Wer sich schon einmal gefragt hat, ob Fußball-Profis überhaupt richtig wahrnehmen, was auf den Rängen passiert, der musste am Sonntagabend nur Maximilian Eggestein zuhören. Vor und während des 4:0-Sieges der Bremer gegen Augsburg hatten sich die Werder-Fans mächtig ins Zeug gelegt anlässlich des 120. Vereinsgeburtstags. Rund 1000 Anhänger marschierten gemeinsam zum Weserstadion. In der Ostkurve gab es dann eindrucksvolle Choreografien zu sehen, unter anderem wurde das Vereinswappen im Wandel der Zeit dargestellt. Eggestein und seine Teamkollegen schauten dabei ganz genau hin. „Ich habe allein drei verschiedene Choreografien wahrgenommen. Es war Wahnsinn, was die Fans geleistet haben“, schwärmte der Mittelfeldspieler.

Bei aller Professionalität: Den Werder-Spielern war sehr wohl bewusst, dass sie in der Verantwortung standen. Schon mit dem grandiosen Pokalerfolg in Dortmund hatten sie die Geburtstagswoche zu etwas Besonderem gemacht, doch eine Heimniederlage gegen Augsburg hätte der große Stimmungskiller werden können. „Der Trainer hat uns auch noch einmal auf die Bedeutung des Spiel hingewiesen – sowohl für die Tabelle als auch für die Fans“, erzählte Eggestein.

Und die Spieler hatten ihn ganz offensichtlich richtig verstanden. Nicht einmal fünf Minuten dauerte es, dann konterten die Bremer schulbuchmäßig über Niklas Moisander, Max Kruse, und Davy Klaassen. Milot Rashica vollstreckte eiskalt. Dieser Treffer war gleich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen war Werder in der laufenden Saison nach Kontern nur selten gefährlich gewesen, doch nun konterten die Bremer plötzlich als gäbe es nichts Leichteres. Zum anderen vollstreckte Rashica im Stile eines Klassestürmers. Ja, genau der Rashica, der kurz vor der Winterpause die Großchancen reihenweise vergeben hatte.

Lob vom Trainer

„Wir wussten, dass der Konter ein entscheidendes Element werden würde, weil die Augsburger sehr hoch pressen“, schilderte Trainer Florian Kohfeldt. Er hatte seiner Mannschaft also verdeutlicht, dass schnelle Gegenangriffe gefragt waren und daher auch den schnellen Rashica in die Sturmspitze beordert. Dass die Bremer diese Angriffe dann aber so stark ausspielten, kam überraschend und war schwer zu erklären. Auch Kohfeldt wusste nicht genau, woran es lag. „Wir hatten diese Kontersituationen bisher nicht so häufig. Das lag auch daran, dass wir es nicht immer gut gespielt haben. Dieses Mal haben wir es aber richtig gut gemacht“, sagte der Trainer nur.

Dass die Chancen plötzlich genutzt wurden, war ähnlich schwer zu erklären. Fünf Schüsse aufs Tor reichten den Bremern gegen Augsburg für vier Treffer. „Wir haben immer betont, dass man das trainieren kann“, sagte Kohfeldt, der nun in diesem Punkt bestätigt wurde. In der ersten Hälfte waren die Bremer den Augsburgern nicht haushoch überlegen, sie machten aber aus vier guten Möglichkeiten drei Treffer.

Bei Werder gibt es eine Gruppe aus mehreren Offensivspielern, die regelmäßig Sonderschichten schiebt und am Abschluss feilt. Dazu gehört Johannes Eggestein, der nach einem Freistoß von Ludwig Augustinsson eiskalt zum 2:0 einschoss (27.). „Wir üben, vor dem Tor einen klaren Plan zu haben. Man muss sich genau überlegen, wo man hinschießt, damit es einen klaren Abschluss gibt“, verdeutlichte Johannes Eggestein. Dass diese Arbeit fruchtet, zeigte sich am eindrucksvollsten an Rashica. In der 28. Minute ließ er seinen Gegenspieler Reece Oxford einfach stehen und schlenzte den Ball herrlich zum 3:0 ins Netz.

Rashica gibt Entwarnung

Ein Traumtor, doch Rashica betrachtete seine zwei Treffer nüchtern. „Es ist einfach so: Mal gehen die Bälle nicht rein, mal trifft man“, sagte der Flügelstürmer. Mitspieler Maximilian Eggestein lobte Rashica derweil für dessen „starke Torquote“ nach der Winterpause. „Die ganze Mannschaft ist in einem Entwicklungsprozess, was die Chancenverwertung angeht“, sagte Eggestein. „Das sieht man auch bei Milot. Hätte er noch länger gespielt, hätte er sicher noch mehr Tore gemacht.“ Unter dem Jubel der rund 40.000 Zuschauer musste der Doppeltorschütze allerdings schon in der 36. Minute mit Rückenproblemen vom Feld. „Es ist nichts Schlimmes. In ein paar Tagen sollte ich wieder fit sein“, gab Rashica Entwarnung. Für den Kosovaren kam Kevin Möhwald in die Partie, der ebenfalls eine starke Leistung bot und mit einem Flachschuss für den 4:0-Endstand sorgte (83.). „Ich weiß nicht, woher meine Schussstärke kommt. Vielleicht von dem guten Essen früher bei Mutti“, scherzte der Mittelfeldspieler.

Vor Möhwalds Treffer war in der zweiten Hälfte recht wenig passiert. Man könnte auch sagen: Werder verwaltete den Vorsprung geschickt. „Das war nach dem Seitenwechsel die cleverste Leistung, die ich bisher von uns gesehen habe. Ich bin richtig stolz auf die Jungs“, unterstrich Kohfeldt. Clever, effizient, konterstark, dazu ein Tor nach einer Standardsituation – Werder war am Sonntag kaum wiederzuerkennen und bewies, dass man sich auch mit 120 Jahren noch einmal neu erfinden kann.

Somit stehen am Ende der Geburtstagswoche ein sensationeller Pokalerfolg in Dortmund und der bislang höchste Sieg in dieser Bundesliga-Saison zu Buche. „Es war eine rundum gelungene Woche“, bilanzierte Sportchef Frank Baumann zufrieden. Da wollte ihm sicher niemand widersprechen.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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