Bremen Stefanos Kapino war ein paar Minuten zu früh dran. Also stand er am Sonntagmittag etwas verloren im Medienraum des Weserstadions. Die Journalisten waren schon da, doch der Moderator der Gesprächsrunde fehlte noch. Nach der langen Zeit im Hintergrund steht Kapino momentan erstmals richtig im Fokus des Interesses, da wollte er anscheinend nicht zu spät kommen zum Pressetermin. Schließlich war schon sein Debüt für Werder sehr spät gekommen, denn eine langwierige Sehnenverletzung im Oberschenkel hatte ihn schon kurz nach seinem Wechsel im vergangenen Sommer außer Gefecht gesetzt. Am Sonnabend beim 2:1-Erfolg gegen Freiburg durfte der 25-Jährige dann endlich zum ersten Mal zwischen die Pfosten.

Am Tag nach der Partie war der Grieche bester Laune. „Mein erstes Spiel für Werder war eine gute Erfahrung. Ich war bereit, und wir haben einen wichtigen Sieg eingefahren. Die Atmosphäre im Weserstadion war beeindruckend“, sagte Kapino. Es war für ihn zunächst nur ein weiteres Spiel auf der Ersatzbank gewesen, doch dann stieß Werders Stammkeeper Jiri Pavlenka in der 35. Minute mit Teamkollege Theodor Gebre Selassie zusammen und verletzte sich am Oberschenkel. „Ich hatte nicht viel Zeit, nachzudenken. In solch einem Moment musst du einfach da sein“, schilderte Kapino die Minuten vor seinem Einsatz.

Lob von Kohfeldt

Während der Halbzeitpause machte er sich intensiv warm, dann wurde es ernst, und auf Werders Nummer zwei war Verlass. Kapino spielte fehlerfrei, parierte einen Schuss von Florian Niederlachner beim Stand von 0:0 stark. „In der Situation hat er uns gerettet“, betonte Trainer Florian Kohfeldt später. Auch in der Nachspielzeit zeigte Kapino eine gute Parade bei einem Gewaltschuss von Janik Haberer, war aber beim Nachschuss von Luca Waldschmidt zum 1:2 machtlos. Es war wohl dieses Gegentor, das den Torwart sagen ließ: „Meine Leistung war okay nach so einer langen Pause. Es waren gute Sachen dabei, aber auch Sachen, die ich verbessern kann. Ich kann noch besser spielen.“

Letztmals in einem Pflichtspiel im Tor gestanden hatte Kapino vor fast einem Jahr: Am 6. Mai 2018 bei der 2:3-Niederlage seines Ex-Klubs Nottingham Forest gegen die Bolton Wanderers in der zweiten englischen Liga. Diese lange Zeit ohne Spielpraxis war ihm aber überhaupt nicht anzumerken. Kapino strahlte gegen Freiburg viel Sicherheit aus. Für Kohfeldt war das keine Überraschung. „Er ist ein kompletter Torhüter“, betonte der Coach. „Und er war eines der größten Torwart-Talente Europas.“ Im Alter von 17 Jahren, sieben Monaten und 28 Tagen feierte Kapino im Jahr 2011 sein Debüt in der griechischen Nationalmannschaft. Damit ist er immer noch der jüngste Nationalspieler seines Landes.

Pavlenka wird untersucht

Es gebe genug Klubs, bei denen Kapino wahrscheinlich die Nummer eins wäre, sagte Kohfeldt. Bei Werder jedoch hat der Grieche mit Jiri Pavlenka einen absoluten Toptorwart vor sich. Und die Nummer eins wird voraussichtlich auch rechtzeitig zu den Duellen gegen den FC Bayern in der Liga am kommenden Sonnabend und im Pokal am 24. April fit. Kohfeldt hatte am Sonntag noch einmal mit den Physiotherapeuten gesprochen und betonte anschließend erneut, dass er mit einem Einsatz Pavlenkas rechne. Im Oberschenkel des Stammtorwarts sei wohl nichts gerissen. Zur Sicherheit lasse sich Pavlenka aber noch einmal im Krankenhaus untersuchen, sagte Kohfeldt.

Für Kapino ist in jedem Fall klar: „Pavlas wird bis zu den Spielen gegen die Bayern fit sein.“ Sollte es allerdings anders kommen, „dann wäre ich da. Das sind große Spiele. Und in großen Spielen sind wir besonders gut“, unterstrich der Torwart. Selbstverständlich würde Kapino gerne gegen die Bayern zum Einsatz kommen. Sollte er aber doch zurück auf die Bank müssen, würde er auch dann ganz sicher keine schlechte Stimmung verbreiten. Kapino gilt mannschaftsintern als Spaßvogel. Gerne misst er sich etwa mit Trainer Kohfeldt in diversen Sportarten wie Tischtennis oder Basketball. „Und meistens gewinne ich“, sagte der Torwart lachend. Kohfeldt hatte diese Geschichte am Vortag etwas anders erzählt und betont: „Er verliert fast immer gegen mich.“

In dieser Hinsicht steht also Aussage gegen Aussage. Eindeutig zu erkenne ist aber, dass sich Kapino in Bremen wohlfühlt. „Ich habe tolle Teamkollegen, und der Trainer gibt mir Vertrauen“, sagte der Torwart. An einen Wechsel im Sommer denkt Kapino daher nach eigener Aussage auch nicht, selbst wenn Pavlenka bleibt und ihm eine weitere Saison als Nummer zwei bevorsteht. „Mein Ziel ist es zu spielen, aber ich will mich auch weiterentwickeln. In Bremen lerne ich jeden Tag etwas. Unser Torwart-Trainer Christian Vander ist sehr wichtig für mich“, sagte Kapino. „Ich weiß nicht, was passieren wird, aber ich habe vor, in Bremen zu bleiben.“

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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