Oldenburg Der Satz schlug ein wie eine Bombe: „Ich möchte so gerne wieder in die Schule gehen“, sagt mir mein achtjähriger Sohn heute Morgen am Frühstückstisch. Kann das sein? Vermisst da jemand seine deutsche Lernanstalt mit all ihrem Zwang zur Konzentration, zum Stillsitzen und zu zusätzlichen Hausaufgaben? Wahrscheinlich sind es eher die Pausen mit den Freunden, die ihm fehlen. Der Schmerzensschrei, der auf die Aufforderung folgte, am ersten Tag nach den Ferien sich wieder den Quarantäne-Hausaufgaben zu widmen, bestätigt meine Theorie. Kinder sind manchmal sehr leicht zu lesen.

Glücklich, wer einen Garten hat

Der Drang nach Kontakt zu seinen Freunden – und vielleicht auch nur zu den beiläufigen Bekannten – ist nachvollziehbar. Seit vier Wochen haben die Kinder meist nur noch sich selbst. Keine Spielplätze, kein Fußballtraining, keine Freunde – immerhin war das Wetter meistens gut. Einen Garten wie wir haben allerdings auch die meisten nicht. Von Nachbarskindern hörten wir von Tränen, die fließen, weil der beste Freund nun plötzlich tabu geworden ist.

Für die Kinder ist die Sache klar: schnellstmöglich alles wieder auf Anfang, bitte! Dass es so einfach nicht ist, wissen sie mittlerweile auch. Aber man wird ja wohl noch wünschen dürfen. Jetzt haben Kanzlerin und Länderchefs entschieden: Ab 4. Mai geht die Schule wieder los, zunächst in den oberen Klassen, mein Sohn ist also nicht betroffen. Die Wartezeit geht weiter...

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Wie wird der Schulalltag aussehen?

Eins ist klar: Die Schule wird ab 4. Mai anders aussehen als vorher. Doch wie werden die Kinder mit den Beschränkungen und Empfehlungen umgehen, die so ja auch für uns Erwachsene gelten?

1. Abstand halten: Die Kinder haben durchaus verstanden, dass man anderen Menschen nicht zu nah kommen darf. Und so weisen sie mich auch darauf hin, wenn ich beim Plausch mit dem Nachbar auf der Straße für ihren Geschmack zu wenig Distanz halte. Eltern auf Fehlverhalten hinzuweisen, ist ohnehin ihre Lieblingsbeschäftigung. Das kenne ich auch aus dem Straßenverkehr: Wehe, ich fahre innerorts auch nur 53 km/h... Im Kopf wird die Notwendigkeit angekommen sein – nur ob die innere Bremse wirkt, wenn plötzlich alle Freunde wieder in wortwörtlich greifbarer Nähe sind?

2. Maske tragen: Das dürfte ungewohnt werden, aber vielleicht gelingt es ja, sich dem ganzen spielerisch zu nähern: „Ihr seid Räuber und dürft nicht erkannt werden“ oder so. Wenn die Mamas und Papas auch mit verdecktem Nies- und Spuckapparat umherlaufen, wird es den Kindern in jedem Fall helfen. Vorbildfunktion, bitte! Meine Frau hat schon fleißig Masken genäht, wir beginnen schon mit dem Üben. Das Umbinden der Maske wird für die Kinder auch nicht das große Problem werden – doch was, wenn es ihnen irgendwann auf die Nerven geht, in ein Stück Stoff zu atmen?

3. Hände waschen: Seit Wochen dürfen unsere Kinder (der Bruder des Achtjährigen ist fünf) das Haus nur betreten, wenn die Grabschaufeln vorher gründlich gewaschen wurden. Mittlerweile kommen sie der Aufforderung auch mit nur wenig Murren nach – doch von gründlich kann keine Rede sein. Sie zählen bis 30, während sie ihre Hände einseifen, lassen Wasser drüber laufen, fertig. Wir Eltern müssen meistens noch einmal ran. Ob die verordnete Hygiene in der Schule zu anderen Ergebnissen führt, wage ich zu bezweifeln.

Wer betreut eigentlich die Kinder von Lehrerinnen und Lehrern?

Dazu kommt für Familien von Lehrerinnen und Lehrern (so wie meine) ein Betreuungsproblem. Für die meisten Eltern bedeuten offene Schulen ein Problem weniger: Sie können wieder zur Arbeit gehen oder im Homeoffice konzentrierter bei der Arbeit sein. Wer kümmert sich um meine Kinder, wenn die Frau in der Schule ist und ich zu Hause am Schreibtisch sitze? Meistens spielen die beiden ja friedlich miteinander – aber manchmal geht der Lagerkoller halt auch mit ihnen durch. Zur Not hilft immer noch der Fernseher: Wenn das unsere Zukunft wird, dürfte mein Sohn so schnell doch nicht wieder in die Schule wollen.

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