Oldenburg Sind Wolfgang Schäuble die Nerven durchgegangen, als er unaufgefordert eine Empfehlung zugunsten des Kandidaten Friedrich Merz abgab? Fürchtet Schäuble, es könnte bei der Wahl des CDU-Vorsitzes beim CDU-Bundesparteitag nicht mehr reichen? Oder wollte er sich mit einem großen Auftritt von der Kanzlerin Angela Merkel distanzieren, dem Amt, das er selbst gern ausgefüllt hätte? Ein Deal der beiden Politiker, die von Merkel kaltgestellt wurden? Man kann freilich auch Wirtschaftsminister Peter Altmaiers Wahlempfehlung für Annegret Kramp-Karrenbauer so interpretieren.

Altmaier und die Merkel-Getreuen haben Fracksausen, Merz könnte die Mehrheit unter den Delegierten hinter sich haben. Natürlich muss Altmaier beteuern, aus Respekt vor den Delegierten seine Empfehlung zugunsten „AKK“ zurückgehalten zu haben. Erst, als der unbotmäßige Schäuble im Interview verriet, wer der Beste für Deutschland sei, musste Altmaier notgedrungen die Sache richtig rücken. Ein Schelm, wer Böses denkt. Tatsächlich hat Schäuble in sein Lob für Merkels Regierungsarbeit ein Düftchen miteingewoben, das heißt: Merkel muss weg! Und es heißt auch: Kramp-Karrenbauer ist die Fortsetzung.

Es wird der Hansestadt Hamburg schmeicheln, dass die Welt an diesem Freitag für einen Moment nach Hamburg schaut, wo die mächtigste Frau der Welt einen Teil ihrer Macht abgibt. Die 1001 Delegierten werden sich des historischen Augenblicks bewusst sein. Wählen sie nämlich Merz, endet Merkels Kanzlerschaft noch vor 2021 und damit nicht so, wie sie selbst es plant. Ihm ist zuzutrauen, dass er Merkel beiseite schiebt. Und die Zeit von Jens Spahn, Bewerber Nummer drei, wird kommen.

Merz kann sich seiner Sache nicht sicher sein. Unter den Delegierten sind ein Drittel Frauen (perspektivische Anhängerinnen der Saarländerin) und zahlreiche Bundestagsabgeordnete. Die haben ein geringes Interesse an vorzeitigen Wahlen, die ja als Option auch noch im Raum stehen.

Hans Begerow
Leitung
Politik/Region

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