Für den Redaktionsleiter der NWZ  in Ganderkesee, Wolfgang Loest, war Freitag, der 13., ein ganz besonderer Tag. Nicht weil er vielleicht abergläubisch ist, nein, es war sein letzter Arbeitstag bei der NWZ  – und das nach über 30 Jahren. In dieser Zeit konnten die Leser ungezählte Berichte und Geschichten von ihm lesen. Bevor er nun Ganderkesee den Rücken kehrt, habe ich mich mit ihm zu einem Gespräch getroffen, wo er ausnahmsweise einmal nicht der Fragesteller war.

Wolfgang Loest hat die ersten Lebensjahre in dem kleinen Ort Lunsen zwischen Thedinghausen und Achim verbracht. Seine Eltern hatten wegen des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat in Schlesien bzw. Pommern verlassen müssen und hatten sich in dem kleinen niedersächsischen Dorf kennengelernt. Als der kleine Wolfgang 1958 eingeschult wurde, gab es einen einzigen Raum für das erste bis achte Schuljahr. Da konnte er von den Großen viel lernen.

Sein Vater hatte sich vom landwirtschaftlichen Gehilfen und Arbeiter in der Ziegelei zum Beamten bei der Bundesbahn hochgearbeitet. Dadurch wurde 1960 ein Umzug nach Bremen notwendig. „Es war schon ein Kulturschock, als ich in Bremen in eine Schule kam, wo es nicht nur für jeden Jahrgang eine, sondern sogar mehrere Klassen gab“, erzählt Wolfgang mir.

Nach der Grundschule ging es aufs Gymnasium, wo Sport und Musik nicht gerade zu seinen Lieblingsfächern gehörten. Glaube ich seinen Schilderungen, muss Wolfgang Loest ein pflegeleichter Schüler gewesen sein. Es ging aber auch anders. Als die Bremer Straßenbahn 1968 die Fahrpreise für den Nahverkehr erhöhen wollte, gab es einen Aufstand unter den jungen Leuten. Bei Demonstrationen und Sitzblockaden war der damals 16-Jährige voll mit dabei. Der Einsatz hatte sich gelohnt, denn die Preiserhöhungen wurden zurückgenommen. Allerdings richteten sich die Proteste auch gegen den Vietnamkrieg. Der dauerte bekanntlich noch ein paar Jahre länger.

Nach dem Abitur begann Wolfgang Loest zunächst ein Studium für Mathematik und Informatik. Nach einem halben Jahr merkte er: Das ist es nicht! So begann er ein Volontariat bei einem kleinen Zeitungsverlag in Bremen. „Warum Journalismus?“ wollte ich wissen. „Eine Freundin, die selbst Journalistin war, hat mir diesen Beruf schmackhaft gemacht!“ Dieser Verlag gab unter anderem eine Wochenzeitung heraus, deren Schwerpunkt Kommunalpolitik war. „Politik hat mich schon immer interessiert!“, berichtet Wolfgang.

Die ersten Kontakte zur NWZ  entstanden 1973. Damals berichtete er freiberuflich aus Bremen. Im Job hatte er auch mit jungen Nachwuchskräften zu tun. Eine Volontärin gefiel ihm so gut, dass er noch heute mit ihr verheiratet ist. Allerdings hat seine Ehefrau Helga den Journalismus inzwischen an den Nagel gehängt und ist als Diplom-Psychologin und Coach tätig. Auch die beiden Söhne Thomas (35 Jahre) und Mike (31) sind nicht in die Fußstapfen des Vaters getreten.

Da der junge Wolfgang Loest von seiner Berufswahl überzeugt war, studierte er in Oldenburg noch Ökonomie, um seine Kenntnisse zu verbreitern. In den Semesterferien gab es dann Gelegenheit, in vielen Lokalredaktionen der NWZ  per Urlaubsvertretung das Oldenburger Land aus der Nähe kennenzulernen.

Kurz vor der Diplom-Prüfung erhielt Wolfgang Loest die Chance, bei der Nordwest-Zeitung einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Und diese Chance griff er beim Schopf, obwohl der Studienabschluss dadurch ein wenig mühsamer wurde.

Er war für die Redaktion in Bremen zuständig. Dort war er „Alleinunterhalter“, arbeitete als Alleinredakteur der Zentrale zu. „Damals mussten wir die Texte und Bilder noch mit der Bahn nach Oldenburg ins Haupthaus schicken, wo sie dann für den Druck vorbereitet wurden“, erinnert sich Wolfgang Loest.

In den vielen Jahren seiner Tätigkeit hat Wolfgang Loest den rasanten Fortschritt der Technik hautnah miterlebt. Ab November 2004 durfte er die Delmenhorster Redaktion der NWZ  aufbauen, bevor ihm im Frühjahr 2008 die Leitung der Redaktion in Ganderkesee übertragen wurde.

„Es war für mich eine Umstellung, hier in Ganderkesee in einem Team zu arbeiten, weil ich die Jahre davor immer allein unterwegs war. Aber meine tollen Kollegen haben es mir wirklich einfach gemacht. Die Umstellung fiel leicht!“, erzählt er mir sehr glaubhaft. „Was hat dich in den Jahren an Ganderkesee beeindruckt“, wollte ich wissen. „Das Leben in Ganderkesee strahlt eine gewisse Ruhe aus. Und das Engagement, das die vielen Aktiven beim Fasching an den Tag legen, ist immer wieder bemerkenswert.“

„Was machst Du denn ab kommenden Montag?“, wollte ich gerne wissen. „Zunächst steht eine Kreuzfahrt mit der ganzen Familie an“, freut sich Wolfgang. Er ist inzwischen zum leidenschaftlichen Kreuzfahrer geworden, musste allerdings zu seinem Glück gezwungen werden. Seine Ehefrau hatte ihm zum 50. Geburtstag eine Kreuzfahrt geschenkt, die er trotz vieler Vorbehalte natürlich nicht ablehnen konnte. Und die Premiere gefiel ihm sehr gut.

Wolfgang Loest ist ohnehin ein kleiner „Seebär“, denn in Großensiel liegt sein Segelschiff. Zusammen mit seiner Helga geht es raus auf Nord- oder Ostsee. Aber auch ein Studium könne er sich noch vorstellen, sagt Wolfgang.

Wolfgang Loest, scheidender Redaktionsleiter der Zeitung für Ganderkesee

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