Oldenburg Wer wie ich in einem Neubaugebiet mit vielen Kindern lebt, hat an Halloween nur drei Möglichkeiten: 1. Er spaziert mit seinen geschminkten und verkleideten Kindern, sobald die Dämmerung eingesetzt hat, von Haustür zu Haustür. 2. Er trifft sich in den Abendstunden mit Freunden, die man viel zu selten sieht, zum Beispiel in einem Industriegebiet. Oder 3. Er fährt das Auto in eine Nebenstraße, schaltet spätestens ab 17 Uhr sämtliche Lichtquellen im Haus ab und verkriecht sich ins Bett, wahlweise aufs Klo. Bei Punkt 2 und Punkt 3 besteht – und das sollte man wissen – die Gefahr, am Ende ein rohes Ei an der Haustür kleben zu haben.

Den Kommerzmist werdet ihr nicht mehr los!

Da meine Kinder Halloween lieben, kommt für mich natürlich nur Punkt 1 in Frage. Obwohl ich in früheren Jahren kein Freund dieses Spektakels war, bin ich nun auch ein Halloweener geworden. DAS hat einem vor der Schwangerschaft niemand erzählt... Man mag von der Gepflogenheit, mit Gruselmasken auf dem Kopf Nachbarn um Süßigkeiten zu erpressen, halten, was man möchte: Amerikanischer Kommerzmist, Belohnung falscher Verhaltensweisen, Verdrängung guter alter deutscher Traditionen und, und, und. Doch eins steht fest und sei den Halloween-Kritikern ins Stammbuch geschrieben: Den Tag werdet ihr nicht mehr los!

Denn für die Kinder ist Halloween mittlerweile auf einer Stufe mit Weihnachten und Ostern angekommen. Zwar gibt es nicht so viele Geschenke wie am 24. Dezember, dafür ist der Süßigkeiten-Sack am Ende prall gefüllt – praller übrigens als zu Ostern. Und Verkleiden macht Kindern eigentlich immer Spaß! In unserem Haus ist Halloween DAS Thema der Stunde, schon seit Wochen. Wenn die Kinder von heute einmal selbst Eltern sein werden und mit ihren Kleinen die einzigartig schönen Momente ihrer Kindheit wieder aufleben lassen wollen, dann wird ein Kürbis mit Schnitzgesicht definitiv dazu gehören. Fragen Sie mal einen Achtjährigen, warum er am 31. Oktober nicht zur Schule muss! Wetten, er sagt viel über Halloween und nichts über Martin Luther?

Ausnahmezustand auf den Straßen

In unserem Wohngebiet ist zu Halloween der Ausnahmezustand ausgebrochen. Von der Dämmerung bis 20 Uhr ist hier ein ganz besonderer Häuserkampf angesagt. Autofahrer sollten die Straßen in der Zeit meiden oder zumindest sehr langsam fahren, denn Vampire, Skelette und Mumien wechseln die Straßenseite gerne auch mal spontan. Und vor allem schnell. Wenn die kleinen Gruselmonster zu Hause auch manchmal nicht aus dem Quark kommen – an Halloween kann es nicht schnell genug gehen, die nächste Haustür aufzusuchen.

Die Kinder in unserer Nachbarschaft (es sind viele – bei uns klingelt es bestimmt 20-, 30-mal am Abend) sind vergleichsweise harmlos: Eier an Türen der Halloween-Verweigerer sieht man eher selten. Und so gibt es auch wenige davon. Viele geben sich Mühe, schmücken ihre Häuser und Gärten und freuen sich mit den Kindern, wenn sie klingeln und ihre Sprüche aufsagen (die Älteren) oder zumindest „Süßes oder Saures“ skandieren (die Kleineren).

Über Süßigkeiten freuen sich auch Mama und Papa

Am Ende des Tages sind die Kinder höchstglücklich über ihre Beute, die sie auf dem Boden ausbreiten. Sooo viele Süßigkeiten lassen die Laune natürlich steigen, auch wenn Mama und Papa nach der ersten Naschattacke ganz schnell mit Rationierungsmaßnahmen um die Ecke kommen. Bei uns verschwindet das Zuckerzeug ohnehin nach kurzer Zeit in Behältern, die auf den Küchenschränken abgestellt werden. Dort geraten sie bald in Vergessenheit. Die einzigen, die sich noch hin und wieder daran erinnern, sind meine Frau und ich. Halloween ist toll!

Christian Schwarz Redakteur / Online-Redaktion
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