WILHELMSHAVEN Eröffnung hin, Verschiebung her: Für das Jade-Weser-Port-Open-Air spielte am Wochenende die Termindiskussion um den Containerhafen keine Rolle mehr. Stattdessen spielten vier Bands vor annähernd 6000 Besuchern und empfahlen damit den Pumpwerk-Park als Festival-Gelände mit besonderem Ambiente.

„Unglaublich beeindruckt, wie das hier aussieht“, zeigte sich Oberbürgermeister Andreas Wagner, als er von der Bühne den Blick ins Rund schweifen ließ und dazu aufforderte, „Singen Sie mit uns den Regen weg!“. Da war am noch helllichten Tag bereits die „Hafennacht“ aus Hamburg eingebrochen und hatte maritimes Liedgut musikalisch frisch eingekleidet. Die Band mit Frontfrau Uschi Wittich, Erik Braren auf der Gitarre und Heiko Quistorf auf dem Akkordeon zeigte, dass Seemannslieder nicht schnulzig rüberkommen müssen.

Dem Appell des OB angesichts dunkler Wolken am Himmel war vor dem Auftritt von Heinz Rudolf Kunze zumindest ein Teilerfolg beschieden. Zwar fielen pünktlich zum ersten Titel auch die ersten Regentropfen, doch hielt sich deren Dichte in Grenzen und nach den ersten Liedern lugte sogar noch einmal die untergehende Sonne durch die Bäume. „Da müssen wir durch und das kann auch gelingen; da müssen wir durch und da kommen wir durch“, hatte die Band irgendwie passend getextet.

Kunze selbst fühlte sich an alte Zeiten erinnert: „Für mich ist das ein rührender Augenblick – da hinten liegt das Pumpwerk, in dem ich seit Anfang der 80er Jahre bestimmt achtmal gespielt habe.“ Und auf seine Frage „Gibt es hier noch einige, die das damals miterlebt haben?“ staunte er, als die Finger hochgingen: „Oh, gar nicht mal so wenige.“

Einige seiner Titel schweiften denn auch in jene alten Zeiten zurück und er gestand freimütig ein: „Wir kommen nicht los davon.“ Das übrigens mit zwei gestandenen Gitarristen aus der Jadestadt, dem hier aufgewachsenen Jörg Sander, und dem 1975 in Wilhelmshaven geborenen Zoran Grujovski (Ex-„Colour-Red“, noch „Monkeeman“), der das neue Kunze-Album „Die Gunst der Stunde“ komponiert hat. Dazu auf der Bühne Leo Schmidthals, Bass, Matthias Ulmer, Keyboards, und Jens Carstens auf der spanischen Gitarre.

Nachdem ein Blitz mit anschließendem donnernden Kanonenschlag ein Lied beendete, rückten Kunze und Verstärkung ein wenig unterm Bühnendach zurück, „damit Ihr nicht unseren Live-Tod auf der Bühne erlebt“.

Dazu kam es glücklicherweise nicht. Sondern nach gut einer Stunde und damit zu langen Umbaupause zum Auftritt von „Santiano“, vor dem sich die Moderatoren Michael Diers und Katarina Guleikoff mächtig ins Zeug legten, um die erwartungsvolle Masse hinzuhalten. Grund: Senkrechtstarter „Santiano“ hatten noch am Vormittag beim Festival in Wacken gespielt und mussten nun in Hektik den Aufbau und Soundcheck beim Pumpwerk nachholen.

Die Flensburger, die sich erst vor einem dreiviertel Jahr zusammenfanden, zeigten wie man aus Seemannsliedern wie „Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren“ eine poppig-rockige Stimmungsnummer machen kann. Das kam generationsübergreifend an und sorgt für den Erfolg ihres Nummer-1-Albums „Bis ans Ende der Welt“. Neun Konzerte in den letzten acht Tagen sprechen eine deutliche Sprache.

Bis kurz nach 1 Uhr hielt zum Abschluss des Festival dann der Bremer Souler Flo Mega noch einige hundert Leute auf dem Gelände. Jetzt kann sich der Rasen erst einmal wieder erholen – für ein mögliches weiteres ähnliches Event im nächsten Jahr. Das will offensichtlich eine klare Abstimmungsmehrheit der Besucher. Mit einige Feinabstimmungen auf der Basis der jetzt gemachten Erfahrungen dürfte das auch machbar sein.

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