Cuxhaven Die Seenotretter haben 2016 in Nord- und Ostsee mehr Menschen in gefährlichen Situationen helfen müssen als im Jahr zuvor. 677 Menschen wurden aus akuter Seenot gerettet oder aus einer drohenden Gefahr befreit. Das teilte die neue Botschafterin der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Fernseh-Moderatorin Heike Götz, am Dienstag in Cuxhaven mit. Damit steigt die Zahl im Vergleich zu 2015 um 139, damals mussten 538 Menschen gerettet oder befreit werden.

Zahlen-Details

Die Seenotretter retteten 2016 insgesamt 56 Menschen aus Seenot, 621 Menschen aus drohender Gefahr und 368 Mal erkrankte oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln oder Halligen. Sie wurden zum Festland transportiert.

47 Schiffe und Boote wurden vor dem Totalverlust bewahrt, 1003 Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge aller Art erbracht sowie 501 Einsatzanläufe und Sicherungsfahrten absolviert.

Drei Erdumrundungen legten alleine die 20 Seenotkreuzer der DGzRS 2016 zurück – das entspricht 71 986 Seemeilen, beziehungsweise circa 133 318 Kilometer in Nord- und Ostsee. Die 39 Seenotrettungsboote wurden dabei nicht miteingerechnet.

„56 von ihnen wären nicht mehr unter uns, wenn sie nicht gerettet worden wären“, sagte Götz zu den 677 Geretteten aus dem Jahr 2016.

Insgesamt fuhren die Helfer zu 2019 Einsätzen raus. Damit sei das Niveau in den vergangenen Jahren gleich hoch geblieben, sagte DGzRS-Sprecher Christian Stipeldey. 2015 seien es 2091 Einsätze gewesen.

Kitesurfer gerettet

Auch vor der niedersächsischen Küste blieb die Zahl der Einsätze weitestgehend stabil – 2016 fuhren die Seenotretter zu 600 Einsätzen raus, 2015 waren es 582 Einsätze. Zwei Menschen mussten 2016 aus Seenot gerettet werden, vier Personen waren es 2015. Die Zahl der Menschen, die an der niedersächsischen Küste aus Gefahrensituationen gerettet werden mussten, ist 2016 um 90 angestiegen – 150 Menschen benötigten die Hilfe aus der Gefahrensituation. 2015 waren es nur 60 Personen.

Etwa die Hälfte der insgesamt 2019 Einsätze galt Wassersportlern. Leichtsinniger als früher seien die Freizeitsportler aber nicht. „,Luftmatratzenkapitäne‘ waren in den 1980er Jahren ein großes Problem“, betonte Stipeldey.

Gerettet wurde auch ein Kitesurfer, der im Oktober in der Nordsee vor Schillig , in Not geraten war. Zunächst waren die Retter von drei Kitesurfer ausgegangen. Bis das Boot Baltrum der Station Horumersiel nach wenigen Minuten die Surfer erreicht hatten, hatte es zwei aus eigener Kraft geschafft, das Ufer zu erreichen.

Die Seenotretter nahmen den dritten Mann, einen Urlauber aus Stuttgart, an Bord und brachten ihn an Land. Kräftiger Wind und starker ablaufender Gezeitenstrom hatten ihn in Schwierigkeiten gebracht, und er hatte zunächst sein Board verloren. Nachdem ein anderer Surfer es ihm zurückgebracht hatte, war es dem Surfer jedoch nicht wieder gelungen, seinen Kite zu starten, und er war immer weiter Richtung offene See getrieben.

An Bord des Seenotrettungsbootes konnte sich der Stuttgarter schnell erholen. Er trug einen Surfanzug, der ihn vor Unterkühlung geschützt hatte. Unmittelbar nach dem Einsatz der DGzRS konnte die ebenfalls alarmierte DLRG Schortens-Jever einen weiteren Kitesurfer im selben Seegebiet erfolgreich in Sicherheit bringen.

App für mehr Sicherheit

Für Trendsportler wie den in Not geratenen Stuttgarter bringen die Seenotretter demnächst die Sicherheits-App „Safe-Trx“ auf den deutschen Markt. Sie zeichnet über das Smartphone die Route etwa von Kitern, Kajakfahrern oder Wattwanderern auf. „Ein Kiter hat kein Funkgerät, aber vielleicht ein wasserdichtes Handy“, sagte Stipeldey. Im Notfall hat die Seenotleitung Bremen Zugriff auf den aktuellen Ort des Mobiltelefons. „Das kann helfen, die Suche nach einem Vermissten zu verkürzen“, sagte Stipeldey. Die App wurde von der irischen Küstenwache entwickelt, niederländische Seenotretter setzen sie bereits seit zwei Jahren ein.

Die neue DGzRS-Botschafterin Götz ist privat keine Wassersportlerin. Für ihre NDR-Sendung „Landpartie“ sei sie aber schon gesegelt, gepaddelt und auf Containerschiffen mitgefahren. Fürs Fernsehen sei sie für eine Seenotrettungsübung auf einer Sandbank ausgesetzt worden. „Obwohl ich wusste, dass es eine Übung ist, war es ein komisches Gefühl, dort allein zu stehen“, sagte Götz. Als sie das DGzRS-Boot kommen sah, sei das beruhigend gewesen. „Wie muss das erst sein, wenn man wirklich in Not ist“, sagte die 47-Jährige.

Ähnlich ist es wohl einem Nebenerwerbsfischer gegangen, der im Dezember nach dem Ausfall von Maschine und Bordelektronik stundenlang in der Ostsee vor Rerik getrieben war. In der Dunkelheit hatte der Mann versucht, sich durch Signale mit einer Taschenlampe bemerkbar zu machen.

Kreuzer für Cuxhaven

Ungewöhnlich viele Neubauten stellt die DGzRS in nächster Zeit in den Dienst. Allein in diesem Jahr sind es zwei große Kreuzer und vier kleinere Boote. Einer der beiden 28 Meter langen Seenotrettungskreuzer wird in Cuxhaven stationiert.

Zweckgebundene Erbschaften versetzten die DGzRS in die Lage, frühzeitig veraltete Schiffe zu ersetzen. „Viele werden die Namen ihrer Spender tragen“, sagte Stipeldey. Die Spender kämen oftmals nicht von der Küste, sondern aus dem Binnenland und hätten nichts mit Seefahrt zu tun. Die DGzRS finanziert sich ausschließlich durch Spenden.

Lina Brunnée Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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