Charlottendorf-Ost /Bochum Grundwasser in Saudi-Arabien, Öl in Libyen, U-Bahntunnel in Chile – es gibt nicht viel, wonach Rüdiger Heidberg noch nicht gebohrt hat. Neuerdings ist es Wärme, vielmehr Hitze. Der Bohrmeister aus Charlottendorf-Ost hilft den Theoretikern am Internationalen Geothermiezentrum in Bochum bei der Suche und Nutzung der Erdwärme.

Heidberg hat eine beeindruckende Karriere hinter sich. Absehbar war dies nicht, als er in seinem Dorf die damals noch existierende einklassige Volksschule und später die Schule in Wardenburg absolvierte. Danach schloss sich eine Kfz-Mechanikerlehre an, doch schon damals faszinierten den jungen Mann die in der Nähe seines Elternhauses stattfindenden Bohrarbeiten nach Erdgas.

Kurz entschlossen, so erinnert er sich, marschierte er eines Tages einfach zur Baustelle, um sich dort zu bewerben. „Ich hatte Glück, einen Tag später fiel dort ein Techniker aus und ich hatte den Job“, erinnert sich Heidberg. Sein erster Auftrag führte ihn gleich nach Borneo, das Flugticket kostete damals beinahe 6000 Mark. Eine Summe, die dem jungen Mann fast den Atem verschlug.

Mit 60 Jahren hat der erfahrene Bohrmeister, der mehr als 100 Länder bereist und in 40 längere Zeit gearbeitet hat, noch mal eine ganz neue Herausforderung gesucht. Der Job im Geothermiezentrum – eine Kooperation der Hochschulen RWTH Aachen, Bochum, Ostwestfalen-Lippe und der Fachhochschule Gelsenkirchen sowie der Wirtschaftsvereinigung Geothermie – ist genau das. Auf Bohr- und Baustellen kennt sich Heidberg schließlich bestens aus, kann sich auf indonesisch, englisch, russisch und spanisch verständigen. Doch als Praktiker allein unter Wissenschaftlern und deren Studenten? Für den Bohrmeister ist das ein Abenteuer ganz anderer Art. Seine Entscheidung hat er bislang nicht bereut: „Die jungen Leute hängen an meinen Lippen“, sagt er, und wer ihm schon einmal beim Erzählen über seine Zeit in Baku, Ghana oder anderen exotischen Orten zuhören durfte, hat da gar keine Zweifel.

Täglich ist Heidberg mit einem Studenten-Team bei Wind und Wetter auf dem hochschuleigenen Gelände in Bochum zu finden. Dort wird schon länger gebohrt. Die hochentwickelte Bohranlage Borex kommt hier zum Einsatz: 20 Sonden, jeweils 200 Meter lang, werden in die sternförmig angeordneten Bohrlöcher reingeschoben und übermitteln ein ungewöhnlich präzises Bild aus dem Untergrund. Geothermie habe ein großes Potenzial in der Kraft-Wärme-Kopplung und werde bei der Fernwärmeversorgung großer Ballungsräume – 2050 werden etwa 80 Prozent der der Menschen in Ballungsräumen und Mega-Cities leben – eine zentrale Rolle spielen, sind die Experten überzeugt.

Für den Charlottendorfer hat sein aktueller Job noch einen ganz anderen positiven Aspekt: Statt irgendwo in der Wildnis in einem Container zu leben, geht’s am Wochenende ab nach Hause. „Ungewohnt, aber schön“, findet er.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.