablet-PC arbeiten, ihre Erfahrungen in ein Projekt mit der Dürerstraße einbringen.

Durch Kooperationen entfalle bei den Eltern der Zwang, zwischen Schulformen wählen zu müssen, so Erwin Drefs, Geschäftsführer der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg, die Trägerin der Katenkamp-Schule. Das wichtige Thema der inklusiven Beschulung sei sehr vielschichtig. Denn Fachkräfte wie Ergotherapeuten oder Krankengymnasten, die an der Pestalozzistraße tätig sind, gebe es an Grund- oder Oberschulen nicht.

Mit der „neuen“ Form der Schulleitung ist auch der Lebenshilfe-Manager hoch zufrieden: „Wir sind ein Unternehmen, das auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zertifiziert ist. Mit dieser Konstellation wollen wir zeigen, dass es funktioniert.“ Und er fügt hinzu: „Natürlich wollen wir Impulse in andere Einrichtungen bringen.“

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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