Saarbrücken Nicht: Es muss etwas geschehen, sondern ich muss etwas tun.“ So beschrieb Anneliese Graf das Lebensmotto ihres Bruders. Vor 75 Jahren bezahlte Willi Graf seinen Widerstand gegen das Regime der Nationalsozialisten mit dem Leben. Am 12. Oktober 1943 wurde der damals 25-Jährige in der Münchner Strafanstalt Stadelheim mit dem Fallbeil enthauptet. Graf gilt heute als ein Vorbild für den Widerstand gegen die Diktatur, als Held.

Bei Euskirchen im heutigen Nordrhein-Westfalen am 2. Januar 1918 geboren, wuchs er in einem katholischen, bürgerlichen Elternhaus in Saarbrücken auf. Er widersetzte sich schon in seiner Schulzeit den Versuchungen der Nationalsozialisten. So weigerte Graf sich, der Hitlerjugend beizutreten, auch dann noch, als ihm die Lehrer drohten, ihm das Abitur zu verweigern. Letzteres erhielt er 1937 dennoch, fing an, in Bonn Medizin zu studieren und wurde nach Beginn des Krieges als Sanitätssoldat an verschiedene Fronten geschickt.

Die grausigen Erfahrungen vor allem an der Ostfront bestärkten Graf in seinem Willen zum Widerstand gegen die Nazis. Im April 1942 wurde er zur Fortsetzung seines Medizinstudiums nach München abkommandiert. Dort schloss er sich der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell und Christoph Probst an. Am 4. Februar 1943 schrieben die drei Widerstandsparolen an die Wände der Uni wie: „Hitler, der Massenmörder“ und „Nieder mit Hitler“. Am 18. Februar wurden Hans Scholl und seine Schwester Sophie erwischt, als sie Flugblätter in den Lichthof der Münchner Uni warfen – die Widerstandsgruppe flog auf.

Die Scholls, Schmorell, Graf, Probst sowie der Universitätsprofessor Kurt Huber wurden vom „Blutrichter“ Roland Freisler zum Tode verurteilt. Die Todesstrafe gegen Willi Graf wurde zuletzt vollstreckt. Acht Monate lang versuchte die Gestapo, die Namen anderer Mitglieder der „Weißen Rose“ aus ihm herauszupressen. Wegen seines Schweigens wird Graf heute von vielen als Held verehrt.

Die Haltung Grafs wurzelt in seinem christlichen Menschenbild. „Allein dieser Glaube ist mir Halt und Hoffnung“, diktierte er in der Haft dem Gefängniskaplan in einem Brief an seine Schwester Anneliese. Gerade die katholische Kirche sieht Willi Graf daher als eine herausragende Figur.

Zum Gedenkjahr hat der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, eine Voruntersuchung zur Seligsprechung Grafs eingeleitet. Wie lange diese noch dauere, lasse sich nicht seriös sagen, heißt es beim Erzbistum.

Weitere Nachrichten:

Hitlerjugend | Gestapo | Katholische Kirche

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.