Bremen Florian Kohfeldt hatte auf der Pressekonferenz zugegeben: Am 1:2 im Hinspiel gegen den VfB Stuttgart hatte er länger zu knabbern, als nach Niederlagen üblich. Ende September war Werder erstmals als Verlierer vom Platz gegangen, Milos Veljkovic hatte Gelb-Rot gesehen, aber in der ersten Saisonhälfte präsentierte sich Kohfeldts Mannschaft spielerisch nur selten besser. Und das Eigentor des VfB-Keepers Ron-Robert Zieler zum zwischenzeitlichen 1:1, nach einem Einwurf der eigenen Mannschaft, sorgte dafür, dass die Partie ohnehin unvergessen bleiben wird.

Den Beweis, die Leistung wiederholen und Stuttgart diesmal schlagen zu können, wollte Werder schon gerne antreten. „Freitag, Flutlicht – könnte ein schöner Abend werden“, hatte Kohfeldt die Magie des Weserstadions und ein ansehnliches Spiel heraufbeschworen. Doch die Wünsche gingen nur begrenzt in Erfüllung: Werder behielt mit einem 1:1 lediglich einen Punkt in Bremen. Davy Klaassen erzielte kurz vor dem Pausenpfiff den Ausgleich. Zumindest bis Sonnabend, wenn Hertha BSC beim FC Bayern spielt, springen die Bremer damit auf einen einstelligen Tabellenplatz. Im Vergleich zur Hinrundenausbeute sind sie in der Rückrunde aber einen Punkt im Minus.

Bereits nach 61 Sekunden waren die Gastgeber einem 0:1 hinterhergelaufen. Ein langer Ball von Andreas Beck, verlängert von Mario Gomez, und ein guter Lauf von Steven Zuber reichten, um die komplette Bremer Hintermannschaft ins Leere zu lenken. Frei vor Jiri Pavlenka blieb Zuber ganz cool und guckte den Keeper aus – es war Stuttgarts erstes Saisontor in der Anfangsviertelstunde. Bevor Werder sich so richtig ins Spiel eingeschaltet hatte, wäre beinahe das zweite Gegentor gefallen. Gomez nutzte in der neunten Minute ein Missverständnis im Mittelfeld und konnte alleine aufs Tor zulaufen. Pavlenka parierte diesmal.

Sargent blass beim Startelf-Debüt

Die Gäste begannen bissig, doch Bremen präsentierte sich gleichzeitig so von der Rolle, dass nur unklar war, ob behäbig, pomadig oder läppisch als Attribut besser passte. Nach einer knappen Viertelstunde zirkulierte der Ball zum ersten Mal flüssig – und gleich spielte Werder eine gute Chance heraus. Milot Rashicas Flachschuss ging rechts vorbei. Der 22-Jährige bildete gemeinsam mit Startelf-Debütant Josh Sargent den Doppelsturm.

Der zweite Neue bei Werder hieß Nuri Sahin, der anstelle des angeschlagenen Philipp Bargfrede auf der Sechs begann. Nach einem Zweikampf mit Andreas Beck hätte Max Kruse gerne einen Elfmeter bekommen. Zwar hatte der Stuttgarter gezogen, aber nur an der Grenze zur Illegalität. Die Rücksprache von Schiedsrichter Robert Hartmann mit dem Video-Assistenten-Keller in Köln ging schnell über die Bühne.

In der 27. Minute setzte wieder mal Zuber, den Werder nicht richtig in den Griff bekam, einen Versuch ab. Kurz darauf antwortete Rashica mit der bis dahin besten Bremer Chance des Spiels: Zunächst wurde Maximilian Eggesteins Schuss im Strafraum abgeblockt, danach zog Rashica etwas zu hastig ab, so dass der Ball noch über das Tor gelenkt wurde. Allerdings überzeugte der Kosovare mit seinem Tatendrang. Unterdessen war Sargent, am Mittwoch 19 Jahre alt geworden, noch überhaupt nicht drin in der Partie. Es lag schon nach einer halben Stunde Pizarro-Potenzial in der Luft.

Klaassen rettet die erste Hälfte

Was vorne nicht funktionierte bei Werder, ging oftmals im wahrsten Sinne nach hinten los. Kruse verschlief im Kombinationsspiel einen Direktpass, schon ging beim VfB die Post ab, der besonders Sahins Geschwindigkeitsdefizite ausnutzte. Innenverteidiger Ozan Kabak marschierte bis zum Strafraum und bediente Gomez, der Pavlenka anschoss. Doch im Gegenzug gelang Werder tatsächlich die Rettung einer trotz 76 Prozent Ballbesitz weitgehend verkorksten Hälfte: Kruse fädelte den Angriff ein und leitete 25 Meter vor dem Tor letztlich den Ball weiter zu Davy Klaassen. Der Niederländer, noch ein Geburtstagskind dieser Woche, drehte sich geschickt um Gegenspieler Gonzalo Castro herum und schloss in einer flüssigen Bewegung ab. Klaassens Rechtsschuss schlug links im Tor ein.

Claudio Pizarro kam zur zweiten Halbzeit noch nicht, dafür Christian Gentner für Marc-Oliver Kempf beim VfB, der auf eine Viererkette umstellte. Ein theoretischer Problemfall für Werder blieb Mario Gomez – wenn der Angreifer nicht so einen gebrauchten Abend erwischt hätte. Bei seiner ersten Möglichkeit stand er mit dem Knie im Abseits, bei der zweiten ging er nicht entschlossen genug zum Kopfball. Nach einer knappen Stunde machte der 33-Jährige Platz für Anastasios Donis, der im Hinspiel getroffen hatte. Werder wartete noch auf die erste gute Chance nach dem Seitenwechsel, was auch ein Grund war, warum Kohfeldt in der 61. Minute Pizarro für den nahezu unsichtbaren Sargent brachte.

Chancen nach Eckbällen

Der Altersschnitt der Gastgeber stieg mit dem Wechsel mal eben um zwei Jahre, sonst änderte sich zunächst wenig. Beide Mannschaften hatten noch keinen Schuss aufs gegnerische Tor abgegeben, als die Hälfte der zweiten Hälfte rum war. Diese Statistik änderte Sahin in der 71. Minute mit seiner letzten Aktion des Spiels, seinem 111. Ballkontakt: Doch Zieler parierte den Versuch gegen die Laufrichtung. Johannes Eggestein löste dann Sahin ab.

Immerhin war Werder dem Siegtreffer zu Beginn der Schlussphase näher als der VfB. Zunächst trat Pizarro bei Eckbällen zweimal gefährlich in Erscheinung, dann kam Theodor Gebre Selassie dem 2:1 mit seinem Kopfball ganz nah. Aber Zieler packte die beste Parade des Spiels aus gegen den Tschechen.

In den letzten Minute durfte Kevin Möhwald anstelle von Klaassen versuchen, Werder noch auf die Siegerstraße zu bringen. Doch diesmal ging der Abend ohne Last-Minute-Tor zu Ende.

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Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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