Friedrich-August-Hütte Ein großes Leuchtschild über dem Tresen – ganz so, wie man es noch von damals kennt, als dunkle Eckkneipen und verruchte Hafenkaschemmen zum Alltag gehörten. Und dann die Tafel, auf der mit Kreide die Tagesgerichte notiert sind: Labskaus mit Gewürzgurke und Spiegelei: DM 3,50. Pellkartoffeln und Hering: DM 3,80.

Mit vielen neckischen Details gelingt es den Plattdüütschen bei ihrem aktuellen Stück „Rund um Kap Horn“, das am Freitagabend Premiere hatte, das Publikum in die vermeintlich gute alte Zeit zurückzuholen. In jene Zeit, als das Telefon noch eine Wählscheibe hatte und der Wirt der „Köm-Insel“ Kap Horn, Korl Nass (Uwe Menze), der Privatsekretärin Mia (Henrike Folkens) von Schiffsreeder Christiansen (Udo Rohde) 20 Pfennige für ein Ortsgespräch abknöpfen will.

Seebären als Wirte

Doch auch die alte Zeit hatte ihre Probleme: Der Reeder und Arbeitgeber von Kapitän Nass und seinem Kumpel Jonny (Ingo Laddach), Steuermann auf großer Fahrt, hat nämlich seine altmodischen Schiffe verkauft, um sich eine moderne Containerflotte aufzubauen. Die Wartezeit überbrücken die beiden Seebären als Kneipenwirte.

Seemännisch betrachtet sitzen sie zwar auf dem Trockenen, in den vier Wänden ihres stilvollen Ecks aber geht es alles andere als trocken, sondern meist feuchtfröhlich zu. Als Reederstochter Irmgard (Melissa Hattermann) den Vater wutentbrannt verlässt, weil der sie wider Willen verheiraten möchte, sucht sie im „Kap Horn“ Unterschlupf. Jonny aber hegt aus bitterer Erfahrung ein tiefes Misstrauen gegen gut aussehende Mädchen, und Irmgard wird zudem per Steckbrief in der Tageszeitung gesucht.

Auf Empfehlung Korls hin verwandelt sich das hübsche Mädchen deshalb mit Pippi-Langstrumpf-Zöpfen und biederen Klamotten aus dem Trödlershop nebenan in ein hässliches Entlein. Sie täuscht damit nicht nur Jonny, sondern ebenfalls die zwei Detektive (Dagmar Reins und Melanie Ruprecht), die sie suchen. Und auch Sabbelschnute Jette Presskopp (Ulrike Schumann) und ein unerwartet auftauchender Rundfunkreporter (Bogdan Kozar) riechen den Braten nicht. Wie es indes so ist in einem plattdeutschen Lustspiel, das zu den Klassikern seines Genres gehört: Ende gut, alles gut – und die Liebe siegt.

Eigene Akzente gesetzt

„Rund um Kap Horn“ stammt aus der Feder von Fritz Wempner und machte schon anno 1973 als Ohnsorg-Stück mit Heidi Kabel Furore. Die Nordenhamer Bühne hat aber nicht den Fehler gemacht, die Inszenierung von damals zu kopieren. Vielmehr setzt Regisseur Jürgen Reiners eigene Akzente. Und das kommt am Freitagabend beim Premierenpublikum im Kasino FAH bestens an. Die Zuschauer haben ihre helle Freude und belohnte die Akteure mit reichlich Applaus.

Obwohl „Rund um Kap Horn“ ein Stück ist, das nicht von Klamauk und platten Schenkelklopfern lebt, provoziert es doch viele herrliche Lacher. Wer allerdings nicht ganz sattelfest im Plattdeutschen ist, muss in manchen Szenen gehörig die Ohren spitzen. Die ausgefeilte Gestik und die herrliche Mimik – insbesondere die von Neuentdeckung Melissa Hattermann in ihrer Paraderolle als Irmgard – helfen aber, den Faden nicht zu verlieren.

Weitere Aufführungen

des plattdeutschen Lustspiels „Rund um Kap Horn“ gibt es am 22. und 23. Februar um 20 Uhr, am 24. und 25. Februar um 16 Uhr, am 1. und 2. März um 20 Uhr sowie am 3. März um 16 Uhr. Eine Vorstellung „blot för Froonslüü“ beginnt am 28. Februar um 20 Uhr im FAH-Kasino. Eintrittskarten sind bei Nordenham Marketing & Touristik (NMT) am Marktplatz sowie an der Tages- oder Abendkasse erhältlich.

Und dann sind da ja auch noch die Momente, in denen das Hochdeutsche überwiegt. Beispielsweise, wenn Rundfunkreporter Bogdan „auf Sendung“ geht und Stefan von Kneten dabei mit seinem Schifferklavier tief in die Seemannskiste greift.

Zwei besondere Schmankerl boten die Plattdüütschen ihren Premierengästen: Bevor sie in der Hafenschenke „Kap Horn“ Platz nahmen, luden die Mitglieder des Shantychors Nordenham die Zuschauer zur musikalischen Seereise ein. Und zum Ausklang dieses gelungenen Premierenabends ließ die Bühne ein Gläschen Sekt und einen „lütten Happen“ springen.

In Nebenrollen sind in „Rund um Kap Horn“ auch Adrian Büsing, Julian Harbers, Jennifer Rickers und Bühnenleiter Torsten Lange zu sehen. Im Kasino wird das Stück jetzt noch acht Mal aufgeführt.

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