Nordenham Ein bitterböses, aber gleichzeitig verschmitztes Lächeln blitzte den Zuhörern in der gut besetzten Jahnhalle entgegen. „Wie wir uns Griechenland gegenüber verhalten, das ist neues Herrenmenschentum!“ Der Schlag des Kabarettisten Max Uthoff sitzt tief, es wird still im Saal. Erst Minuten später, als es nicht mehr um Griechenland geht, bahnt sich wieder Gelächter aus den Kehlen der Besucher.

Max Uthoff, der seit 2014 zusammen mit Claus von Wagner Gastgeber der Sendung „Die Anstalt“ ist, macht es seinem Publikum nicht leicht. Seine Analysen des politischen Geschehens sind messerscharf und treffen ohne Umwege den Kern des Problems. Aber er nimmt nicht nur Politiker aufs Korn, sondern auch die Gesellschaft.

Wenn er sich fragt, warum die Menschen so unter Wahrnehmungswahn leiden, dass sie 0,23€ Euro ausgeben, um bei TED-Umfragen „Weiß nicht“ anzugeben, dann ist das genauso lustig und böse, wie sein Erstaunen darüber, dass Hans-Peter Friedrich bei der Causa Edathy gegangen ist, weil er tatsächlich einmal etwas wusste.

In seinem Programm „Oben bleiben“ macht der studierte Jurist vor nichts halt: Vom „Niederfrequenz-Philosophen Steinmeier“, der zusammen mit der „moralischen Knautschzone Gauck“ und Ursula von der Leyen den „Finger am Abzug deutscher Politik hat“ bis hin zu Wellness („Faulenzen mit Raumduft“) bohrt und ätzt sich Max Uthoff durch sein gut 90-minütiges Programm.

Besonders hat es dem gebürtigen Bayern natürlich die bayerische Politik angetan. „Seehofer hat wie kein anderer die Politik von Inhalten getrennt“, lässt er das Publikum wissen, stets sein typisches Lächeln auf dem Gesicht.

Warum vor allem die CSU kein großes Problem mit Überwachung hat, weiß Max Uthoff auch: „Wer an einen allwissenden Gott glaubt, der hat natürlich kein Interesse an Gesprächen über Datenschutz und Überwachung.“

Aber nicht nur Politiker bekommen ihr Fett weg. In regelmäßigen Abständen schwenkt er von den Volksvertretern zum Volk selbst. „Machen wir Männer das nicht großartig? Wir bestimmen immer noch, wie weit ihr Frauen es im Leben bringt“, strahlt Max Uthoff das Publikum an.

Er sei ja Feminist, müsse aber auch mal ein ernstes Wörtchen mit den Frauen reden: „Ihr bekommt schon so lange weniger Geld für die gleiche Arbeit, dass ihr das als gerecht empfindet.“

„Oben bleiben“ ist wie ein Zapping durch alle Fernsehkanäle: Max Uthoff seziert im Minutentakt Themen, versenkt zielgenau seine als Pointen getarnten Kommentare und ist schon beim nächsten Thema. Das Publikum hat da manchmal seine liebe Müh und Not, noch hinterherzukommen. Das dauerhafte Gelächter und der Applaus – außer bei der Sache mit Griechenland – zeigten aber, dass die Gäste zu dieser Leistung durchweg in der Lage waren.

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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