Nordenham Sonnabend, 20.30 Uhr. Durch einen mit diversen Utensilien vollgestellten Seitenflur neben der Kasse im Kulturzentrum Jahnhalle schleiche ich mich in die Künstlergarderobe. Mindestens ein Dutzend Augenpaare blicken mich überrascht an. „Ich hätte da mal eine Frage!“ Die Antwort kommt fast gleichzeitig von allen: „Frag am besten unser Urgestein, frag Alfred.“

Alfred Ferenz steht bereits auf der Bühne, die E-Gitarre im Arm. Hier ist Alfreds Zuhause. „Es war in den Jahren 1973/74, also vor genau 40 Jahren, da fiel eine Horde Junglehrer in die Grundschule FAH ein“, erzählt er den über 400 Gästen im Saal. Das Konzert ist ausverkauft. „Innerhalb von zehn Tagen waren alle Karten weg. Sie sollen sogar schon zu Schwarzmarktpreisen gehandelt worden sein“, erzählt Ferenz später im Gespräch mit der NWZ.

Lieber Musik als Sport

Aber zurück zu den Junglehrern: Drei von Ihnen – Ferenz selbst sowie Harald Otto und Helmut Reins – hatten keine Lust, wie die anderen in der Freizeit gemeinsam Volleyball zu spielen. Sie beschlossen, eine Band zu gründen, und übten zunächst „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ in Reins’ Keller. Sie konzentrierten sich auf Bluesstücke: „Drei Akkorde, das ist einfach, das schaffen wir, dachten wir“, so Ferenz.

Ihre ersten Auftritte wagte die „Erste Allgemeine Lehrerband (EAL)“ dann bei Schulfesten. Zu dieser Zeit hatte sie ihre Übungsabende in die Schule verlegt und bot im Rahmen des Projektes „Neue Wege der Motivation“ Instrumental-Arbeitsgemeinschaften an der Luisenhof-Schule an. Als die drei, zu denen inzwischen auch Gotthold Schwerk gestoßen war, begannen, auch andere Musikrichtungen auszuprobieren und auf einem Schulfest „deftigen Garagen-Punk“ anboten, zuckten die Kollegen mit den Schultern. Doch die EALer ließen sich nicht beirren.

Seit 40 Jahren nun spielt die Lehrerband „alles was Spaß macht. Alles, was schön klingt.“ Lehrer gehören ihr kaum noch an. Für Geld ist die EAL noch nie durch die Gegend getingelt. Überschüsse spendet sie regelmäßig dem Musikbereich der Grundschule FAH. Trotzdem sind die Musiker schon viel rumgekommen. So hatten sie Auftritte im Rundfunk, im Jugendzentrum, in der Fußgängerzone, im Güterschuppen – und im Knast! Am 24. Mai spielen und singen sie auch wieder bei „Garten & Ambiente“. Wie viele Auftritte die Band in den letzten 40 Jahren hatte, kann Alfred Ferenz gar nicht sagen.

Lange Mitgliederliste

Über die verschiedenen Musiker, die in diesen Jahren hier spielten, gibt es allerdings eine lange Namensliste: Über 80 sind darin aufgezählt, viele von ihnen sind ehemalige Schüler aus den Instrumental-AGs. Von ihnen waren viele am Sonnabend zum 40. Geburtstag der EAL in die Jahnhalle gekommen und genossen die Musik, die auch ein bisschen eine Zeitreise war. Auf der Bühne spielte die EAL in drei Formationen: In der „alten“ Besetzung mit Alfred Ferenz, Harald Otto, Dietmar Brückner & Ralf Wüppenhorst. In der „neuen“ Besetzung mit Alfred Ferenz, Norbert Bröer, Andreas Plump, Frank Löwenkamp, Helmut Dietrich & Volker Hofschildt. Und als „EAL Vokal“ mit Alfred Ferenz, Dietmar Brückner, Norbert Bröer, Hartmut Buck, Roswitha Peuker und Ralf Wüppenhorst.

Und wie fanden die Fans den Abend? „Das war toll!“, „Echt abwechslungsreich.“ „Hat Spaß gemacht.“ Darüber, dass es im ersten Drittel mehrere Probleme mit der Technik gab, schauten sie hinweg. „Kann doch mal passieren.“

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