Oldenburg Eines muss man dem NDR lassen: Er ist konsequent. Nicht genug, dass die erfolgreiche Serie „Holocaust“ in diesen Wochen zuschauerunfreundlich montags erst gegen Mitternacht gezeigt wird, auch die dazu gehörige Dokumentation wird am nächsten Mittwoch um 23.50 Uhr im dritten NDR-Programm ausgestrahlt. Da werfen wohl nur Lehrer ihre Aufnahmegeräte an.

Gewiss kann man über die künstlerische Qualität der TV-Serie streiten, und deutsche Intellektuelle griffen bei der Erstausstrahlung damals auch zügig wie naserümpfend zu Begriffen wie Hollywood-Kommerz und Trivialisierung. Aber unbestreitbar hat die Serie vor 40 Jahren die alte Bundesrepublik erschüttert. Der Begriff Holocaust, vorher so gut wie unbekannt, war nach dem Januar 1979 auf in aller Munde. Angesichts der Bedeutung des Themas Judenvernichtung und der kolossalen Medienwirkung macht nachdenklich, dass es fast jeder melodramatische Unsinn um 20.15 Uhr ins ARD- oder ZDF-Programm schafft, aber diese Serie nicht.

Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion

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