Washington Nichts fürchten die Deutschen angeblich so wie die Politik von US-Präsident Donald Trump, so das Fazit einer von einer Versicherung veröffentlichten Umfrage. Noch nicht einmal die freizügige Migrationspolitik der Bundeskanzlerin macht ihnen soviel Angst. Das ändert aber im Grundsatz nichts an einer Tatsache, die in Europa im Rahmen der vor allem von Politikern gern praktizierten Anti-Trump-Hysterie und vielleicht auch mangels Detailwissen kaum wahrgenommen wird: Donald Trump ist – nimmt man seine Entscheidungen und nicht sein persönliches Verhalten zum Maßstab – weit weniger eine Bedrohung für den Frieden und die internationale Stabilität als beispielsweise Kim Jong Un, Wladimir Putin oder das Regime im Iran. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Donald Trump ist in erster Linie ein Geschäftsmann, der Politik durch die Linse des „Dealers“ sieht und dessen Hauptargumente für ein erfolgreiches Agieren in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind. Vier Millionen neue Jobs seit Amtsantritt. Rekordbeschäftigung auch für Afroamerikaner und Latinos, die vom Trump-Aufschwung ebenfalls profitieren. Eine Wachstumsrate im letzten Quartal von satten 4,2 Prozent – während in den Obama-Jahren das jährliche Wirtschaftswachstum gerade einmal zwei Prozent betrug und die Löhne stagnierten. Warum sollte der Präsident diese Werte, mit denen er so gerne renommiert, durch eine wagemutige und kriegerische Sicherheitspolitik gefährden, die die Finanzmärkte erschüttern könnte? Hinzu kommt: Die US-Truppen möchte er aus Syrien so schnell wie möglich abziehen. Beim Treffen mit Diktator Kim Jong Un hat er eine Denuklearisierung Nordkoreas vereinbart. Auch wenn es mit der Umsetzung zu haken scheint und der Teufel wie so oft im Detail liegt – der Trend geht zumindest in die richtige Richtung, nämlich Entspannung. Und das ist nicht zum Fürchten.

Donald Trump ist von Erwachsenen umgeben. Selbst wenn man – wie jetzt geschehen im Enthüllungsbuch von Bob Woodward und im anonymen Leitartikel eines angeblichen Regierungs-Mitarbeiters in der „New York Times“ – dem Präsidenten mangelnde Intelligenz, Unkenntnis politischer Zusammenhänge und jede Menge moralischer Defizite attestiert: Es gibt immer noch erfahrene Minister und Berater, die auch eine Kontrollfunktion haben. Wie James Mattis, der General und Verteidigungsminister. Oder John Kelly, Trumps Stabschef und ebenfalls ein Ex-Offizier mit Disziplin und Verantwortungsgefühl. Und dann ist da ja noch die angebliche „Widerstandsbewegung“, die nach dem Beitrag in der „New York Times“ politisch unerwünschte Maßnahmen des US-Präsidenten zu entschärfen versucht. Die Frage der demokratischen Legitimation einer solchen internen ungewählten Guerilla-Truppe steht auf einem ganz anderen Blatt – aber rein aus ihrer Existenz zu schließen, dass Trump eine Gefahr für das Land und den Weltfrieden bedeutet, ist viel zu weit hergeholt.

Trump bellt, aber beißt oft nicht. Aus seiner Zeit als Immobilien-Jongleur in New York stammt die Angewohnheit, Gegnern oft massiv und rüde zu drohen, um allein durch den Faktor Einschüchterung Vorteile zu gewinnen – siehe auf dem transatlantischen Feld beispielsweise durch die Andeutungen eines möglichen Rückzugs aus der Nato. Üblich ist aber auch, dass Trump nur selten den Drohungen auch radikale Taten folgen lässt. Und: Vom US-Präsidenten ist nicht bekannt, dass er – wie Baschar al-Assad – eigene Bürger durch Giftgas töten oder wie Putin Regimekritiker eliminieren lässt. Auch hat er bisher keine Übernahme ausländischer Regionen angeordnet oder Rebellen mit dem Werkzeug zum Abschuss ziviler Linienmaschinen ausgestattet. Und der US-Präsident fördert auch nicht – so wie es beispielsweise Teheran tut – islamistische Terrororganisationen. Kritiker werfen Trump gerne vor, durch das Aufkündigen internationaler Verträge, neue außenpolitische Normen oder unorthodoxe Entscheidungen wie die Verlegung der US-Botschaft in Israel Instabilität und Chaos zu riskieren. Frühere US-Regierungen hatten hingegen den Status quo bevorzugt. Doch bis heute sind die vielen so düsteren Visionen nicht eingetreten. Ein Grund mehr, Donald Trump trotz aller persönlichen Mangelerscheinungen nicht zu fürchten.

Friedemann Diederichs
Korrespondentenbüro Washington

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