NORDENHAM NORDENHAM - Auf die Ellwürder ist Verlass. Wenn sie Karneval feiern, dann steht die „Friedeburg“ Kopf, dann erlebt das Publikum ein rauschendes Fest. Das war auch am Sonnabend so. Ausgelassene Stimmung, schwungvolle Darbietungen und ätzender Spott mit reichlich Lokalkolorit. Die Mischung stimmte. Mehr als 400 Besucher in der Stadthalle hatten ihren Spaß – von der ersten bis zur letzten Minute.

Dass am Aschermittwoch angeblich alles vorbei ist, interessierte niemanden – weder die Aktiven des Bürgervereins noch die fantasievoll kostümierten Gäste. Da tanzten Schokoladentorten auf dem Parkett, eine Sträflingskolonne schunkelte unbehelligt zum Schni-Schna-Schnappi-Song. Es gab Dschungelcamp-Bewohner, griechische Statuen, ein Schlumpf-Ensemble, Mumien, eine kleines Bienenvölkchen und ein Geisha-Quartett zu bestaunen. Die Damen aus dem Reich der Mitte eroberten mit ihrer betörenden Anmut die Herzen des Publikums bei der Kostümprämierung. Für so viel entwaffnende Höflichkeit gab es den ersten Platz.

Das Programm der Ellwürder Narren glänzte nicht unbedingt durch Höflichkeit. Die Spötter hatten ihre Messer diesmal besonders scharf gewetzt. Es ging politischer zu als in den vergangenen Jahren – und bissiger. Das Duo Klaus Eckardt und Alfred Ferenz erinnerte ein wenig an Insterburg und Co., als es die Nordenhamer Polit-Prominenz durch den Kakao zog. Die Narren geizten nich mit Spott, vor allem wenn es um Bürgermeister Dr. Georg Raffetseder ging. Einen Neue-Deutsche-Welle-Klassiker der „Spider Murphy Gang“ hatten die „Ellwürder Spatzen“ umgedichtet. Sie sangen von Hochkonjunktur unter der Bürgermeister-Durchwahl im Rathaus, vom „Skandal um Raffi“, denn „ . . . draußen vor der kleinen Stadt stehen Berater sich die Füße platt“.

Zu den Höhepunkten gehörte der Auftritt von Norbert Hartfil und Heinrich Schröder, die als Cop-Duo EVA (Ellwürden Vice Alles) in Nordenham ermitteln. Sie teilten dem Publikum mit, dass die gesamte SPD-Fraktion im Stadtrat demnächst zum Speicheltest antreten muss. Grund: Dem Bürgermeister wurden unlängst die Reifen seines Autos zerstochen; der unbekannte Rowdy hat DNA-Spuren hinterlassen. Die Finanznot in der Stadt war ebenfalls Thema, vor allem die Sorgen der Kaufmannschaft, die sich nicht mal mehr Tannengrün für die Weihnachtszeit leisten kann. Dass sich die Kaufleute stattdessen Gartenabfälle an die Regenrinnen ihrer Geschäfte binden, entlarvten die Ermittler per Videobeamer als einen gravierenden Fall illegaler Müllentsorgung.

Die Wortbeiträge hatten es in sich, die Tanzdarbietungen ebenfalls. Die Garde machte den Anfang. Karnevalspräsidentin Dagmar Paradies versprach nicht zu viel, als sie „knackige Körper in Bestform“ ankündigte. Auch die Gruppe „Young Pepper“ begeisterte. Die Showtanzgruppe ließ „Mädchenträume“ aufleben. Die Männer – als Ken verkleidet mit Rosen zwischen den Zähnen – bezirzten ihre Barbies mit lasziven Hüftschwüngen. Die tolle Choreografie mündete in einem rasanten Finale.

Für den krönenden Abschluss sorgte das „Männerballett“. Diesmal gab es wieder reichlich nackte – und Schweiß triefende – Haut zu sehen. Gestandene Männer im Häschen-Kostüm mit Plüschohren und Stummelschwänzchen wackelten mit den Hinterteilen und warfen sich in die Arme schießwütiger Waidgenossen. Da jubelten vor allem die Frauen im Publikum und schickten ein „dreifach donnerndes Ellwürden helau“ hinterher. Spätestens jetzt hab es kein Halten mehr. Die Narren stürmten die Tanzfläche. Bei Live-Musik der Gruppe „Sunset Four“ wurde bis in den frühen Morgen gefeiert.

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NWZ/NORDENHAM/.2

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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