Oldenburg Ja, die Kerle wieder! Kurz vor der Einäscherung stehen sie, mit einem Bein im Mausoleum, auf Abruf für die Ausstellung von Gunther von Hagens – alles nur, weil die Nase läuft. Die Sprüche kennen wir alle. Kaum ein Wort hört man über die heroische Leistung, mit Kopf- und Gliederschmerzen den Müll rauszu…ach lassen wir das. Dabei weiß jeder Vater, wer die wirklich furchtbaren Patienten sind: Kinder!

Ja, es klingt fies, aber ich sage es frei heraus: Kranke Kinder sind die Pest. Und das obwohl sie sich selbige in den allermeisten Fällen gar nicht eingefangen haben. Aber wer als Eltern die winterliche Schneuz-und-Schnief-Saison hinter sich hat, macht drei (rote) Kreuze.

Das Elend beginnt schon mit der Laufnase, die in dieser Zeit ein Dauerzustand wird, also eine Dauerlaufnase. Die Fridays-for-Future-Bewegung, die nun denkt, dass dieses Phänomen Berge von benutzten Taschentüchern nach sich zieht, die unserem Planeten watteweich den Gar ausmachen, sei beruhigt. Das Kind an sich hält nicht besonders viel von Taschentüchern – um nicht zu sagen gar nichts. Wozu ist schließlich ein schlauer Mann im Mittelalter mal auf die Idee gekommen, an die antiken T-Shirts Ärmel dran zu nähen. Und wenn die irgendwann in getrockneter Krustigkeit erstarren, verlässt sich der Nachwuchs auf das mit Recht so beliebte Hochziehen, das laut Geheimdienstinformationen in seiner nervtötenden Regelmäßigkeit als akustische Foltermethode in amerikanischen Gefangenenlagern Anwendung finden soll.

Besonders erinnerungswürdig werden die Tage für Eltern indes dann, wenn der Nachwuchs das Niveau des Standard-Schnupfens hinter sich lässt und richtig krank wird. Fieber, Dinge die vorn und/oder hinten herauskommen (siehe auch „Ich! Hab! A! A!“) oder aus dem Nichts auftauchende roten Flecken an bestimmten Körperstellen oder gleich komplett überall verteilt – für Abwechslung ist gesorgt.

Der als Weichei verschriene Mann akzeptierte ja als Betroffener seine Leiden immerhin von ganzem Herzen und zieht sich zum Sterben leise wimmernd in eine dunkle Ecke zurück, ohne zu stören. Kopf im Eimer, für den Notfall. Kinder dagegen zeigen gegenüber den Bazillen eine ähnliche Bockigkeit wie bei der täglichen Diskussion über die Fernsehzeit („Bitte, bitte, nur noch eine Folge“). Ich lasse mir von einem dahergeniesten Virus doch nicht vorschreiben, wann ich wie ein Flummi auf und ab zu springen habe, scheinen sie zu sagen.

Die Folge ist ein stetes emotionales Auf und Ab: Eben noch kauernd auf dem Sofa, im nächsten Moment bereits wieder darauf tobend (weil ist ja sonst langweilig), bevor dann urplötzlich der mühsam einverleibte Zwieback in Personalunion mit dem Salbeitee den Rückwärtsgang einlegt, natürlich mit Vollgas. Den Geier-Sturzflug-Klassiker „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt“ höre ich seit jenem Tag auf ganz andere Weise.

Doch irgendwann (versprochen), ist auch die letzte Rotznase (zwangsweise mit dem Taschentuch) abgewischt. Das Husten verstummt. Die Nahrung geht ihren gewohnten Gang. Und der Spross kann wieder zum Kindergarten. Dort warten sie bereits: die kranken Kinder der anderen. Und alles geht von vorne los. Das, liebe Väter, ist der wirklich ewige Kreis.

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