Berlin Stephan Thomae (FDP) positioniert sich in der Debatte um das Kopftuchverbot für Grundschülerinnen klar und fordert ein solches Gesetz. Gegen ein Verbot ist Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime.

Pro: FDP-Abgeordneter Stephan Thomae

Stephan Thomae, Foto: dpa

Die Fraktion der Freien Demokraten respektiert das Recht auf freie Religionsausübung sowie das Recht der Eltern, ihre Kinder religiös zu erziehen.

Wenn aber Eltern bereits jungen Mädchen das Tragen eines Kopftuches in der Öffentlichkeit auferlegen, unterwerfen sie ihre Töchter schon im Kindesalter einem Frauenbild, das mit unseren Vorstellungen von der Menschenwürde und der Freiheit zur Persönlichkeitsentfaltung nicht in Einklang zu bringen ist. Wir müssen von den Muslimen in Deutschland erwarten können, dass sie unsere Werte und Persönlichkeitsrechte anerkennen. Das heißt nicht, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund komplett assimilieren und ihre Kultur aufgeben müssen. Wir respektieren die Religion und Kultur der Menschen, die Teil unserer Gesellschaft werden wollen.

Wenn Eltern aber schon von kleinen Mädchen das Tragen eines Kopftuches in der Öffentlichkeit verlangen, erschweren sie deren Integration in den Kreis der Spiel- und Schulkameraden ihrer Altersgruppe. Der Staat darf hier nicht untätig bleiben, sondern muss das Recht der Kinder auf freie Entfaltung verteidigen, auch wenn es dieses Recht gegen die eigenen Eltern zu verteidigen gilt. Mädchen mit Kopftuch werden zudem unfreiwillig sexualisiert.

Durch das Tragen von Kopftüchern werden jungen Mädchen bestimmte Verhaltensnormen aufgezwungen, die nicht altersgerecht sind. Deshalb muss auch ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren in der Öffentlichkeit eingehend geprüft werden.

Contra: Zentralrats-Vorsitzender Aiman Mazyek

Aiman Mazyek, Foto: dpa

Es sei „absurd, dass kleine Mädchen Kopftuch tragen, dass sehen die meisten Muslime auch“, sagt Annette Widmann-Mauz (CDU), die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Eben. (...) Absurd ist meines Erachtens also eher der Zeitpunkt der Debatte: Kurz vor dem Endspurt im Europawahlkampf und der Bürgerschaftswahl in Bremen wird versucht, eine reine Symboldebatte zu führen. Aus dem Koran lässt sich keine Handlungshandhabe für ein Kinder-Kopftuch ableiten. Das fatale Signal solcher Debatten: Ab- und Ausgrenzung von Musliminnen und Muslimen. Es geht leider nicht um Diversität unserer Gesellschaft auch in religiösen Fragen, und es geht auch nicht um das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Wer erwachsen ist und Kopftuch tragen will, der soll das auch tun. Worüber reden wir eigentlich, wenn es um Kinder geht? Es geht um Fälle im Promillebereich.

In solchem Fall sollen Schule und Eltern sich zusammensetzen, und gerne klären wir (ZMD) dann bei Bedarf auf, dass es kein Kopftuchgebot für Mädchen gibt. (...) Erst heißt es, wir wollen die muslimische Frau vom Herd in die Mitte der Gesellschaft holen, aber wehe, wenn sie Lehrerin, Richterin oder Polizistin werden will, lediglich als Putzfrau wird sie (noch) geduldet.

Andere Länder sind da viel weiter und gehen damit gelassener um. Unsere Verfassung garantiert das Recht, seine Religion frei auszuüben. Dazu gehört auch die freie Entscheidung einer muslimischen Frau ein Kopftuch zu tragen. Deswegen werden diese Verbote nie rechtlich Bestand haben. (...)

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