Von solch einem Spiel träumt jeder Verteidiger: Sebastian Langkamp gewann beim 4:0-Sieg gegen Augsburg 100 Prozent seiner Zweikämpfe. Sieben klärende Aktionen weist die Statistik zudem für den 31-Jährigen auf – der Topwert aller Werder-Spieler. Langkamp hatte sich schon vorher in die Startelf gekämpft, doch mit dem Augsburg-Spiel hat er sich dort endgültig als rechter Innenverteidiger festgebissen. Da wollte auch Trainer Florian Kohfeldt nicht widersprechen, wenngleich er eine eindeutige Aussage zum Konkurrenzkampf zwischen Langkamp und Milos Veljkovic vermied. "Ich will das noch nicht final sagen", erklärte Kohfeldt, "aber momentan bin ich mit Basti sehr zufrieden."

Zuvor hatte der Trainer immer betont, er entscheide von Woche zu Woche aufgrund der Trainingsleistungen zwischen den beiden Abwehrspielern. Das sagte er am Sonntag nicht mehr, also hat Langkamp sich den Platz an der Seite von Abwehrchef Niklas Moisander wohl vorerst gesichert. Nach der Winterpause fehlte er lediglich beim 1:1 gegen Nürnberg in der Startelf, und das lag auch an seiner Gehirnerschütterung. Ansonsten bot Langkamp zuverlässige Leistungen in der Defensive, doch nicht nur deswegen setzt Kohfeldt auf den Ex-Berliner. Für Langkamp sprechen auch die Erfahrung und die Führungsstärke. "Ich habe aktuell das Gefühl, dass Basti Langkamp der Mannschaft als Typ sehr guttut. Er gibt uns gerade einen gewissen Halt", betonte Kohfeldt.

Langkamp hat mehr als 170 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, das gibt Sicherheit. "Basti ruht in sich, hat schon ganz viel erlebt im Fußball. Er übernimmt viel Verantwortung für die Mannschaft", sagte Kohfeldt und fügte hinzu: "Er muss sich nicht nur auf sein Spiel konzentrieren, sondern kümmert sich um viele Dinge drumherum, auf dem Platz und in der Kabine." Zudem widerspreche Langkamp durchaus auch mal seinem Trainer, und das nervt Kohfeldt nicht etwa, er findet es gut. Der erfahrene Verteidiger ist also ein echter Führungsspieler. Nicht umsonst gehört er bereits dem Mannschaftsrat an, obwohl er erst seit rund einem Jahr für Werder spielt.

Kohfeldt macht Veljkovic Mut

Was Kohfeldt aber ganz wichtig war: Sein großes Lob für Langkamp sollte dessen Konkurrenten Veljkovic nicht abwerten. "Das ist keine Entscheidung gegen Milos. Er ist alles andere als außen vor", unterstrich Kohfeldt. "Er geht sehr gut mit der Situation um und trainiert gut." Bis er sich in der Schlussphase der Hinrunde einen Muskelfaserriss zugezogen hatte, war Veljkovic in der Innenverteidigung gesetzt gewesen. Dann nutzte Langkamp seine Chance. "Da muss Milos jetzt durch", sagte Kohfeldt.

Noch vor der WM-Teilnahme mit Serbien im vergangenen Sommer hatte Veljkovic seinen Vertrag bei Werder bis 2022 verlängert. Der 23-Jährige gilt als große Hoffnung für die Zukunft, und daran habe sich auch nichts geändert, versicherte Kohfeldt. "Milos wird in den kommenden Jahren aufgrund seines Alters und seines Potenzial zu mehr Leistungen fähig sein als Basti. Basti sieht zwar sehr jung und bubenhaft aus, aber das ist er nicht mehr." 

Kohfeldt betonte, dass er weiterhin überzeugt sei von Veljkovics Potenzial. "Er wird sich dauerhaft durchsetzen." Und auch kurzfristig gibt es Hoffnung für den Serben. "Milos wird noch sehr viele Spiele machen in diesem Jahr. Er ist auch auf anderen Positionen in der Verteidigung einsetzbar", sagte Kohfeldt. Das klingt aufbauend für Veljkovic, heißt aber auch: An Langkamp kommt er vorerst nicht vorbei, er muss auf einen Systemwechsel in der Abwehr oder auf Ausfälle hoffen, um wieder von Anfang an zu spielen.

Wer war euer "Man of the Match" gegen Augsburg?

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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