JokA, mit eurem Song „Mein Herz schlägt“ zum 120. Werder-Geburtstag haben MontanaMax, Shiml und du für reichlich Aufsehen gesorgt. Viele haben gesagt: Endlich gibt es einen echten Werder-Rapsong. Warum hat nicht schon früher jemand solch ein Lied aufgenommen?

JokA: Wahrscheinlich muss erst einmal jemand den Motor anschmeißen. Jan Delay hat ja dann keinen Raptrack über Werder gemacht. Und jetzt gibt es zum Glück nicht nur unseren Song. Auch „Jonny Otten“ von Flo Mega ist ein Brett. Wenn Jan Delay über Werder einen Song veröffentlicht hätte wie „Ahnma“ mit den Beginnern, also eine Rapnummer mit einer Hit-Hook, hätten wir diese Werder-Raplieder vielleicht nicht gemacht. Dann wären alle mit Jans Nummer happy gewesen.

Jan Delay hat stattdessen eine Werder-Ballade geschrieben. Wie gefällt dir sein Song „Grün-weiße Liebe“?

Ich finde den supergeil. Jan ist ein alter Homie von mir. Ich war beim Splash-Festival 2011 dabei, als er sich ein Werder-Tattoo auf die Wade stechen ließ. Wir kennen uns also schon länger. Das einzige Problem dabei war: Da ist ein Werder-Song, und der kommt von einem Hamburger. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen.

Also habt ihr als Bremer „Mein Herz schlägt“ aufgenommen. Robert Bauer, der gerade von Werder an den 1. FC Nürnberg verliehen ist, hat den Song bei Instagram sehr gelobt. Gab es noch weitere Reaktionen aus der Mannschaft?

Robert Bauer und Izet Hajrovic waren meine Homies von Werder. Florian Kainz hat den Song auch kommentiert. Ansonsten kam gar nichts von den aktuellen Spielern. Man kennt sich schon. Man grüßt sich auch. Deswegen denke ich mir jetzt: Was ist los mit euch? Gefällt er euch nicht?

Die Werder-Fans haben den Song dafür gut angenommen, oder?

Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Viele haben sich sogar dafür bedankt. Man glaubt gar nicht, wie viele Menschen in der Gesellschaft Rapfans sind. Traut euch einfach, denen Rap zu geben. Dann freuen die sich. Bei Heinz Rudolf Kunze bedanken sich wahrscheinlich auch viele für seinen Werder-Song, dann eher per Brief (lacht). Ich finde es einfach gut, wenn es Anlässe gibt, zu denen Musik entstehen kann. Da haben alle was davon.

Der Anlass war nun Werders 120. Geburtstag. Euer Lied ist auf dem Sampler „Lauter Werder“ enthalten und du bist auch beim Konzert am 7. Februar aufgetreten. Wie war das?

Es war irgendwie skurril, denn es war ein ganz anderes Publikum als sonst bei meinen Konzerten. Aber es war ganz geil gemacht. Wir haben eine neue Location in Bremen eingeweiht, mit Werder zusammen, das ist natürlich immer geil. Das waren alles nette Menschen. Ich fand auch das Werder-Team war sehr familiär. Schon bei der Planung hat man gemerkt, dass es eine richtige Familie ist.

MontanaMax und Shiml konnten nicht zum Konzert kommen. Du musstest den Song also alleine vortragen. Wie hat das funktioniert?

Ich habe meinen Part gerappt, den Part von Max habe ich noch gerappt und den von Shiml habe ich nicht mehr gerappt. Den kriege ich nicht so hin wie er, der liegt mir nicht so. Und der Max-Part hat so schöne Bilder, den wollte ich unbedingt bringen.

War es schwierig, für den Song die Kombination mit Shiml und MontanaMax hinzubekommen?

Nein, das war gar nicht schwer. Wir sind alle Bremer, kennen uns seit 20 Jahren, treffen uns auch immer an Weihnachten in einer größeren Gruppe. Bremen Next (der Radiosender, für den JokA arbeitet, Anm. d. Red.) war die treibende Kraft, um das alles in Gang zu bringen. Die haben auch abgeklärt, dass wir auf der Werder-Platte sind.

MontanaMax rappt eigentlich gar nicht mehr. War es nicht knifflig, ihn zu einem Comeback zu überreden?

