Oldenburg Der Lebensmittel-Discounter Aldi hat angekündigt, künftig einen „symbolischen Preis“ von einem Cent für dünne Obst- und Gemüsetüten aus Plastik zu verlangen. Seitdem größere Tragetaschen plastikfrei, aber kostenpflichtig geworden sind, greifen mehr Kunden auf die kostenlosen dünnen Tüten zurück, die eigentlich für das Verpacken von Obst und Gemüse gedacht sind. So sehen es zwei Redakteure aus der NWZ-Redaktion:

Pro von Tonia Hysky

Verweist auf Erfolge in Italien: NWZ-Redakteurin Tonia Hysky

Nur ein Cent, mehr wird es nicht sein. Einen Cent verlangt Aldi demnächst für eine dünne, kleine Obsttüte.

Ja, es ist ein symbolischer Preis und ja, ein Cent tut dem Geldbeutel nicht weh. Aber es geht nicht nur ums Geld. Es geht ums Nachdenken. Alleine die Nachricht, künftig die Kunden für die kleinen Tüten zur Kasse zu bitten, hat doch schon Wirkung gezeigt. Die Menschen reden darüber und machen sich Gedanken – zumindest ein wenig.

Aktion, Reaktion: Wenn etwas bislang gratis war und nun Geld kostet, überlegt sich der Kunde den Kauf doch zweimal. Dass der Preis hemmt, zeigte ja schon vorherige Schritt: Nachdem der Preis der Plastik-Tragetaschen erhöht wurde, nutzten die Kunden statt diesen vermehrt die kostenlosen Obsttüten. Einen Preis zu setzen, ist die logische Konsequent dessen.

Im Übrigen gibt es den symbolischen Cent bereits in Italien. Und dort macht der geringe Betrag jetzt schon einen Unterschied. Dort nahmen Kunden schon kurz nach der Einführung weniger Plastiktüten mit, die nun zwischen einem bis drei Cent kosten. Natürlich wäre ein höherer Preis besser und würde noch deutlich mehr abschrecken. Und vielleicht würde nicht nur jeder zehnte Kunde die Finger von der Obsttüte lassen, sondern jeder vierte. Aber es ist ein Anfang – alle guten Dinge beginnen im Kleinen. Manchmal dauert es eben, bis der Groschen fällt.

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Aldi sagt Plastik den Kampf an – und das ist gut so. Wer Nachrichten von verendeten Möwen, Fischen und Walen liest, die an Plastikmüll erstickt sind, kann nicht weitermachen, wie bisher. Und dabei ist es unerheblich, ob der Großteil des Plastiks in den Weltmeeren aus Deutschland und Europa stammt oder aus Südostasien. Ein Anfang muss gemacht werden, und da sind alle gefragt.

Doch hilft ein „symbolischer Preis“ von einem Cent – den das Unternehmen tatsächlich genauso betitelt: als Symbolik – wirklich weiter? Ob auf dem Beleg an der Kasse 34,12 Euro oder 34,13 Euro steht, dürfte niemanden jucken. Die größtenteils wiederverwertbaren großen Tragetaschen kosten im Laden zwischen 45 Cent bis 1,99 Euro. Man muss kein Ökonom sein, um festzustellen, dass sich der Griff zur einen Cent teuren Plastiktüte noch lange lohnen wird.

Politiker werden häufig für Gesetze, die sie als großen Wurf präsentieren, gescholten: Dies sei Symbolpolitik. Aldi bemüht sich gar nicht erst, seinen Schritt umzuetikettieren und spricht von einem „symbolischen Preis“. Ein Problem ernst zu nehmen, sieht anders aus. Es bleibt zu hoffen, dass der Discounter der Symbolik auch handfeste Maßnahmen gegenüberstellt: Immerhin hat er bereits angekündigt, waschbare Netze als Alternative anbieten zu wollen. Sollten die aber teurer sein als der symbolische Cent, werden Kunden in der Mehrheit weiterhin zum Plastik greifen.

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