WILDESHAUSEN Annika Wilke aus Wildeshausen ist eine mutige junge Frau. Wenn sie im Sommer ihr Abitur in der Tasche hat, möchte sie für ein Jahr nach Kolumbien gehen. „Eigentlich hatte ich erst vor, als Au-Pair-Mädchen zu arbeiten, aber die Freiwilligenarbeit reizt mich doch mehr“, erzählt die Schülerin des Beruflichen Gymnasiums Gesundheit und Soziales mit dem Schwerpunkt Pflege. Schon seit längerem hatte die 19-Jährige das Gefühl, mehr von der Welt sehen und verstehen zu wollen. „Ein fremdes Land kann man als Tourist nicht wirklich erleben“, ist Annika Wilke überzeugt.

Bei ihren umfangreichen Recherchen stieß sie irgendwann auf die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners, die Waldorfinitiativen weltweit fördern und in Zusammenarbeit mit ausländischen Einrichtungen einen freiwilligen Sozial- und Friedensdienst anbieten. Der Verein ist seit 1993 vom Jugendministerium als Trägerorganisation für einen derartigen Dienst anerkannt. Seither haben mehr als 6000 Jugendliche an einem Freiwilligendienst in mehr als 60 Ländern der Erde teilgenommen.

Der freiwillige Sozial-und Friedensdienst von Annika Wilke dauert voraussichtlich ein Jahr und ist naturgemäß verbunden mit hohen Kosten. Die Sozialdienststelle im Ausland kommt lediglich für Unterkunft und Verpflegung auf. Daher baut die junge Wildeshauserin derzeit einen Förderkreis auf. Hier können Privatpersonen oder Unternehmen einmalig Zahlungen in einen solidarischen Freiwilligenfonds leisten, für die sie am Jahresende eine Spendenbescheinigung fürs Finanzamt bekommen. Aus dem Freiwilligenfonds werden Taschengeld, Versicherungs-, Reise-, Betreuungs- und Vorbereitungskosten bestritten. „Die hintergründige Idee ist, einen „Multiplikatoren-Effekt“ zu erzielen, da zeitgleich Öffentlichkeitsarbeit für den sozialen Einsatz gemacht wird“, erläutert die 19-Jährige.

Beworben hatte sie sich bei Einrichtungen in Kolumbien, Chile und Argentinien. Das Auswahlverfahren war langwierig und umfasste Fragen wie: „Welcher Teil eines Fahrrades möchtest Du sein?“ Annikas Antwort „Eine Speiche“ kam wohl gut an, denn die erste Zusage aus Kolumbien ließ nicht lange auf sich warten. Ihren Dienst wird Annika Wilke dort am Colegio Waldorf Isolda Echavarria Kolumbien tun. Diese 1985 gegründete Schule liegt etwas außerhalb der Stadt Medellin im Dorf „La Estrella“ und hat rund 450 Schüler vom Kindergarten bis zur elften Klasse aus der gehobenen Mittelklasse. „Als Freiwillige werde ich im Kindergarten helfen, didaktisches Material erstellen und den Kunst- und Englischunterricht unterstützen“, berichtet die Wildeshauserin. Leben wird sie in einer Familie aus der Schule. Dass die nahe gelegene Stadt Medellin von den meisten mit Drogen und Verbrechen assoziiert wird, stört sie weniger als ihre Eltern. „Die Organisation prüft die jeweiligen Schulen strengstens, und wenn die Lage zu gefährlich wird, ist vertraglich geregelt, dass man ausgeflogen wird“, betont sie.

Bis zur Abreise Ende Juli wird Annika Wilke weiter fleißig spanisch pauken, sich auf das subtropische Klima vorbereiten und ihren Impfstatus checken. Noch hält sich ihre Aufregung in Grenzen, auch wenn der Kulturschock vielleicht groß sein wird. Wer die Erlebnisse der jungen Frau im fernen Kolumbien verfolgen will, kann dies auf ihrem eigenen Internet-Blog. Wer ihrem Förderkreis beitreten möchte, kann eine E-Mail schicken an: annikainkolumbien@live.de

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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