Aurich Als der Mischlingshund „Zottel“ in das Tierheim Aurich gebracht wurde, dachte Leiterin Andrea Kerzel im ersten Moment: „Ach du Scheiße!“, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion sagte. Der kleine Hund war völlig verwahrlost: „So etwas sehen wir zwar wohl mal, aber das war schon echt heftig“, so Kerzel. In den 32 Jahren, die sie mittlerweile für das Tierheim arbeitet, habe sie so etwas im Schnitt ein bis zweimal Mal jährlich gesehen. Doch Zottel rangiert weit oben auf der Liste der extremen Verwahrlosungen. Der Körper des Hundes war unter einem Berg an Verfilzungen begraben, das Fell voller Flöhe und Maden. Zudem klebten überall Reste von Kot und Urin, wie Kerzel berichtet: „Es stank schlimmer, als man es auf den Fotos erahnen kann.“

Zottel hatte extreme Felllappen, die sich vor allem an der linken Körperseite befanden. Diese waren voller Urin, Kot, Maden, Würmer und Pilze.
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Nachdem Zottel geschoren wurde kann jetzt die Behandlung der von Pilzen und Bakterien belasteten Haut beginnen.
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Dass es sich hier um den Kopf des Tieres handelt, ist aufgrund der Verfilzungen kaum erkennbar. Aber die Hundenase steht leicht unter dem Fell hervor.
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Das Freischneiden war eine immense Herausforderung für die Tierärztin. Die Massen an verfilztem und verdrecktem Fell machten das Vorhaben knifflig.
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Tierärztin hat Zottel komplett kahl geschoren

Unmittelbar nachdem Zottel durch die Polizei eingeliefert wurde, haben die Mitarbeiter ihn der Tierärztin vorgestellt. Diese legte den kleinen Mischling in Narkose, um ihn von seinem Fell befreien zu können: „Da war nichts mehr zu retten“, so Kerzel. Zudem wurden Blutproben entnommen, die Zähne kontrolliert und einiges mehr. Als Schicht um Schicht des Fells abgetragen wurde, wurde Kerzel immer nervöser. Sie habe Angst gehabt, dass sich unter dem Fell noch ein unbehandelter Tumor oder andere Geschwülste befinden könnten. Doch als weite Teile des Körpers von der Last der Verfilzungen befreit waren, konnte Kerzel aufatmen. Das Tier wies keine erkennbaren Tumore oder Geschwülste auf: „Gottseidank“, so Kerzel. Und „Zottel“, wie die Tierärztin ihn taufte, geht es laut Kerzel „erstaunlich gut“. Der kleine Hund sei aufgeweckt und lebensfroh, spiele und tobe und zeige keinerlei Angst. Auch sei er nicht aggressiv: „Zottel ist ein toller Hund“, so Kerzel.

Wer ist sein neuer Besitzer? Wie konnte es so weit kommen?

Bis die Suche nach einem möglichen neuen Zuhause für Zottel beginnen kann, steht aber noch einiges an. Denn noch ist nicht geklärt, wer überhaupt der jetzige Besitzer von „Zottel“ ist. Die Verwahrlosungen sind nämlich nicht das einzige Schicksal, das Zottel erleiden musste. Er wurde in Südbrookmerland in einem Haus gefunden, in dem eine Leiche lag, wie Kerzel sagte. Nun müsse erst einmal geklärt werden, wer das mögliche Erbe des Verstorbenen antritt. Und zu diesem gehört eben auch der kleine Hund. Fraglich ist in diesem Zusammenhang aber auch, wie es überhaupt zu diesem Verwahrlosungszustand kommen konnte. Denn lange kann Zottel nicht beim verstorbenen Herrchen gelebt haben, weil sein Ernährungszustand „sehr gut“ war. Das Veterinäramt des Landkreises Aurich ist nun beauftragt, sich um die Aufarbeitung der Geschehnisse zu kümmern. Es stehen nämlich unter anderem Verstöße gegen das Tierschutzgesetz im Raum. Bis all das nicht geklärt ist, wird der etwa fünf bis acht Jahre alte Zottel im Tierheim Aurich leben.

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Aike Sebastian Ruhr Redakteur / Redaktion Norden
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