Oldenburg Der Anruf kommt kurz vor Feierabend: Die beste Mama der Welt sitzt mit dem Großen beim Kinderarzt und wurde dort gleich weiter ins Krankenhaus geschickt. Das Klettergerüst, der Zahn, die Lippe sind die akustischen Puzzleteile, die ich im Kopf zu einem erschreckenden Bild zusammensetze. Es ist das erste Mal, dass wir uns als Eltern so große Sorgen machen müssen.

Das berühmte erste Mal: Zumeist wird diese Wortkombination für ein Ereignis benutzt, bei dem die Anwesenheit der Eltern ausdrücklich nicht erwünscht ist (von beiden Seiten aus). Ansonsten ist das Leben als Mama und Papa eine Sammelleidenschaft von ersten Malen. Das erste Mal, dass der Sohn lächelt. Das erste Mal, dass er sich allein umdreht. Das erste Mal, dass er auf seinen Füßen steht. Gerade im ersten Lebensjahr des Nachwuchses füllt sich dieses Sammelalbum der Erinnerungen rasend schnell.

Doch mit dem Abschied aus der Babyphase ist Zeit der Premieren noch lange nicht vorbei. Und manche Ereignisse erscheinen vielleicht ein wenig zu profan, um sie im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Aber wenn ich bewusst darauf achte, entdecke ich doch immer wieder erste Male – positiv wie negativ: das erste Mal, dass der Große den Fußball mit Vollspann trifft; das erste Mal, dass der Kleine einen ganzen Satz spricht; das erste Mal, dass der Große mir ein „Ich hasse dich“ entgegen schmettert (um sich nur fünf Minuten später wieder mit mir zu versöhnen).

Jeder Punkt steht für eine Entwicklungsschritt auf dem Weg zum Großwerden und ist daher beachtenswert. Irgendwann wird jeder meiner Söhne das erste Mal verliebt sein, das erste Mal verkatert aufwachen und eben DAS berühmte erste Mal hinter sich haben. Die ersten Male werden seltener werden. Umso mehr sollten man jedem Ereignis ein bisschen Aufmerksamkeit schenken.

Das erste Mal im Krankenhaus endet glücklicherweise unspektakulär: Bei seiner Zirkusshow, die er mit seinem besten Kumpel eingeübt hatte, war dem Großen leider beim Sprung die Landung so gar nicht gelungen – wenn das Gesicht vor den Füßen den Boden berührt, läuft definitiv etwas schief. Alle Zähne sind aber dort geblieben, wo sie hingehörten. Und während der stundenlangen Wartezeit in der Notaufnahme ist sogar die eigentlich fürs Nähen vorgesehene Wunde in der Unterlippe von alleine wieder zugewachsen. Auch wenn das erste Mal glimpflich ausging: Auf einen zweiten Anruf dieser Art würde ich gerne verzichten. Allerdings ist da ja noch der kleine Bruder...

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