Einswarden In der Politik ist er bekannt wie ein bunter Hund. Da geraten die ehrenamtlichen Verdienste, die Kurt Winterboer außerhalb von Stadtrat und Kreistag geleistet hat, schon ein wenig aus dem Blickfeld. Besonders für seinen Stadtteil Einswarden, in dem er geboren wurde und auch heute noch zu Hause ist, hat sich der 75-Jährige auf vielfältige Weise und mit großer Leidenschaft eingesetzt.

Kurt Winterboer kam im Januar 1939 am Salzendeich zur Welt. „Wir waren eine Patchwork-Familie“, sagt er. Kurt Winterboer wuchs mit sechs Geschwistern auf; sein Vater war ein „einfacher Arbeiter“. Auch wenn die Nachkriegsjahre hart waren, hat er seine Jugend als eine schöne Zeit in Erinnerung. „Wir waren arm, aber glücklich.“ Gerne zeigt er ein vergilbtes Schwarzweiß-Foto, das um 1946 entstanden ist. Darauf ist Kurt Winterboer als siebenjähriger Knirps in der Niedersachsenstraße mit seinem anderthalb Jahre älteren Bruder Hans-Hermann zu sehen. In den Händen trägt Kurt Winterboer einen eingerissenen Fußball: „Das war unser ganzer Stolz.“

Ausbildung zum Müller

Nach der Schulzeit an der Westschule verschaffte der Vater ihm eine Lehre bei Müllermeister Heinrich Reinken in Moorsee. „Er war zwar streng“, sagt Kurt Winterboer, „aber ich habe bei ihm gelernt, wie wichtig Disziplin und Zuverlässigkeit sind.“ Auf Dauer war der Müllerberuf aber nichts für Kurt Winterboer. Nach der Lehre arbeitete er fünf Jahre in Nordenham als Verkaufsfahrer für den Süßwaren- und Lebensmittelgroßhandel Seetzen. Zwischendurch absolvierte er seinen Bundeswehrdienst.

Im Mai 1962 heuerte Kurt Winterboer bei Weserflug an und bekam einen Job als Angestellter in der Arbeitsvorbereitung. Bis zu seinem Vorruhestand im Mai 1998 blieb er dem Flugzeugwerk in Einswarden treu.

14 Jahre engagierte sich Kur Winterboer im Betriebsrat und im Vertrauenskörper der Industriegewerkschaft Metall. Von 1987 bis 1998 war er zudem Mitglied im Airbus-Aufsichtsrat.

„Ich habe keine Angst vor großen Tieren“, sagt Kurt Winterboer. Das sprach sich bald auch in der Politik herum. Mitte der 80er-Jahre trat der CDU-Vormann Josef Neumann an ihn heran und machte ihm eine Kandidatur für den Stadtrat schmackhaft. Diese Anregung griff Kurt Winterboer auch auf. Aber er entschied sich nicht für die CDU, sondern für die SPD. Vor über 25 Jahren – genauer gesagt: am 20. Dezember 1988 – zog er als Nachrücker für Bernd Junge in den Rat ein. Seitdem gehört Kurt Winterboer ohne Unterbrechung dem Stadtparlament an. Abgeordneter des Wesermarsch-Kreistages ist er seit dem November 1991.

Ein schwerer Schlag war für den zweifachen Vater der Tod seiner Frau Christa im April 2009. Mit ihr hatte er zunächst in der Niedersachsenstraße und ab 1974 im Eigenheim an der Baltrumstraße gewohnt.

In seiner Verbundenheit zu Einswarden hat Kurt Winterboer auf vielfältige Art versucht, den Stadtteil mitzugestalten. Er macht kein Geheimnis daraus, dass das nicht immer einfach war. Einige Entwicklungen stimmen ihn traurig, aber im Großen und Ganzen hält er Einswarden nach wie vor für lebens- und liebenswert. „Einswarden hat eine gute Infrastruktur mit vielen Einrichtungen“, sagt er „aber das Miteinander der Kulturen könnte besser sein.“ Dieses Problem habe auch das Sanierungsprogramm Soziale Stadt nicht lösen können.

In den 1984 gegründeten Bürgerverein Einswarden trat Kurt Winterboer schon bald ein. Im Juli 1987 übernahm er für stolze 20 Jahre das Amt des 1. Vorsitzenden. 2009 wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Bürgervereins ernannt.

im TuS-Vorstand

Selbst hat er zwar nie Fußball gespielt, aber als engagiertes Mitglied übte er im Turn- und Sportverein Einswarden über viele Jahre ehrenamtliche Funktionen aus. Seine Vorstandstätigkeit im mittlerweile aufgelösten TuS Einswarden begann 1962 als Kassenwart und endete 1988 als 2. Vorsitzender. In der einst sehr regen Interessengemeinschaft Einswarder Vereine zählte Kurt Winterboer 1969 zu den Gründungsmitgliedern und übte von 1973 bis 1983 das Amt des Schatzmeisters aus.

In seinem Stadtteil fühlt er sich nach wie vor rundum wohl. „Ich habe auch nicht die Absicht, dort wegzugehen“, sagt Kurt Winterboer.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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