Oldenburg Der Fall der pakistanischen Christin Asia Bibi ist ein Paradebeispiel von Heuchelei durch Schweigen. Er illustriert darüber hinaus politisch-religiöse Beißhemmungen im Westen.

Was ist geschehen? Asia Bibi wurde 2009 bei der Feldarbeit massiv beleidigt, weil sie Christin war. Sie hatte an einer Quelle aus einem Becher getrunken, der für Moslems „reserviert“ war. Auf die Angriffe gegen ihren Glauben erwiderte sie: „Jesus ist am Kreuz für die Sünden der Menschheit gestorben. Was hat Mohammed je für die Menschheit getan?“

Es folgten Anklage wegen Gotteslästerung, Haft und Todesurteil. Im Oktober hob der Oberste Gerichtshof dieses Urteil auf. Doch die Regierung Pakistans knickte vor militanten Islamisten ein: Sie versprach einen neuen Prozess mit anderen Richtern gegen sie.

Islamisten fordern in Karachi die Hinrichtung Asia Bibis. (Foto: dpa)

In all den Jahren setzten sich vor allem christliche Menschenrechtsgruppen und Organisationen wie Amnesty für die Frau ein. In vielen westlichen Ländern wurde dem Fall aber eher gebremste Aufmerksamkeit gezollt. Das verwundert, denn diese Pakistanerin steht wie keine andere für Diskriminierung und Verfolgung, die gleich mehrere Ursachen hat: Es handelt sich um eine Frau, eine Angehörige einer Minderheit und eine ökonomisch Unterprivilegierte.

Nun sollte man denken, dieser Fall wäre aus diesem Grund im Westen – zum Beispiel – Anlass für so genannte „intersektionelle Feministinnen“ richtig laut zu werden. Die nämlich frönen der Analyse sich überschneidender, mehrfacher Diskriminierung und werden gewöhnlich auch in den absurdesten Fällen fündig. Nur eben hier nicht und das, obwohl Asia Bibi wirklich mehrfach diskriminiert wird.

Der Grund ist offensichtlich: Man hat Angst, sich in das verminte Gelände der Islam-Diskussion zu begeben. Denn den müsste man als Ursache des Falles kritisieren. Das aber scheut man in „progressiven Kreisen“ wie der Teufel das Weihwasser.

Dr. Alexander Will
Leiter Newsdesk
Politikredaktion

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Nordwest-Zeitung | dpa

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