Ja, doch. Er hat sich ein bisschen gesträubt, weil er einfach nicht mehr rappen wollte. Aber für die Sache fand er es dann doch geil. Er wollte jetzt auch nicht bei dem Auftritt mitmachen. Für ihn hätte schon der Song gereicht, nur beim Videodreh war er noch dabei, weil er nicht der Miesepeter sein wollte. Im Nachhinein ist er aber natürlich froh und stolz, weil das Ding so abgegangen ist und in unseren Augen so ein starker Song geworden ist.

Wie lange habt ihr für den Track gebraucht? Habt ihr ihn zusammen aufgenommen?

Wir haben uns die Sachen zugeschickt, wie man das 2019 so macht. Ich war auch nicht dabei, als der Beat gemacht wurde. Ich kam ins Studio, als die Idee stand und habe dann angefangen, auf den Beat zu schreiben. Mit dem Beat waren wir alle direkt happy. Und dann haben die anderen beiden ihre Parts gemacht. Ich war relativ schnell mit meiner Version zufrieden, habe noch ein, zwei Sachen geändert. Die anderen haben immer wieder neue Sachen gemacht, und auf einmal war der Song fertig. Das war ein Prozess.

Wie ist die Hookline entstanden?

Bei der Hookline hatten wir Glück. Der Bruder vom Beatmaker Orbit hatte die schon gemacht. Max hat die Hook dann gesungen. Die Idee und die Worte sind aber nicht von ihm.

Im Weserstadion wurde „Mein Herz schlägt“ schon gespielt. Was war das für ein Gefühl?

Gegen Frankfurt lief der Song auf der Leinwand. Ich war mit meiner Mama und meiner Nichte im Stadion. Da haben wir uns natürlich gefreut. Ich hoffe, dass er noch öfter läuft und dass die Leute ihn irgendwann mitsingen können. Auf dem Werder-Konzert konnten sie zumindest die Hook schon auswendig. Die Kunst ist jetzt, dass sich der Song lange im Stadion hält und nicht nur dreimal läuft, sondern zehn Jahre im Programm bleibt.

Wie oft bist du im Weserstadion?

Ich bin Stadiongänger und hatte schon fast überall eine Dauerkarte. Die besten Plätze waren in der Ostkurve im Oberrang, Reihe eins. Wenn ich kann, gehe ich hin. Aber ich bin ehrlich: Wenn wir im tiefsten Winter bei Dreckswetter gegen Mainz spielen, dann bleibe ich auch mal zu Hause. Im Alter von 15 bis 28 war ich immer im Stadion, wenn ich keinen Auftritt hatte. In den letzten zwei, drei Jahren bleibe ich auch mal zu Hause. Ich bin schließlich gerade Vater geworden.

Seit wann bist du Werder-Fan?

Seit ich zehn Jahre alt bin, schätze ich. Als Kind war ich mal Dortmund-Fan. Die gelben Trikots fand ich geil. Irgendwann hat mein Vater aber gesagt: Da stimmt was nicht. Dann sind wir mal ins Weserstadion gegangen. Mein erstes Spiel war gegen Rostock, und wir haben mit 0:2 verloren. Aber alle haben gesungen und getrommelt. Das fand ich krass, und dann wurde ich Werder-Fan.

Was macht Werder denn für dich so besonders?

Claudio Pizarro.

Welche Spieler magst du noch?

Ich bin Pizarro-Fan de luxe. Außerdem bin ich Rashica-Fan von Tag eins an. Ihm gönne ich es einfach. Moisander mag ich auch sehr. Ich mag einfach Leute, die sich den Arsch aufreißen.

Was hältst du von Trainer Florian Kohfeldt?

Florian Kohfeldt ist ein geiler Typ. Und sein Co-Trainer Thomas Horsch ist ein alter Trainer des VfL 07 aus Bremen-Findorff. Er macht Kohfeldt zum effektivsten Trainer der Welt. Ich komme aus Findorff, und Horsch ist auch ein Findorffer Junge. Der besorgt den Leuten im Café hier und da noch ein Ticket, bringt mal ein Trikot mit. Ein geiler Macker! Kohfeldt und Horsch sind echte Bremer, gute Jungs.

Du hast eben schon Izet Hajrovic angesprochen, der mal mit dir gerappt hat. Mit welchem aktuellen Werder-Profi würdest du gerne einen Song aufnehmen?

