München Heino hat ganz klar Gefallen daran gefunden, dass er nicht mehr nur vor Rentnern auftritt. „Ich habe im vergangenen Jahr mein Publikum bestimmt um 40 Jahre verjüngt“, sagt er nicht ohne Stolz im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Und damit das so bleibt, legt er jetzt nach. Mit seinem neuen Album „Schwarz blüht der Enzian“, das an diesem Freitag - einen Tag vor seinem 76. Geburtstag - auf den Markt kommt, will er anknüpfen an den Riesen-Erfolg seiner letzten Platte „Mit freundlichen Grüßen“.

Diesmal aber verärgert er keine Rock-Bands, aus deren Repertoire er sich bedient - er greift zu seinen eigenen Klassikern und bringt Volksmusik-Hymnen wie „Blau blüht der Enzian“ oder „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ zu kreischenden Gitarrenklängen auf den Markt: Volksmusik-Kracher in der Metal-Version. Der passende Titel des Albums, auf dessen Cover Heino sich auf einem Totenkopf-Thron inszeniert: „Schwarz blüht der Enzian“.

Und ein passendes Musikvideo dazu gibt es auch: Darin macht Heino aus seinen Volksmusik-Kollegen Stefan Mross, Patrick Lindner und Gotthilf Fischer eine Metal-Band. Mross zertrümmert seine Gitarre, Lindner rockt am Bass, die Wildecker Herzbuben stehen als Security-Mitarbeiter im Bühnengraben und im Publikum recken Rentner in Leder-Kluft ihre Krückstöcke in die Höhe. „Das Video ist geil geworden“, sagte Heino der „Bild“-Zeitung, die am Dienstag über die ungewöhnliche Band berichtete. „Meine lieben Kollegen haben alle bewiesen, dass echte Rocker in ihnen stecken.“

Der 86-jährige Gotthilf Fischer steht am Schlagzeug, während ein schwarz gekleideter Heino beschwörend die Arme ausstreckt und die dröhnende Rock-Version seines „Enzian“-Klassikers donnert. Zum Schluss lässt er sogar eine Taube in Flammen aufgehen - wenn auch nur „digital geröstet“, wie die „Bild“ schreibt.

„Wenn die jungen Leute auf meinen Rockkonzerten in Chören den „Enzian“ fordern, dann kann ich das ja nicht einfach ignorieren“, erklärt Heino die Idee zum neuen Album. „Man muss auch schon mal ein bisschen mit der Mode gehen und darf sich nicht verschließen und sagen, das ist alles Kram.“

Und so präsentieren sich Klassiker wie der „Enzian“, die „Haselnuss“, „Hoch auf dem gelben Wagen“ oder „La Paloma“ in neuem Schwarzlicht. Vor allem der „Enzian“, die erste Single-Auskopplung, hat überraschendes Metal-Potenzial und könnte streckenweise auch ein Song von Rammstein sein. Heinos Einschätzung dazu: „Man könnte auch sagen, Rammstein klingt wie Heino... Till rollt das R genau so wie ich - und ich habe es schon zwanzig Jahre vor ihm so gerollt.“ Zu brachialen Metal-Tönen klingt das zumindest besser als früher in der lieblichen, humorlosen „Musikantenstadl“-Version.

Allerdings lebt Heinos Album weniger von der musikalischen Qualität als vom Überraschungsmoment der ungewohnten Klänge zu bekannten Melodien und Texten. Wie schon bei seinem Cover-Album mit Songs von den Ärzten oder Rammstein beweist die ehemalige Volksmusik-Ikone durchaus Humor. Das funktioniert mal besser („Enzian“, „Haselnuss“, „Wir lagen vor Madagaskar“), mal schlechter („La Paloma“) - und mal überhaupt nicht („Rosamunde“, „Barbara“, „Ja ja, die Katja“).

Vor allem die Damen in der Runde wehren sich nach Kräften gegen die Zwangsmetallisierung und bewahren sich allen Gitarrenriffs zum Trotz ihren volksmusikalischen Charakter. Weder aus „Rosamunde“, noch aus der „schwarzen Barbara“ oder „Katja“ lassen sich nun mal richtige Rockerbräute machen - im Gegensatz zu Heinos Ehefrau Hannelore.

„Solange es der Hannelore Spaß macht und mir auch, soll man uns den Spaß lassen“, sagt der Sänger. „Ich bin glücklich, dass ich noch mal mit knapp 76 so einen Aufschlag gemacht habe.“

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