Berlin Es gibt wohl kaum eine Buchhandlung, die „Herr Lehmann“ nicht auf Lager hat. Die Geschichte um Frank Lehmann und Berlin-Kreuzberg kurz vor dem Mauerfall war 2001 das literarische Debüt von Musiker Sven Regener. Es war ein Knaller, auch dank des Kinofilms mit Christian Ulmen. In der Lehmann-Trilogie folgten zwei weitere Bücher, „Neue Vahr Süd“ und „Der kleine Bruder“.

Regener, der mit der Indieband Element of Crime bekannt wurde, traf bei den Lesern einen Nerv. Seine Bücher sind witzig, ohne flach zu sein: England hat Nick Hornby, Deutschland Sven Regener. Bis heute sieht sich der 56-Jährige, der aus Bremen kommt und in Berlin lebt, als „Rockmusiker, der Bücher schreibt“.

In seinem neuen Buch „Wiener Straße“ (Galiani Berlin, 304 S., 22 Euro) erzählt Regener Episoden, die 1980 im Kreuzberg der leicht Verpeilten, der Hausbesetzer und Künstler spielen. Frank Lehmann, der immer noch nicht „Frankie“ genannt werden will, ist darin eine von vielen Figuren. Regener wolle Herrn Lehmann nicht wie Winnetou zu Tode reiten, versichert der Verlag. Auch Lehmanns Kumpel Karl Schmidt kommt wieder vor.

Worum es geht? Um vieles. Um das Kreuzberger Leben und die Kunst, die aus einem Stück verkohlten Kuchen mit Deutschlandfähnchen bestehen kann. Um den Gang in den Baumarkt. Um das Café „Einfall“ in der Wiener Straße und die hochkomplexe Kaffeemaschine. Um Typen mit Namen wie Kacki, P. Immel oder H. R. Ledigt. Um Fernsehdreharbeiten mit Punks und um Schwangerschaftskurse, bei denen die Männer Umschnallbäuche bekommen.

Das Café „Einfall“ gibt es nicht in Wirklichkeit, die Wiener Straße schon. Regeners Episoden zu lesen, macht Spaß – wegen der Dialoge. Mit den Figuren wird es etwas unübersichtlich. Manche würde man gerne näher kennenlernen. Aber das kann ja noch kommen.

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