Stockholm Ein schwereres Erbe kann man in der schwedischen Krimi-Literatur nicht antreten. Kein Wunder also, dass David Lagercrantz zögerte, als er das Angebot bekam, einen vierten Band der weltweit erfolgreichen Millennium-Reihe zu schreiben. Mehr als zehn Jahre nach dem Tod von Stieg Larsson, dem literarischen Vater der Trilogie um den Journalisten Mikael „Kalle“ Blomkvist und das Hackergenie Lisbeth Salander.

Doch Lagercrantz machte sich unbeeindruckt an die Arbeit. Herausgekommen ist zunächst einmal ein packender Plot: Ein führender Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz wird ermordet, kurz bevor er ein Geheimnis mit Blomkvist teilen will. Salander gelingt es, in das System der NSA einzudringen. Dass das nicht vorrangig geschieht, um die Verstrickungen des Nachrichtendienstes aufzudecken, wird erst später klar.

In glatterem Stil als der linke Enthüllungsjournalist Larsson erzählt der Journalist Lagercrantz eine spannende Verschwörungsgeschichte, etwas weniger düster, als es der Millennium-Schöpfer wohl getan hätte. Dabei ist Lagercrantz sorgsam um dessen Vermächtnis bemüht und nennt das Böse in Abgrenzung zum Guten genauso klar beim Namen: Der Überwachungsstaat macht paranoid, in Schweden halten Armut und Rechtsextremismus Einzug, und Blomkvists investigatives Magazin „Millennium“ ist von der „Sklaverei kommerzieller Kräfte“ bedroht, als ein geldgieriger Medienkonzern Anteile übernimmt.

Noch eine gute Nachricht: Mit Larssons Figuren geht Lagercrantz außerordentlich behutsam um, gerade mit der tätowierten Punkerin Salander. Sie bleibt die übernatürlich kluge Rächerin der sozial Schwachen und Retterin der Unverstandenen. Aber sie ist mehr Mensch als übermächtige Fantasyheldin. Blomkvist bleibt der linke Moralist, auch wenn ihn plötzlich Zweifel plagen, ob er im Journalismus noch richtig ist.

Dem Schweden ist ein lesenswerter Thriller mit eigener Berechtigung gelungen. Beim Wiedertreffen mit „Pippi“ Salander und „Kalle“ Blomkvist stellt sich ein wohliges Gefühl ein. Als würden die beiden weiterleben. Anders eben. Na und!?

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