HUDE „Ich bin an der Kreuzung aus dem Auto ausgestiegen und die letzten hundert Meter zu unserem Haus zu Fuß gegangen“, beschreibt Florian Berchner seine Rückkehr von einer Reise, die ihn für sein ganzes weiteres Leben geprägt hat. „Ich wollte alleine ankommen.“ Sechseinhalb Monate lang war der 16-Jährige praktisch nie allein gewesen, hatte jedoch ein Abenteuer erlebt, das Stoff für einen ganzen Roman böte: Florian war einer von 43 Schülern aus ganz Deutschland und der Schweiz, die am Projekt „High Seas High School“ teilnahmen.

An Bord des Großseglers „Johann Smidt“ und des Partnerschiffs „Astrid“ erhielten die Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren sowohl eine seemännische Ausbildung als auch gymnasialen Unterricht. Für Florian Berchner ist das Projekt der Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog weit mehr als nur ein segelndes Klassenzimmer. „Ich habe vorher nicht gewusst, wie belastbar ich bin“, sagt der Schüler.

Belastbarkeit getestet

Gelegenheit, seine Belastbarkeit zu testen, hatte Florian nicht nur auf der physischen Ebene – etwa wenn es galt die Segel zu setzen oder zu bergen, das Schiff zu steuern, für die ganze Mannschaft Essen zu kochen oder auch die bescheidenen Sanitärräume zu scheuern. Auch das menschliche Miteinander führte mitunter an Grenzen, deren Überwindung Teil des pädagogischen Konzepts war. „Keiner konnte sein eigenes Ding drehen. Man entdeckt an allen Leuten positive Eigenschaften“, erklärt Florian. Die gemeinsamen Erlebnisse auf dem Törn über den Atlantik haben die Schüler zu einem Team werden lassen.

Diese starke Mannschaft, zu der neben den Schülern noch Lehrer, die Stammbesatzungen der Schiffe sowie etappenweise Ärzte und ein Koch zählten, war es auch, die Florians Eltern, Frank und Yvonne Berchner, das nötige Vertrauen gab, ihren Sohn ziehen zu lassen. Kontakt bestand einzig bei Landgängen via E-Mail und – einseitig – über das Internet-Tagebuch der Schüler. Auf diesem Weg erfuhr Yvonne Berchner auch, dass sich Florian kurz vor Den Helder an der Brotmaschine einen Teil der Daumenkuppe abgetrennt hatte. Der knappe Zusatz „Es geht ihm gut.“ habe ihr in diesem Moment die ganze Welt bedeutet, blickt sie erleichtert zurück.

Obst zu schätzen gelernt

Während die vielen Reiseeindrücke noch längst nicht richtig aufgearbeitet sind, sitzt Florian schon seit Montag wieder in der Klasse 10c des Oldenburger Graf-Anton-Günther-Gymnasiums. Verändert habe sich seit seiner Rückkehr sein „Einkaufsverhalten“ für die Schulpausen, erklärt der 16-Jährige schmunzelnd. „Statt Süssigkeiten kaufe ich mir jetzt Bananen und Pfirsiche – die gab es auf dem Schiff nämlich kaum.“

Auf die Frage, was ihm auf dem Wasser am meisten gefehlt habe, zählt Florian spontan „ein großes Bett, Privatsphäre, einfach an den Kühlschrank gehen zu können und die Natur“ auf. Nach kurzem Überlegen fügt er hinzu: „. . . aber am Ende hat mir eigentlich gar nichts mehr gefehlt.“

Karoline Schulz Redakteurin / Redaktion Ganderkesee
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