Nordenham Zu einem Gefängnis gehören mit Eisenstäben vergitterte Fenster. Normalerweise. Doch in Nordenham ist das anders: „Wir könnten auf die Gitter gut verzichten“, sagt Dirk Jungenitz, „aber aus Denkmalschutzgründen müssen sie bleiben.“ Der Dienstleiter der Justizvollzugsanstalt spricht auch nicht von Zellen, sondern von Hafträumen. Die Wärter und Schließer sind ebenfalls aus dem offiziellen Sprachgebrauch verschwunden und durch Justizvollzugsbedienstete ersetzt worden. Seitdem es in Nordenham den offenen Vollzug gibt, hat sich einiges geändert in dem roten Klinkerbau, der einst als Großherzogliche Amtsschließerei errichtet worden war.

Ersatz für Arresthaus

Das Gefängnisgebäude ist genauso alt wie der benachbarte Jugendstil-Palast des Amtsgerichts. Mit der Einweihung des neuen Untersuchungsgefängnisses am 13. April 1913 hatte das bisherige Arresthaus an der Müllerstraße ausgedient. Es war für die aufstrebende Stadt Nordenham zu klein geworden.

Die Baukosten für die Schließerei hatten sich auf 78 000 Mark belaufen. Hinzu kamen 3400 Mark für die Gefängnismauer. Während das Gebäude unter Denkmalschutz steht und in seiner Grundstruktur gleich geblieben ist, wurde die Mauer im November 1991 abgerissen.

Seit dem 1. Oktober 1975 wird das Nordenhamer Gefängnis als eine Abteilung der Justizvollzugsanstalt Oldenburg geführt. Als Abteilungsleiter ist Damian Kitchenham der Chef eines insgesamt zwölfköpfigen Teams.

In der Haftanstalt gibt es 50 Gefangenenplätze; 6 davon sind für Frauen reserviert. Dass Männer und Frauen in einem Gefängnis unter einem Dach untergebracht sind, ist einmalig in Niedersachsen. Bei den in Nordenham inhaftierten Straftätern handelt es sich um Freigänger, die tagsüber das Gebäude verlassen dürfen.

Die JVA in Nordenham gehört landesweit zu den modernsten Anstalten des offenen Vollzugs. Konzeptionelles Ziel ist es, bei den Gefangenen, von denen die meisten kurz vor der Entlassung stehen, die Selbstverantwortung und -disziplin zu stärken. Alle Insassen gehen einer Beschäftigung nach, viele auch außerhalb der Anstalt.

Standort gesichert

Der Erhalt des JVA-Standorts in Nordenham gilt laut Damian Kitchenham heute als sicher. Aber das war nicht immer so. 1987 hatte der damalige Justizminister Walter Remmers geplant, die Vollzugsanstalt aufzulösen. Aber am 14. Dezember 1987 rückte der Minister von den Schließungsabsichten ab, als er bei einem Ortstermin in Nordenham davon überzeugt werden konnte, dass das Amtsgericht und das Gefängnis zusammengehören.

Anfang der 90er Jahre setzte sich der Leiter der Justizvollzugsanstalt Oldenburg, Gerd Koop, für eine umfangreiche Sanierung des baufälligen Nordenhamer Gefängnisses ein. Feuchte Wände, zugige Fenster, offene Toiletten und eine veraltete Heizungsanlage sorgten für kaum zumutbare Haftbedingungen. Zum Teil waren die Zellen mit vier Gefangenen belegt.

Auf Gerd Koops Initiative wurde die Nordenhamer Anstalt nicht nur baulich auf Vordermann gebracht, sondern auch in der Gefangenenbetreuung neu ausgerichtet. Der offene Wohngruppenvollzug wurde eingeführt. Unterstützung bekam der JVA-Leiter von Justizministerin Heidi Alm-Merk, die auch den Abriss der denkmalgeschützten Gefängnismauer ermöglichte. Die Modernisierung erfolgte in den Jahren 1992 bis 1995.

Im Zuge der Umbaumaßnahmen ließ die Anstaltsleitung auch die Sichtblenden vor den Fenstern entfernen. Das Dach, die Heizung und die Elektrotechnik wurden erneuert, Räume umgebaut und zusammengelegt, die Küche renoviert und alle Fenster ausgetauscht. Der Außenbereich bekam ebenfalls ein neues Gesicht. Ein Sportplatz, ein Fischteich und ein Gewächshaus wurden errichtet. Zudem entstanden zwei Werkhallen für die Beschäftigung der Gefangenen.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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