Oldenburg Der 3. Oktober ist der Feiertag, an dem der Wiedererlangung der Deutschen Einheit gedacht wird. Es ist der falsche Tag. Der eigentliche deutsche Gedenktag ist der 9. November, nur ist er kein Feiertag. Die Politiker, die das beschlossen haben, lagen total falsch, die „Angst“ vor den Assoziationen, die mit dem 9. November einhergehen, haben die Urteilskraft getrübt.

Ja, der 9. November ist der Jahrestag der Pogromnacht, an dem Nazi-Horden vielhundertfach Synagogen zerstörten. Und nein, das Gedenken kann man nicht aufwiegen. Der Glücksfall der Wiedererlangung der Deutschen Einheit kann das Unrecht nicht wettmachen. Und ja, der 9. November ist auch der Tag der Repu­blik-Werdung. Deutschland bekam in der Folge der Abdankung des Kaisers vor 100 Jahren seine erste demokratische Verfassung, Frauen das Wahlrecht, Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Tarifautonomie. Das ist nicht wenig, sondern zählt zu den großen Errungenschaften Deutschlands, Errungenschaften, die uns etwas wert und auf die wir stolz sein sollten.

Die Weimarer Republik, ihre Errungenschaften und ihr Scheitern an den Demokratiefeinden, spielt im Schulunterricht eine untergeordnete Rolle. Zu kompliziert, heißt es. Das ist betrüblich, denn die erwähnten Koalitions- und Freiheitsrechte sind es wert, dass wir uns mit ihnen beschäftigen und ihren Wert auch daran bemessen, was sie für unsere Bundesrepublik bedeuten.

Der Makel, den Nationalsozialisten dem 9. November gegeben haben, könnte auch als Aufgabe verstanden werden: Nie wieder sollen Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit oder Herkunft diskriminiert der gar entrechtet werden. Auch das bedeutet der 9. November.

Hans Begerow
Leitung
Politik/Region

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