WILHELMSHAVEN Ein Nocturne (Nachtstück) ist sicherlich ein ungewöhnlicher Auftakt zu einem Konzert am Nachmittag des ersten Advent. Wenn es aber konzentriert, ruhig und mit gutem musikalischen Gespür vorgetragen wird, weicht die Verwunderung schnell der Anerkennung.

So überzeugte Daphne Nolte mit dem Nocturne in g-Moll op. 37/1 von Chopin beim Konzert herausragender Musikschüler der Region am Sonntag im Logenhaus. Schüler der Musikschulen Wilhelmshaven, Friesland-Wittmund, des Musikhauses „Villa Lug ins Land“ sowie der privaten Musiklehrerinnen Natalia Jantz (Wilhelmshaven), Susanne Siefken (Sande), Halina Waloschek (Cäciliengroden) und Nelli Vorontsova (Varel) hatten ein anspruchsvolles Programm vorbereitet, das auch Oberbürgermeister Andreas Wagner und seine Familie in den blauen Saal des Logenhauses lockte.

Zahlreiche Werke standen auf dem Programm, denen selbst große Musiker mit Respekt begegnen. Beispielsweise das Stück „Abschied“ aus den „Waldszenen“ von Robert Schumann. Luisa Kasjens zeigte hier ihren gefühlvollen Zugang zur romantischen Klaviermusik. Oder die Ballade aus den späten Klavierstücken op. 118 von Johannes Brahms, mit der Anastasia Weise glänzte.

Als jüngste Mitwirkende gefiel die 9-jährige Marietta Imelmann mit der Klaviersonatine Nr. 1 von Hedwige Chretien, während sich die Violinschülerin Janka Watermann ans Duospiel wagte. Gemeinsam mit der Klavierpädagogin Svitlana Semrau präsentierte sie die viersätzige Sonate op. 5/7 von Arcangelo Corelli und brachte damit barocke Klänge in das Konzert.

Besondere Leistung

Herausragend waren gleich drei pianistische Beiträge – weil sie technisch sicher und auswendig vorgetragen wurden und auch weil die musikalische Gestaltung besondere Anerkennung verdiente. So wurde das Prélude in cis-Moll von Rachmaninoff dank der ausdrucksstarken Interpretation von Gudrun-Marlene Heldt zum ersten Höhepunkt des Konzerts. Die junge Pianistin scheute nicht den beherzten Zugriff, entwickelte dynamische Steigerungen und verhalf dem Werk so zu eindrucksvoller Wirkung.

Großen Respekt verdiente sich auch Sidney Eggleston, die die Konzertetüde Nr. 1 von Nikolai Kapustin präsentierte. Schon allein die Wahl dieses Stücks ist bemerkenswert, denn die Musik von Kapustin hat Jazzcharakter und soll wie improvisiert klingen. Dieser hohen musikalischen Anforderung wurde Sidney Eggleston scheinbar mühelos gerecht.

Gleiches gilt für Stefan Engels, der die Rhapsodie op. 79/1 von Johannes Brahms darbot. Mit beherztem Tempo stellte er das Vorwärtsdrängende in der Musik eindringlich dar, gab aber auch lyrischen Momenten Raum und erfasste so das Wesentliche der Rhapsodie: ihren „erzählenden“ Charakter.

Vierhändig am Klavier

Vierhändig am Klavier ergänzten sich Annemarie Alder und Emilia Pauer bei den Ungarischen Tänzen Nr. 1 und Nr. 5 von Johannes Brahms. Abwechselnd die Melodiestimme bzw. die Begleitung übernehmend, gelang den beiden Schülerinnen ein gut abgestimmter und rhythmisch sicherer Vortrag. Wiederum romantisch wurde es daraufhin beim Zusammenspiel von Cello und Klavier: Clara Dohmen (Cello) und Simon Ebmeier (Klavier) widmeten sich einer Bearbeitung des melancholischen Fantasiestücks op. 73/1 von Robert Schumann.

Einen besinnlichen Ausklang gestalteten schließlich Emilia Pauer (Violine), Katinka Imelmann (Klavier) und Chalice Höhne (Gesang) mit zwei Wiegenliedern von Arvo Pärt.

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