Fußball-Bundesliga Startet
Im Abstiegskampf

Die deutsche Elite-Liga steht sportlich am Scheideweg. Um mit England und Spanien mitzuhalten, müssen die Bundesligisten finanziell mehr wagen, meint NWZ-Redakteur Lars Blancke.

Bild: Angelika Warmuth/dpa
Ein Spieler des FC Bayern hält die Meisterschale (Symbolbild).Bild: Angelika Warmuth/dpa
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Oldenburg Martin Kind, streitbarer Präsident von Hannover 96 und im Kampf gegen die „50+1“-Regel, hat in einem Interview folgendes festgestellt: „Der immer schneller rasende Fußball-Zug rauscht an Deutschland vorbei.“

Dies ist nur eine von vielen Meinungen zur Entwicklung der Bundesliga, die an diesem Freitag in ihre 56. Saison startet. Gleichwohl spricht Kind eine Befürchtung aus, die ein Großteil der Experten teilt. Das Prädikat Weltmeister-Liga ist seit dem Sommer passé. Den letzten internationalen Vereinstitel gewann (natürlich) der FC Bayern 2013 – das ist fünf Jahre her. Und dass die Münchner nun seit sechs Jahren stets das Eröffnungsspiel bestreiten, weil sie jeweils mit einem zweistelligen Punktevorsprung Meister geworden waren, entzieht der Liga an der Spitze jegliche Spannung.

Was das bedeutet? Die Bundesliga befindet sich in einem Abstiegskampf! International gesehen, weil die Vereine in England, Spanien und Italien deutlich mehr Mut zur Investition haben und sich mit den großen Namen besser vermarkten können. National betrachtet, weil der Kampf um die Meisterschaft faktisch seit Jahren keiner mehr ist. Und fußballerisch beurteilt, weil immer mehr Mannschaften den Fokus auf das Zerstören des gegnerischen Spiels legen, anstatt selbst die Courage zu haben, offensiv zu agieren.

Ok, die Stadien sind nach wie vor voll. Die Lust auf den Volkssport Nummer eins scheint ungebrochen. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich etwas ändern muss: Wer im Abstiegskampf steckt, braucht neue Ideen.

Playoffs am Saisonende werden diskutiert, aber verfälschen diese nicht die Leistungen eines ganzen Jahres? So bleibt neben einer konsequenten Talentförderung eigentlich nur die Abschaffung der 50+1-Regel, die es ausschließlich im deutschen Profifußball gibt und die den Einfluss externer Investoren auf einen Verein begrenzen soll. Traditionalisten wenden sich mit Grausen ab.

Aber: Wie sonst sollen teure Stars, die die Fans so gern sehen und die die Liga attraktiver machen, nach Deutschland kommen? 50+1 ist deswegen ein Modell aus der Vergangenheit. Um für den Wettbewerb der Zukunft gerüstet zu sein, muss die Bundesliga sich Investoren öffnen. Dann klappt’s auch mit dem Klassenerhalt.

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