Blexen Die außerordentliche Mitgliederversammlung des Blexer Kleingartenvereins Achtern Diek am Samstagnachmittag im Vereinsheim hatte es in sich. Die Stimmung jedenfalls war emotional stark aufgeheizt. Animositäten waren zu spüren. Eine große Portion Misstrauen lag in der Luft. Und dennoch spürte jeder auch den Wunsch nach mehr Harmonie und Gemeinsamkeit, nach einem neuen „Wir“ und der Lust, neu durchzustarten.

Vor zehn Jahren ganz vorn

Noch vor zehn Jahren, daran erinnerte der Kreisverbandsvorsitzende Dieter Bolles, sei Achtern Diek ein blühender Verein gewesen und habe erste Preise bei Wettbewerben gewonnen. Heute nehme er nicht einmal mehr an Vergleichen teil. Und das Gesamtbild der Anlage präsentiere sich unvorteilhaft.

Der Grund? Ein Zug der Zeit: Der Verein überalterte, die Zahl der verpachteten Gärten schrumpfte von 60 auf etwa 35. 15 marode Parzellen mussten entrümpelt werden, 15 weitere sollen folgen.

Der Verein verfiel mit den Jahren in eine Art Schockstarre. Beiträge wurden nicht mehr regelmäßig entrichtet, obligatorische Arbeitsstunden nicht mehr von allen abgeleistet. Der Vorstand schrumpfte und stellte schließlich mehr oder weniger die Arbeit ein.

Aus dieser Lethargie heraus kam es im Mai 2013 zu einer Krisensitzung unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Hans Francksen und des Kämmerers Bert Freese als Vertreter des Grundstückseigentümers, der Stadt Nordenham. Beide versprachen Hilfe. Doch es müsse zu einem Generationswechsel kommen, hieß es damals.

Tatsächlich war nach dem Abend wieder ein wenig Aufbruchsstimmung zu spüren. Lutz Hecker erinnert sich: „Wir hatten ein gutes Konzept vor Augen.“ Doch in der Folge passierte nicht wirklich etwas.

In diesem Jahr nun eskalierte es. Am 24. September kam es deshalb bei den Gartenfreunden zu einer Krisensitzung. Trotzdem brodelte es seitdem weiter. Am 21. Oktober legte Vereinsvorsitzender Andreas Wenzel sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder.

Nun war ein Handeln zwangsläufig, zumal der Verein auf Nachfragen beim Registergericht erfahren hatte, dass alle Eintragungen völlig veraltet sind.

Nun am Samstag die vorgezogene Hauptversammlung. Einen Abschlussbericht legte Andreas Wenzel nicht vor. Anwesende konnten darüber nur den Kopf schütteln. Anwesend war Andreas Wenzel auch nicht. Nur einen Brief hatte er geschrieben. Hierin sprach er von einem „reinsten Chaos im Verein“ und von „persönlichen Hetzereien“ und davon, dass alles für ihn „nicht mehr tragbar“ sei.

Mehrere Vereinsmitglieder setzten sich daraufhin zusammen und suchten nach Lösungen. Nach erster Sichtung mussten sie jedoch feststellen, dass wichtige Unterlagen fehlen, mussten einräumen, dass die Kassenlage für sie nicht überschaubar und der Verein nach erster Einschätzung trotz zahlreicher Geldeingänge quasi pleite ist.

Es sei offensichtlich drei Minuten vor zwölf, erklärte daraufhin Dieter Bolles, zumal Achtern Diek auch beim Kreisverband mit einer beträchtlichen Summe in der Kreide stehe.

Vertrackte Situation

Nach Abstimmung mit den Vereinsmitgliedern übernahm Lutz Hecker Samstagnachmittag die Leitung der Versammlung. Unterstützt wurde er von den Gartenfreunden, mit denen er einen Lösungsansatz für die vertrackte Situation ausgearbeitet hatte. Er stellte dies zur Diskussion und auch zur Abstimmung. Fast einstimmig folgten ihm die 24 anwesenden Mitglieder.

Dies sind die Beschlüsse: Dem gesamten Ex-Vorstand wurde das Misstrauen ausgesprochen und die Entlastung verweigert. Andrea Zarth und Jasmina Bohlken prüfen in den nächsten Wochen als unabhängige Revisoren die Vereinsfinanzen.

Die Aufgabe des Vorsitzenden übernimmt Axel Klee, seine Stellvertretung Wolfgang Pietsch. Kassierer sind Jörg Bohlken und Patrick Fuhrmann, Schriftführer Lutz und Christel Hecker. Die Eintragungen beim Registergericht werden umgehend bereinigt.

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