MüNCHEN In „Imperium“ hatte Robert Harris den Aufstieg des Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.) vom Anwalt mit rhetorischer Begabung an die Spitze der politischen Macht in der römischen Republik nachgezeichnet. In seinem neuen Band „Titan“ schreibt er Ciceros Geschichte fort und dies wieder einmal hoch spannend.

Der Roman beginnt am Vorabend seiner Einführung als römischer Konsul und umfasst die fünf Jahre 63 bis 58 v. Chr., in denen die Republik Roms unaufhaltsam ihrem Untergang zustrebt.

Missglückter Putsch

Wieder erzählt Ciceros Sekretär Tiro von den Ereignissen im Leben seines Herrn. Im Wahlkampf hat er sich geschickt gegen den korrupten Catilina durchgesetzt, doch seine Feinde haben längst nicht aufgegeben. Im Gegenteil: Die Intrigenschar wächst. Catilina hat eine Horde enttäuschter Aristokraten und Kriminelle um sich geschart, um eine Verschwörung anzuzetteln, bei der Cicero ermordet werden soll.

Auch der undurchschaubare Julius Caesar spielt eine Rolle. Der Putsch missglückt, die Probleme aber bleiben. Und Cicero sieht sich schließlich in seiner Tugendhaftigkeit auf die Probe gestellt. Er muss sich fragen, ob zur Rettung der Republik auch illegale Methoden legitim sein können.

Atemlos verfolgt der Leser, wie der neue Konsul allein mit der Kraft des Wortes die Menschen für sich gewinnt und festgefügten Widerstand zum Bröckeln bringt. Wie immer brillant recherchiert füllt der „Pompeji“-Autor die für moderne Augen schwarz-weiße Welt der Antike mit bunter Farbenpracht und schafft authentische Szenen, in die man unmittelbar eintauchen möchte.

Berühmt durch „Vaterland“

Zugleich wirkt das Psychogramm Ciceros und seiner Widersacher beängstigend aktuell, zumal allzeit gültige Mechanismen der Macht freigelegt werden. Kein Wunder: Robert Harris studierte an der Universität Cambridge Geschichte. Danach arbeitete er als BBC-Reporter und Redakteur in England. Sein erster Roman „Fatherland“ (deutsch: „Vaterland“) wurde 1992 veröffentlicht und machte ihn berühmt. Das Werk wurde in über 30 Sprachen übersetzt. „Vaterland“ – der Roman wurde 1994 auch verfilmt – spielt 1964 im Berlin eines Nazideutschlands, das den Zweiten Weltkrieg nicht verloren hat.

Robert Harris ist in allen seinen Büchern um eine möglichst große Faktentreue bemüht. „Ghost“ (2007), in dem es um den Ghostwriter eines Politikers geht, wurde in dieser Hinsicht zum Beispiel als eine Abrechnung mit dem früheren britischen Premierminister Tony Blair gewertet, mit dem Harris lange Zeit befreundet war.

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