Einswarden Er war einer der ersten Frühschwimmer. Im Jahr 1975 hat Georg Modersitzki seine Arbeit als Hausmeister der Schule am Luisenhof aufgenommen. Ein Jahr später ist das benachbarte Hallenbad Nord in Betrieb genommen worden. „Am Anfang zog mich mein Interesse an der Bewegung im Wasser dorthin. Heute mache ich das auch, um fit zu bleiben“, sagt der inzwischen 80 Jahre alte Rentner aus Blexen.

Immer montags bis freitags ziehen täglich von 6 bis 7 Uhr morgens jeweils 20 bis 25 Frauen und Männer im Alter ab 35 Jahren ihre Bahnen im Schwimmbecken in Einswarden. Samstags gönnen sie sich eine Stunde Verzug und starten erst um 7 Uhr. Sonntags ist Pause.

Nur in den Schulferien, wenn das Nordbad geschlossen ist, fällt das Frühschwimmen hier aus. Einige können es aber trotzdem nicht lassen und weichen dann auf das Störtebekerbad in der Nordenhamer Innenstadt aus.

Turnerbund springt ein

„Wir sind ein fester Stamm mit insgesamt 35 Leuten“, sagt Siegfried Rüdiger (77). Der Ehrenvorsitzende des Blexer Bürgervereins hatte vor mehr als zehn Jahren die Initiative ergriffen, als die Stadt damals das Frühschwimmen-Angebot für jedermann aus Kostengründen einstellte.

Daraufhin sprang der Blexer Turnerbund (BTB) mit der Gründung einer neuen Sparte ein. Den Schwimmmeister ersetzen seither ehrenamtliche Rettungsschwimmer aus der Sparte.

Die BTB-Frühschwimmer treffen sich bis zu viermal im Jahr zum gemeinsamen Frühstück. Einmal jährlich gibt’s eine Grünkohltour.

Mitunter scheiden Schwimmer aus familiären Gründen aus oder weil sie Nordenham verlassen. Es kommen aber auch neue dazu. Die Gruppe bleibt offen für weitere Neuzugänge.

Ebenso wie Georg Modersitzki macht Karin Vogel (87) aus Blexen schon seit 40 Jahren mit. „29 Jahre lang habe ich im Blexer Kirchenbüro gearbeitet. Vor Dienstbeginn war ich immer beim Frühschwimmen. Anschließend bin ich dabei geblieben, weil das für mich einfach dazugehört hat.“

Dienstagmorgen war es für sie vorerst das letzte Mal und für die ebenfalls 87 Jahre alte Erna Hoffmann, die seit 20 Jahren mitmacht, das endgültig letzte Mal. Für beide gab’s einen herzlichen Abschied in der Gruppe mit einem gemeinsamen Frühstück.

„Schwimmen ist auf jeden Fall gut für den Körper“, sagt Erna Hoffmann und fügt hinzu: „Hier gibt es eine ganz tolle Gemeinschaft. Das macht immer Spaß. Das würde ich jedem empfehlen. Aber ich komme mit dem Auto aus Tettens und das wird mir jetzt zuviel. Irgendwann ist Schluss.“

Erna Hoffmann hat Karin Vogel immer im Auto mitgenommen. „Jetzt mache ich Pause und suche ein Opfer, das mich künftig mitnimmt“, schmunzelt Karin Vogel.

Täglich 200 Besucher

Die Diskussionen über die Zukunft des erneuerungsbedürftigen Hallenbads Nord treibt auch die Frühschwimmer um. „Auch wir machen uns für den Erhalt dieser Schwimmhalle ganz stark“, betont Siegfried Rüdiger, der vor einem Jahr die Spartenleitung von Melanie Rada übernommen hat. Er weist darauf hin, dass 150 bis 200 Personen täglich das Nordbad besuchen. Die immer wieder genannten 1,6 Millionen Euro für eine umfassende Erneuerung sind seiner Einschätzung nach „ein Totschlag-Argument“.

Den Vorschlag der SPD- und FDP-Stadtratsfraktion, im Haushalt 2018 für Reparaturen 250 000 Euro zur Verfügung zu stellen, hält Siegfried Rüdiger für einen guten Plan. „Damit wäre dem Nordbad für die nächsten Jahre geholfen. Das wäre wunderbar.“

Auch der Frühschwimmer der ersten Stunde und stellvertretende Spartenleiter Georg Modersitzki hält das Nordbad für unverzichtbar. Die Butjadinger DLRG und die Nordenhamer DLRG seien darauf nicht minder angewiesen. „Unsere Frühschwimmer-Gruppe will für das Nordbad kämpfen. Notfalls gehen wir dafür auf die Straße. Wir können eine große Demonstration auf die Beine stellen und werden das auch tun, wenn neue Ungewissheit über die Zukunft dieser Schwimmhalle aufkommt.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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