OLDENBURG In die Wüste wurde Jutta Kleinschmidt nie geschickt. Sie ging freiwillig. Fasziniert von der Rallye Dakar, die sie 1987 als Zuschauerin begleitete, stieg sie ein Jahr später in das Abenteuer ein. Fortan mischte die gebürtige Kölnerin für fast 20 Jahre beim härtesten Motorsport-Rennen der Welt mit. Sie gewann zunächst zweimal die Motorradkonkurrenz der Frauen, ehe sie auf das Auto umstieg. Mit Erfolg: Vor zehn Jahren, am 21. Januar 2001, siegte Kleinschmidt als Pilotin des Mitsubishi Werksteams als erste und bisher einzige Frau in der Gesamtwertung.

„Für eine Frau ist es schon schwierig, sich in einer Männerdomäne durchzusetzen, besonders wenn man die Erste ist“, blickt die 48-Jährige zurück. Bei der stets umstrittenen Jagd durch Sand und Dünen blieb auch sie nicht von Unfällen, Missgeschicken und Krisen verschont. Doch sie gab nicht auf und fuhr schließlich ihren bedeutendsten Sieg ein.

Heute sind ihre die Dienste immer noch gefragt. Jedoch außerhalb des Cockpits. Derzeit befindet sie sich in Schweden. Kleinschmidt, die in Monaco wohnt, arbeitet in Stockholm als Instruktorin bei Fahrtrainings, berät Unternehmen und hält Motivationsvorträge. Und sie ist unter die Autoren gegangen.

„Mein Sieg bei der Dakar“ heißt ihr im vorigen Herbst veröffentlichtes Buch, in dem sie ihre Erinnerungen aus 2001 aufgeschrieben hat. „Es waren damals Tage mit Höhen und Tiefen, meine Führung kam erst spät“, erzählt sie.

Der Gedanke, Platz eins womöglich noch zu verlieren, setzte ihr vor dem Finale offenbar ordentlich zu: „Vor Aufregung konnte ich kaum noch schlafen, aber am nächsten Tag ist alles gut gegangen.“ Mit ihrem deutschen Co-Piloten Andreas Schulz bestand sie die letzte Prüfung und erklomm im Senegal das Siegerpodest.

Ihr erfolgreichstes Jahr ebnete Kleinschmidt den Weg zu VW. Im Jahr 2002 unterzeichnete sie bei dem Wolfsburger Konzern ihren Vertrag als Werksfahrerin. Doch am Steuer des VW-Touareg konnte sie den großen Erfolg nicht wiederholen. 2006 wechselte Kleinschmidt zu BMW und erreichte mit ihrer früheren Beifahrerin Tina Thörner 2007 in Afrika noch einmal den 15. Rang.

Derzeit fährt Kleinschmidt keine Rennen. Sie verfolgt jedoch das aktuelle Geschehen der Dakar, die seit 2009 in Südamerika ausgetragen wird. „Momentan fehlt etwas die Spannung, da VW als einziges echtes Werksteam übrig geblieben ist“, bemängelt Kleinschmidt, die weiterhin das Risiko liebt. Sie erwarb unter anderem die Lizenz als Hubschrauber-Pilotin und überquerte mit dem Fahrrad die Alpen. „Ich brauche die Herausforderung und das Abenteuer.“

Ihre Ziele im Motorsport? „Ich würde gerne ein grünes Auto nach ökologischen Kriterien entwickeln, das wettbewerbsfähig ist.“ Fahren, so sagt Kleinschmidt, würde sie es auch gerne – am liebsten bei einer Rallye in Afrika.

Jutta Kleinschmidt (kleines Bild) wurde 1962 in Köln geboren. Die diplomierte Physikerin arbeitete zunächst als Ingenieurin bei BMW. 1993 wurde sie Profifahrerin. Von 1988 bis 1994 sicherte sie sich bei der Rallye Dakar zweimal die Motorradwertung der Frauen. 1995 stieg sie auf das Auto um und gewann zwei Jahre später ihre erste Etappe. 2001 gewann sie den Wettbewerb. Danach ging sie bis 2007 für verschiedene Teams bei der Wüstenrallye an den Start.

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