Ich hatte mal eine Radio-Session mit Izet Hajrovic. Das war ein Traum. Er hat wie eine Maschine gerappt. Ich glaube aber auch, man könnte mit Pavlenka einen miesen Doubletime-Part abreißen. Er ist dazu als Einziger von Werder in der Lage. Ich fordere hiermit Pavlenka heraus zum Doubletime-Rapbattle.

Mesut Özil hat zu seiner Zeit als Werder-Profi auch mal gerappt. Sein Trikot hältst du im Video zu „Mein Herz schlägt“ hoch. War er ein Lieblingsspieler von dir?

Özil fand jeder gut. Ich finde ihn auch immer noch gut. Sein Trikot hochzuhalten war außerdem ein Statement. Das kam ein bisschen spät, aber egal.

Du spielst auf seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. Özil fühlte sich nach der Affäre um seine Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vom DFB nicht vor rassistischen Anschuldigungen geschützt und löste damit eine gesellschaftliche Debatte über Integration aus. Wie stehst du dazu?

Ich interessiere mich weder für Angela Merkel noch für Erdogan oder irgendwelche anderen politischen Oberhäupter. Wenn mich Erdogan oder Merkel eingeladen hätte, hätte ich auch ein Foto gemacht, genau wie Özil. Haltet mal alle den Ball flach und macht euch nicht so einen Kopf. Özil ist ein ganz normaler Junge, der halt Fußball spielt. Seinetwegen haben wir nicht die WM verloren, das war alles wegen Manuel Neuer. (lacht)

Im Musikvideo von „Mein Herz schlägt“ ist nicht nur ein Özil-Trikot zu sehen, sondern auch einige Werder-Ultras machen mit. Wie kam das zustande?

Erst durch die Gesänge der Ultras steigt in der Menge der Puls an. So rappe ich es ja. Wenn die Ultras nicht da wären, würde dort keiner singen. Ich kenne viele von denen aus der Schule. Das sind Jungs in meinem Alter, teilweise auch jünger. Die Ultras gehören zum Fußball und zu Werder. Der Verein ist mit keiner Fangruppierung stärker im Austausch als mit den Ultras. Schaut euch mal die Choreo an, die die beim Jubiläumsspiel gegen Augsburg auf die Beine gestellt haben. Und trotzdem hat das immer so einen faden Beigeschmack, das ist genauso wie bei Rapmusik. Deshalb sind wir Straßen-Sympathisanten.

In Verbindung mit den Ultras ist auch Pyrotechnik immer wieder ein Thema. Am Ende eures Videos leuchtet im Hintergrund ein bengalisches Feuer. Wie stehst du zu Pyrotechnik beim Fußball?

Pyrotechnik gehört für mich nicht ins Stadion, aber Pyrotechnik gehört ganz klar zur Fankultur. Hätten sie beim Fanmarsch vor dem Augsburg-Spiel außerhalb des Stadions ganz hinten Pyrotechnik gezündet, wie geil hätte das ausgesehen? Und gefährlich wäre es nicht gewesen. Im Stadion muss es nicht sein, wenn da ein Kind neben dir steht und den ganzen Rauch abbekommt. Aber mal ehrlich: Wir haben uns doch alle gefreut, als wir damals Hamburg auseinander genommen haben und im Fanblock plötzlich so ein grüner Rauchkegel aufgestiegen ist.

Zum Abschluss wollen wir noch eine Prognose von dir haben: Was ist für Werder in dieser Saison drin?

Ich glaube, dass wir Europa am letzten oder vorletzten Spieltag verpassen. Die Mannschaften vor uns sind individuell noch ein bisschen krasser. Aber wir freuen uns doch alle, dass es nicht mehr so ist wie in den letzten fünf Jahren. Das ist das Wichtigste. Wenn wir Platz acht schaffen, können wir uns alle auf die Schultern klopfen. Dazu wäre das DFB-Pokalfinale ein Traum.

Zur Person

JokA (33) ist ein Rapper aus Bremen. Mit bürgerlichem Namen heißt er Jochen Burchard. 2008 brachte er sein Debütalbum „Gehirnwäsche“ heraus, 2010 folgte „JokAmusic“. Sein bislang letztes Album „Augenzeuge“ von 2015 schaffte es auf Platz 22 der deutschen Charts.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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