Jerusalem Wenn es eine Sache gibt, von der ich etwas verstehe, dann wie die „Straße“ funktioniert. Insbesondere in deutschen Problembezirken, beziehungsweise Brennpunkten, in denen die sogenannte Parallelgesellschaft das Sagen hat. Es ist schwierig, als Außenstehender zu verstehen, was genau vor sich geht, in dieser anderen deutschen Realität. Andere Sprachen. Andere Sitten. Andere Werte. Das schreckt nicht wenige ab.

Autor dieses Textes ist Arye Sharuz Shalicar. Er ist ein deutsch-iranisch-israelischer Schriftsteller und Berater des israelischen Aussenministers. (Foto: privat)

Jedoch ist auch diese sogenannte Parallelgesellschaft nicht eine einzige. Es sind Dutzende, wenn nicht Hunderte verschiedene Gesellschaften, die alle ein unterschiedliches Verhältnis zu Deutschland, zur Demokratie und zu freiheitlichen Werten pflegen. Es sind in der Regel „nur“ die Extremisten, also der ganz äußere Rand, die ein wahres Integrationsproblem und auch oft Sicherheitsproblem darstellen. Die breite Masse will einfach nur ein anständiges Leben führen und dazugehören. Zu Deutschland. Auch wenn man Wert auf seine ursprüngliche Identität legt, will man Teil Deutschlands sein, Teil des Landes, in dem man oftmals Freiheit gefunden hat.

Doch häufig sitzen diese Menschen zwischen zwei Stühlen, denn kontra zu Integrationsbemühungen Deutschlands herrschen auf der Straße andere Spielregeln, die von einer kleinen Gruppe an aggressiven Rudelführern aufgestellt und täglich durchgesetzt werden. Solange Deutschland sich nicht mit diesem harten Kern auseinander setzt – und das ohne Konfrontation zu meiden – wird es nur den radikalen Kräften in den Moscheen, arabischen Clans oder kriminellen Gangs helfen, sich noch stärker zu positionieren und Zulauf zu gewinnen.

Im erweiterten Sinne würde ich die Situation vis-à-vis der Islamischen Republik Iran aus deutscher Sicht ähnlich bewerten. Denn auch in diesem Falle sollte Deutschland entscheiden, ob es für das Gemeinwohl der Menschen und die Integration des Iran in eine freie westliche Welt, bereit ist, sich „dreckig” zu machen, oder weiterhin die Radikalislamisten mit ihren kriminellen Machenschaften gewähren lässt. Das Ziel ist dabei eigentlich klar: Die Mullahs und die Islamischen Revolutionsgarden sollten so schnell wie möglich, im Inland wie in der gesamten Region des Nahen- und Mittleren Osten an Einfluss verlieren. Durch den wirtschaftlichen Druck, der derzeit von den Amerikanern ausgeübt wird, fließen schon jetzt weniger Gelder aus Teheran an die Hisbollah im Libanon, schiitische Söldnerheere in Syrien und Irak, die Hu­thies im Jemen und palästinensische Terrorgruppen im Gazastreifen.

Die Mullahs jedoch, genauso wie ein Mafia- oder arabischer Clan in Berlin oder eine islamistische Moscheegemeinde, werden nicht bereit sein, ihre Machtbasen aufzugeben. Sie befinden sich auf Kollisionskurs mit den USA. An der Seite der USA stehen jedoch immer mehr arabische Staaten, Israel und nicht wenige Europäer.

Wer jedoch schwimmt in die entgegengesetzte Richtung? Deutschland! Entgegengesetzt heißt in diesem Fall gegen den Westen, gegen Demokratie, gegen Menschenrechte, gegen Frauenrechte, gegen Schwulenrechte, gegen Meinungs-, Rede-, und Pressefreiheit, aber für Russland, für China, für schiitische Radikalislamisten.

Es geht nicht darum, was man vom US-Präsidenten hält, oder was Bush damals im Irak falsch gemacht hat. Es geht darum, dass der Nahe Osten auch für die innere Sicherheit Deutschlands stabiler gemacht werden sollte. Doch solange die Iraner expandieren, wird dies nicht möglich sein. Stattdessen werden weiter Muslime von Muslimen verfolgt, ermordet und werden es bestenfalls teilweise schaffen zu fliehen. Wohin? Nach Deutschland.

Die Bundesrepublik würde aus mehreren Gründen das absolut Richtige machen, wenn sie statt dem Mullah-Regime Glückwunschtelegramme und Besuche zu widmen, ihm ganz klar entgegentritt. Aus Gründen der Sicherheit, des westlichen Bündnisverständnisses und allem voran des eigenen Werteverständnisses und Gewissens.

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