Oldenburg Es gibt Kinderfragen, die lassen Erwachsene sprachlos zurück. Als ich noch nicht mal ein Schulkind war, habe ich von meinen Erzeugern wissen wollen: „Was ist eigentlich Ficken?“ Die Reaktion kann ich mir nach ihren Erzählungen nur so ausmalen: Schweigen, Schweigen, Schweigen, zwei offene Münder – und dann fängt der suchende Blick meines Vaters einen Heißluftballon am Horizont ein: „Guck mal, was dahinten fliegt.“ Thema erledigt. Ich habe nie wieder gefragt.

Auch meine Söhne (5 und 8) haben mich schon mit fragwürdigem Vokabular überrascht (wobei ich noch nicht richtig weiß, ob „Wott de fank“ unbedingt indexwürdig ist). Und dann geht es zwar harmloser zu, aber sprachlos bin ich trotzdem – wie in diesem Fall: „Papa, glaubt der Nikolaus, dass es uns gibt?“, fragte mich Eric einmal, als er noch im Kindergarten war. Die Frage ist so genial verdreht und so philosophisch (wenn derjenige, den es nicht gibt, dennoch an uns glaubt – gibt es uns dann eigentlich?), dass ich auf Anhieb keine bessere Antwort wusste als: „Das weiß der schon...“

Die skeptischen Fragen werden kommen

Die Frage nach der Existenz des Nikolaus (und damit ist nicht die historische Existenz gemeint – denn die ist ja unstrittig) wurde indes von beiden Kindern bis heute nicht gestellt. Das gleiche gilt für den Weihnachtsmann und das Christkind. Logikfragen in Sachen weltweite Logistik, Produktion und Vertrieb eines einzelnen (!) Mannes bzw. Kindes mit blonden Löckchen ließen sich bislang immer zufriedenstellend beantworten: Die haben halt Helfer, schnelle Rentiere, und soooo groß ist die Welt letztlich doch nicht...

Eines Tages wird besonders unser 8-Jähriger sich diese Geschichten nicht mehr für wahr verkaufen lassen. Schule, Fußballverein, Fernsehen, Bücher – alles des Teufels Anwälte in Sachen Aufklärung.

Irgendwo habe ich einmal gelesen (wahrscheinlich im Internet), dass manche Eltern ihren Kindern nie etwas vom Weihnachtsmann erzählt haben, weil diese die Geschichte als Lüge begriffen und das Verhältnis zu den Kindern von Wahrheit geprägt sein sollte. Das Vertrauensverhältnis zu den Kindern würde durch diese Lüge nachhaltig negativ beeinträchtigt.

Sie WOLLEN an den Weihnachtsmann glauben

Das ist mir zu viel der Aufklärung! Ich kann mich nicht daran erinnern, meinen Eltern generell nicht mehr geglaubt zu haben, nachdem ich erfahren hatte, dass der Weihnachtsmann in Wirklichkeit ein Student mit angeklebtem Bart und einem dicken Kissen unter dem Mantel ist. Und ich glaube, dass die Geschichte des mysteriösen Wesens, das einmal im Jahr in die Häuser kommt – und dazu leuchtet alles noch so schön – und Geschenke verteilt, die Kindheit bereichert. Das tut sie sogar so sehr, dass ich von Nachbarn und Freunden mit älteren Kindern oft höre: „Sie wissen schon Bescheid. Aber sie WOLLEN daran glauben!“

Warum also sollte ich meine Kinder nicht weiter „belügen“? Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind sind Teil einer Geschichte, die ihnen (Vor)Freude bereitet. Sie müssen ja nicht mit der Rute drohen oder moralisierend Verhaltensbesserungen fordern. Kinder denken eben anders. Für sie sind auch Legofiguren, Puppen oder Kuscheltiere irgendwie lebendig, auch wenn sie längst wissen, dass das nicht stimmt. Oder sie glauben an den lieben Gott – und da sind sich auch die Erwachsenen bei Weitem nicht einig, ob es den nun gibt oder nicht!?

Dies ist ein Beitrag aus „Mann, Kinners“, dem Vater-Blog auf NWZonline.

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